Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland

In Europa trifft die Krise die jungen Menschen am stärksten. Junge Deutsche sind seltener arbeitslos: unter den 15 bis 24jährigen belegt Deutschland Platz 3 nach den Niederlanden und Österreich. Und 25 Prozent der Deutschen sind nach der Finanzkrise eher bereit auszuwandern.

Mit einer Quote von 9,1% ist die Jugendarbeitslosigkeit* in Deutschland sehr gering. Der Grund für diese Ausnahmeerscheinung ist der flexible Arbeitsmarkt. Deutschland belegt im Juni 2011 Platz 3 hinter den Niederlanden (7,1%) und Österreich (8,2%).

Blick auf die EU Staaten

In vielen anderen Ländern ist die Arbeitslosigkeit stark gestiegen und teils ein Massenphänomen geworden. Um rund 20 Prozent stieg die Arbeitslosenquote bei der Jugend Spaniens, Lettlands und Griechenlands. In Spanien ist fast jeder zweite ohne Arbeit, in Griechenland ist es mit rund 40 Prozent kaum besser.

Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Arbeitslosenzahl in Europa 2011 und 2010

In den anderen Ländern, die seit Jahren auf Pump der EU leben, hat die "Euro-Krise" ebenfalls ihre Spuren hinterlassen. Mehr als jeder vierte junge Mensch in Italien, Portugal und Irland ist ohne Arbeit. Für den Euro-Raum bedeutet das im Schnitt eine Quote von 20,5 Prozent und einen Anstieg in den letzten drei Jahren um mehr als fünf Prozent.

Die atypische Situation in Deutschland

Warum sind die jungen Deutschen deutlich seltener ohne Job? Das Statistische Bundesamt erklärt den Sonderweg mit der hohen Flexibilität der Beschäftigung:

In unserem Land sind Jugendliche häufiger als im Ausland ‚atypisch beschäftigt‘. Atypisch meint alle Arbeitsverhältnisse, die vom Standard einer unbefristeten Vollzeitstelle abweichen. Also Minijobs, Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverträge und Zeitarbeit. Fast 40 Prozent der jungen Deutschen sind atypisch beschäftigt (Stand: 2010).

Ist diese Sonderentwicklung Deutschlands so gut, wie sie zuerst scheint? Eine pauschale Berwertung scheint nicht möglich. Denn hinter 40 Prozent atypisch Beschäftigten kann sich vieles verbergen: vom Aufstocker über einen Menschen mit drei Minijobs bis zu jemandem, der auf den Studienplatz oder sein Auslandsjahr wartet. Und man könnte bei 37 Prozent atypischer Beschäftigung auch an den seit Jahren beklagten Fachkräftemangel denken. Diese 37 Prozent werden ihn sicher nicht so bald beheben.

Mehr "Ja!" zum auswandern

Interessant ist da eher folgendes: die Bereitschaft auszuwandern ist in den Krisenländern stark gestiegen. 43 Prozent der Italiener und 26 Prozent der Briten sind nach der Finanzkrise eher bereit, ins Ausland zu gehen. Und ein Viertel der Deutschen. (Quelle: Manpower Umfrage unter 14.000 Erwerbspersonen in 9 EU Ländern)

* Jugendarbeitslosigkeit: bezogen auf Personen in Privathaushalten im Alter von 15 bis 24 Jahren