Die Millionäre wandern aus

Fluchtauto für Millionäre

Was Ihnen das Statistische Bundesamt nie erzählt: Die Millionäre verlassen scharenweise Deutschland. Das geht aus einer Studie der südafrikanischen Beratungsgesellschaft "New World Wealth" hervor. Und sie gehen nicht kleckerweise, sondern scharenweise. Im Vorjahr waren es viermal so viele wie 2015. Und noch einige Jahre früher lag die Zahl jährlicher Auswanderung konstant im unteren dreistelligen Bereich.

Nachdem 2015 eintausend Millionäre die Bundesrepublik Deutschland verlassen haben, schnellte ihre Zahl 2016 auf rund 4.000 hoch. Die Bildzeitung ermittelte kürzlich, dass es 195 Milliardäre in der Bundesrepublik gibt. Die machen diesen Trend natürlich auch mit, die Erhebung geht ja nicht nur um Menschen mit Vermögen von 1 Million, sondern ab dieser Summe. Wer soll die EU finanzieren, wenn die es nicht mehr tun?

"Die Zahlen sind Teil einer Studie von New World Wealth über die Migrationsbewegungen von Menschen weltweit, die über ein Vermögen von jeweils mehr als einer Million Dollar verfügen (zurzeit etwa 950.000 Euro)" (Manager Magazin, Februar 2017). Weltweit wurden zur Datenerhebung mehrere hundert Reiche und Superreiche interviewt. Außerdem hatte NWWealth Einwanderungs-, Vermögensberater und Immobilienmakler konsultiert und Visa-Statistiken ausgewertet.

Das ergab unterm Strich: 2016 verließen weltweit 82.000 Dollar-Millionäre ihr Land. Zum Vergleich: Jahr 2015: 64.000. Das beliebteste Ziel der Reichen ist laut NWWealth Australien. Danach folgen die USA auf #2, Kanada auf #3, #4 belegen die VAE und #5 Neuseeland. Deutsche Millionäre wanderten vor allem nach Australien und Kanada aus. Dass auch Monaco ein beliebtes Zielland ist, sollte nicht überraschen.

Was bedeutet die Auswanderung der Reichen?

Wenn wohlhabende und reiche Menschen aus einem Land auswandern, ist das ein Vorbote der Auswanderungs-Flut. Diese Menschen sind bei der Wahl ihres Wohnortes flexibler als die meisten, darum die ersten, die gehen.

Was die große Masse hält, sind Zwänge und Abhängigkeiten. Auswandern wird mehr und mehr als Menschenrecht (nicht nur als Recht von Unternehmen und Künstlern) praktiziert.

Woran liegt das?

Das ist eine nutzlose Frage. Jeder beantwortet sie so, dass die eigenen Vorurteile bestätigt werden. Das ist leicht, denn Gründe findet man für alles mögliche.

Das "Manager Magazin" spricht hier von "Spannungen in der Gesellschaft"; m.E. ist das banal. Gegenvorschlag: Das Paradigma der Nationalstaaten ist ein Auslaufmodell. Die steigende Gesamtzahl der Auswanderer und der auswandernden Millionäre ist ein Anzeichen dafür, dass die Weltgesellschaft sich weiter ausformt. Wer alles Leben und Tun an Landesgrenzen festmacht, handelt sich haufenweise Probleme ein (weil Wirtschaft, Kunst, Medien, Forschung nur in globalen Zuammenhängen erfasst werden können). Wer Landesgrenzen als Verwaltungslinien übergeht, kann die Weltgesellschaft ausmachen.

Was, kein Länder-Ranking?

Wer es partout nicht lassen kann, bitte: Deutschland ist nicht Weltmeister. Nicht mal Europameister. Das ist Frankreich: Im Jahr 2016 wanderten 12.000 französische Dollar-Millionäre aus (2015: 10.000). Aber ... die BRD holt schnell auf.

Web-Tipps und Quellen

letzte Bearbeitung: 04.09.2017

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