Der kanadische Arbeitsmarkt im Überblick

Arbeiten in Kanada

Die Sprache:

Für die meisten Berufe ist es unerlässlich, auf ausreichendem Niveau auf Englisch kommunizieren können (moderate English). Wer als Permanent Resident nach Kanada eingewandert ist, kann kostenfrei über das Programm "LINC" (Language Instruction for Newcomers to Canada ) sein Englisch verbessern. Einige Community Literacy Programs bieten auch für Temporary Residents (work und study permit holders) ESL (English as a Second Language) Kurse an. Diese Kurse können zum Teil kostenlos belegt werden.

Anerkennung der Berufsqualifikation:

Direkt nach der Auswanderung nach Kanada könnte es für Auswanderer schwierig werden, eine angemessene Arbeit zu finden, die den eigenen Berufsqualifikationen entspricht. Genauso schwierig wird es sein - ohne kanadische Arbeitserfahrung - einen Job zu finden, der den eigenen Verdienstvorstellungen entspricht. An dieser Stelle sind Geduld und Weiterbildungen gefragt.

Teilweise könnten Auswanderer auch auf das Problem stoßen, dass die eigenen Berufsqualifikationen nicht anerkannt werden. Dies ist z. B. bei den sogenannten regulated professions der Fall.

In Kanada werden einige Berufe wie z. B. Pflegeberufe, Elektriker oder Ärzte bzw. Physiotherapeuten - zum Schutz der Öffentlichkeit - von einer Regulierungsbehörde geregelt. Jede kanadische Provinz und jedes kanadische Territorium hat seine eigene Regulierungsbehörde. Möchte man in einem dieser regulierten Berufe arbeiten, benötigt man eine Genehmigung der zuständigen Regulierungsbehörde. Um diese zu erhalten, ist es zunächst erforderlich, alle Unterlagen vorzuweisen, welche dann von der entsprechenden Behörde ausgewertet werden. Gegebenenfalls sind ferner noch ein Sprachtest und eine fachliche Prüfung bzw. Weiterbildungen in Kanada zu absolvieren.

Hierzu gibt es in Alberta und British Columbia aufgrund der vielen offenen Stellen, die nicht besetzt werden können, ein Pilot Projekt (e-LMO), welches es Personen, welche in regulierten Berufen arbeiten, ermöglicht, zunächst in Kanada zu arbeiten und anschließend die entsprechenden Prüfungen zu absolvieren.

In nicht regulierten Berufen entscheidet alleine der Arbeitgeber über die Eignung der Mitarbeiters.

Jobsuche in Kanada:
 
Von Deutschland aus ist die Jobsuche über das Internet am einfachsten. Das größte kanadische Stellenportal ist workopolis. Weitere Suchmaschinen sind: Can Jobs, Monster.ca, BCJobs.ca.

Wichtig zu beachten ist, dass die Jobsuche auf eigene Faust in Kanada regelmäßig ein Problem darstellt. Worldwide Immigration Solutions unterstützen Sie jedoch gerne bei der professionellen Suche nach einem seriösen Arbeitgeber in Kanada.

Vor Ort in Kanada sollten sich Auswanderer zwecks Jobsuche an das kanadische Arbeitsamt wenden.

Arbeitsbedingungen in Kanada:

Staatliche und regionale Gesetzte schützen Arbeitnehmer durch ein hohen Maß and Mindeststandards am Arbeitsplatz. Dazu gehören ein Mindestlohn, Gesundheits- und Sicherheitsstandards und eine gesetzlich festgelegte Höchstarbeitsdauer. 

Ferner gehören zu diesen Mindeststandards auch der Mutterschaftsurlaub sowie bezahlter Jahresurlaub. 10 Tage bezahlten Urlaub können in der Regel nach einem Jahr Betriebsangehörigkeit genommen werden. Nach drei Jahren Betriebszugehörigkeit werden können drei Wochen Urlaub genommen werden, sofern der Arbeitsnehmer bei der gleichen Firma beschäftigt bleibt. Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden in Kanada nicht gewährt, jedoch werden Arbeitnehmer zusätzlich nach Leistung über sog. Bonus Schemes bezahlt.

Es ist in Kanada nicht unbedingt üblich, dass Arbeitsverträge ausgestellt werden. Auf Wunsch des Arbeitnehmers stellten Arbeitgeber jedoch in der Regel einen Arbeitsvertrag aus.

Richtig bewerben in Kanada:

Ist in einer Stellenanzeige E-mailadresse oder Faxnummer angegeben, ist davon auszugehen, dass eine Bewerbung auf diesem Wege erwünscht ist. Telefonanrufe hingegen sind seitens des Arbeitgebers meist nicht erwünscht!
Arbeitgeber antworten auf Bewerbungen oft nur dann, wenn der Bewerber zu einem Interview ausgewählt wurde. Ansonsten ist es in Kanada immer noch üblich und kann sogar auch von Vorteil sein, seine Unterlagen dem Arbeitgeber persönlich zu übergeben.

Die Bewerbungsunterlagen:

Das Anschreiben für die Bewerbung um einen Arbeitsplatz nennt man "Cover Letter". Dieser sollte, wo möglich, eine persönliche Anrede enthalten und die Motivation für die Bewerbung darlegen.

Im Resume werden außer dem Namen und der Anschrift, keine persönlichen Angaben gemacht. Hintergrund sind die strengen kanadischen Antidiskriminierungsgesetze. Es wird deshalb auch kein Foto im Resume beigefügt. Damit sich der Arbeitgeber ein persönliches Bild von einem Berwerber machen kann, werden außer- und nebenberufliche Aktivitäten im Resume mit angegeben.

Am wichtigsten sind persönliche Reverenzen. Namen und Anschrift von Refrees oder der Satz "available upon request" sollten am Ende des Resumes aufgeführt werden.
Ein Resume wird umgekehrter chronologischer Reihenfolge aufgebaut, wobei die zuletzt ausgeführte Tätigkeit zuerst aufgeführt wird, um dem Arbeitgeber zuerst einen Überblick über die aktuelle berufliche Tätigkeit zu ermöglichen.

 Wie sieht ein kanadischer Lebenslauf aus?

Ein kanadischen Lebenslauf ist anders aufgebaut als ein deutscher Lebenslauf. Ein einfaches Übersetzen des deutschen Lebenslaufes ist daher nicht zu empfehlen!

Referenzen:

Kanadische Arbeitgeber fragen im Berwebungsprozess anstatt nach Berufsqualifikationen oder Arbeitszeugnissen nach den Telefonnummern von bis zu drei vorherigen Arbeitgebern. Diese vorherigen Arbeitgeber werden in der Folge kontaktiert wobei sich die Personalabteilung beim vorherigen Arbeitgeber danach erkundigt, ob dieser zufrieden mit dem Mitarbeiter war. Ein "letter of reference" - (Arbeitszeugnis) ersetzt oftmals das Nennen eines Referees.

Es empfiehlt sich dringend, die vorherigen Arbeitgeber, auch die in Deutschland, über einen kommenden Anruf "vorzuwarnen". Hilfreich ist in jedem Falle die Bitte, die vorherigen Arbeitgeber um eine positive Refrenz zu bitten.

Canadian Exeperience:

Unter Candian Experience versteht man die Arbeitserfahrung, die ein Auswanderer in Kanada sammelt. Ohne Canadian Experience kann es bei der Jobsuche in Kanada Probleme geben. Sollte dies der Fall sein, ist zunächst ein (unbezahltes) Praktikum oder das Annehmen eines Volunteer Jobs in Kanada sehr zu empfehlen. Damit kann sowohl Canadian Experience nachgewiesen werden und hat dazu noch den Vorteil, einen ersten kanadischen "Referee" bei einer Bewerbungen in Kanada angeben zu können.

Das kanadische Gesundheitssystem

Jede kanadische Provinz hat ihr eigenes Gesundheitssystem. Die Leistungen der staatlichen Krankenkassen sind weitgehend identisch. In einigen Provinzen haben landed immigrants eine Wartezeit, bevor sie von der staatlichen Krankenversicherung gedeckt sind, in anderen Provinzen aber genießen Einwanderer vom ersten Tag an Versicherungsschutz.

Leistungen, welche mit dieser Grundversorgung abgedeckt werden, sind:

  • Der Besuch beim Hausarzt ;
  • Die meisten Operationen;
  • Krankenhausaufenthalte;
  • Der Besuch bei den meisten Spezialisten;
  • Röntgenaufnahmen;
  • Die meisten Impfungen;
  • Die meisten Laboruntersuchungen.

Mit der Grundversorgung sind folgende Leistungen nicht abgedeckt:

  • Fahrten im Krankenwagen;
  • Medikamente;
  • Zahnarztkosten;
  • Der Besuch beim Optiker, sowie Brillen und Kontaktlinsen;
  • Der Besuch beim Masseur, Chiropraktiker, Akupunktur und dergleichen.

Selbst zuzahlen oder private Zusatzversicherung?

Diese nicht von der staatlichen Krankenversicherung abgedeckten Leistungen müssen entweder selbst bezahlt oder durch eine Zusatzversicherung abgedeckt werden. Oftmals bieten Arbeitgeber im Rahmen des Benefits Package "extended medical and dental coverage" an, welche diese zusätzlichen Leistungen abdeckt.

Aber: jede "extended medical insurance" hat (auch bei Zahnarztleistungen) Limits -wieviel jeder Patient pro Jahr oder insgesamt (also "lebenslang") in Anspruch nehmen darf. Die meisten Ärzte und Zahnärzte berücksichtigen dies und bieten oftmals patientengerechte Zahlungsmodelle an.

Hinweis für Einwanderer

gesunde Ernährung senkt Kosten ärztlicher BehandlungEinwanderer sollten - sobald sie in Kanada ankommen - den Antrag auf eine Health Insurance Card stellen. Alle Familienmitglieder benötigen ihre eigene Health Insurance Card. Jedoch können die Versicherungskarten zusammen beantragt werden.

Achtung! Wenn Sie in andere Provinzen oder die USA reisen, wird dringend empfohlen, eine Reisekrankenversicherung abzuschließen. Denn die Krankenversicherung in Kanada gilt nur in der jeweiligen Provinz. Bei Reisen besteht also kein vollständiger Versicherungsschutz!

Kanadische Krankenversicherung nach Provinzen

Details zu den Krankenversicherungsprogrammen der einzelnen Provinzen können hier eingesehen werden:

Kosten für die Krankenversicherung in Kanada

Wie teuer ist die Krankenversicherung in Kanada? Was weiter oben zu den Leistungen gesagt wurde, gilt auch für die Kosten: Sie sind von Provinz zu Provinz unterschiedlich. Die derzeitigen Kosten für die Krankenversicherung in British Columbia sind:

  • CAD $54 für eine Einzelperson;
  • CAD $96 für eine zweiköpfige Familie;
  • CAD $108 für drei und mehr Familienmitglieder.

Die Kosten in anderen Provinzen sind ähnlich. In einigen Provinzen ist die Krankenversicherung sogar komplett kostenlos.

Das kanadische Rentensystem

Die Altersvorsorge in Kanada besteht aus drei Säulen: der Old Age Security, dem Canada Pension Plan und der Privatrente. Hier finden Sie einen Überblick speziell für Einwanderer.

Die erste Säule: Die Old Age Security

Die Old Age Security (OAS) ist eine gesetzliche Altersversicherung, die jedem ab dem 65. Lebensjahr zusteht. Diese ist die Basisrente in Kanada Derzeit beträgt sie ca. CAD $510 im Monat. Einwanderer sollten jedoch beachten, dass diese Rente Einwanderern nur anteilsmäßig, berechnet nach der Anzahl ihrer in Kanada verbrachten Jahre, zusteht.

Beispiel: Wohnt der Einwanderer seit zehn Jahren in Kanada, so stehen ihm nur 10/40 der gesetzlichen Rente, d. h. CAD $124, bei 15 Jahren 15/40 usw., zu.

Zu beachten ist auch, dass die OAS beim Nachgehen einer Erwerbstätigkeit nach dem Erreichen des 65. Lebensjahres von der Regierung gekürzt oder, in Fällen von sehr hohem Einkommen, ganz versagt werden kann..

Die zweite Säule: Der Canada Pension Plan

Der Canada Pension Plan (CPP) richtet sich nach der Anzahl der Beschäftigungsjahre und der Höhe der in Kanada gezahlten Beiträge. Diese Rente wird normalerweise ab dem Erreichen des 65. Lebensjahres gezahlt; sie kann aber, abhängig von der Dauer der Beschäftigung in Kanda bereits ab dem 60. Lebensjahr - mit  dem entsprechenden Abschlag - bezogen werden.

Bei Tod des Versicherten wird eine Rente an den überlebenden Partner sowie an die Kinder bis höchstens 25 Jahre (Höchstalter, falls diese noch eine weiterbildende Schule besuchen) gezahlt. Der aktuelle Höchstsatz beträgt derzeit CAD $880.

Die dritte Säule: Die Privaterente

Die Privaterente kann eine Firmenrente sein oder eine durch private, steuerbegünstigte Einzahlungen erwirtschaftetet Altersversorgung. Man spricht dabei von den sog. RRSP's - der Abkürzung für den Registered Retirement Savings Plan. Die Beitrage zum RRSP werden vor Steuern (also vom Bruttolohn) abgeführt. Die Versteuerung erfolgt dann im Rentenalter nach der Auszahlung.

Der Höchstsatz an staatlicher Rente liegt be ca. CAD $1400 pro Monat, was (je nach Provinz und Lebensstandard) nicht oder kaum zum Leben reicht. Es wird daher dringend empfohlen, mittels RRSP oder anderer privater Rentenverträge für den Wohlstand im Alter vorzusorgen.

Viele Arbeitgeber bieten auch Penions Plans oder RRSP Matching an. Im Rahmen dessen zahlen kanadische Arbeitger für jeden Dollar, welchen Sie in den RRSP einzahlen, weitere CAD $0.50 oder CAD $1.00 ein. Dies ist aber abhängig vom Benefits Package, welches der Arbeitgeber anbietet. Hierbei ist in jedem Falle vor dem Eingehen des Beschäfttigungsverhältnisses in Kanada zu achten.

Rente aus Deutschland in Kanada

Personen - gleich welcher Nationalität - die eine bestimmte Zeit in Deutschland gearbeitet und dort in die Rentenkasse einbezahlt haben, können Rente aus Deutschland beziehen.

nach einem Artikel von H. Daiminger:

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