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Wirtschaft: Italien kennt keine Krise
Die gute Nachricht
Berlusconi versicherte: "Wir haben Vorkehrungen getroffen, damit die Krise der Finanzmärkte nicht die reale Wirtschaft beeinträchtigt."
Italien hat tatsächlich keine Schieflage einer Bank erlebt, keine Spekulationsverluste durch Geschäfte in den USA. Keine Bank braucht staatliche Stütze. Nun sagen manche, das sei nicht die Folge weitsichtigen Managements, sondern der Rückständigkeit Italiens: Banken sind zögerlich mit Darlehen, weil sie ihr Geld nur schwer wieder eintreiben können. Außerdem konnten sie genug Geld im Heimatland verdienen und nahmen von Risikogeschäften im Ausland Abstand. Sei es drum - Italiens Finanz-Wirtschaft steht stabil.
Die weniger gute Nachricht
Von konjunktureller Dynamik ist Italien weit entfernt. Im Jahr 2008 schrumpft das BIP um 0,2 Prozent, in 2009 um 0,5 Prozent (Prognose des Arbeitgeberverbandes Confindustria). Der IWF ist optimistischer (minus 0,2 Prozent) - dennoch: Italien steht dann schlechter da als das krisengeschüttelte Großbritannien.
Die Arbeitslosenquote stieg dieses Jahr auf 7,1 Prozent.
Die Tourismusbranche schwächelt. Der Dollarkurs vergällt amerikanischen Touristen die Reise nach Venedig oder Rom. Und auch aus Europa kamen im Sommer weniger Besucher. Die anderen Mittelmeerländer gewannen auf Italiens Kosten dazu. Italien, das in den 1970er Jahren noch das meistbesuchte Land der Welt war, rutschte bis zum Jahr 2004 auf den fünften Rang ab (hinter Frankreich, Spanien, USA und China).
Kredite: Da die Banken die Taschen zuhalten, kommen Unternehmen nur schwer an Bankkredite.
Arbeitsmarkt
In Italien wird der Anteil der Schattenwirtschaft auf 17 bis 30 Prozent am BIP geschätzt. Frauen sind nur selten berufstätig. Ein Drittel der erwerbsfähigen Italiener sind selbstständig. Zum Vergleich: in Deutschland sind es 10 Prozent.
Für die Stellensuche haben wir einige Webadressen zusammengestellt (s. Artikel "Auswandern nach Italien", unten auf der Seite). Aber um es noch einmal zu betonen: Wer in Italien einen Job sucht, findet ihn am einfachsten über persönliche Kontakte oder indem er vor Ort in Firmen, Restaurants und Büros nachfragt.
Steuern
Die Steuerquote ist mit über 43% im internationalen Vergleich hoch.
- Wichtigste Steuern sind:
- die IRPEF (Einkommensteuer für natürliche Personen), die von 23% bis 43% reicht;
- die IRES (Körperschaftssteuer), mit einem Einheitssatz von 27,5%;
- die IVA (Umsatzsteuer), die im Regelfall 20%, ausnahmsweise 10% oder 4% beträgt;
- die IRAP (die regionale Wertschöpfungssteuer), deren Regelsatz bei 4,25% liegt; vergleichbar der deutschen Gewerbesteuer;
- die ICI (Gemeindeimmobiliensteuer), die von der Berlusconi-Regierung für alle Erstwohnungen abgeschafft worden ist. Damit sollen Privathaushalte entlastet werden: 87,1% sind Hauseigentümer.
Immerhin...
Bereits zum dritten mal tritt Berlusconi sein Amt als Ministerpräsident in einer Zeit des Abschwungs an. Den Rückhalt der Wähler will er nicht mit unbequemen Reformen aufs Spiel setzen. Doch immerhin sind die dringlichen Themen noch die gleichen, die er schon beim Amtsantritt 2001 vorgefunden hat. Und schon 1994. Der Mann hat da Erfahrung :)
Nach der Forbes-Liste 2008 ist der reichste Mann Italiens der Süßigkeitenfabrikant Michele Ferrero mit 11 Milliarden Dollar. Ihm folgen Leonardo Del Vecchio und Silvio Berlusconi.
