Südafrika - das Land am Kap

Kapstadt Panorama

Über 100.000 Deutsche leben heute in Südafrika. Es gibt Stadtviertel, wo sogar die Verkäuferinnen Deutsch sprechen. Ein deutscher TV Sender unkte, der Strand von Kapstadt erinnere an Mallorca. Was sollte man über das wohlhabendste Land Afrikas wissen? Zuerst einmal muss man sich von einem Klischee trennen: Südafrika ist viel mehr als ein Altersruhesitz für in die Jahre gekommene Playboys. Doch 2017 wachsen dem Staat die Probleme über den Kopf: Das Land stagniert und alle fordern. Und der Topf, aus dem sie bedient werden könnten, ist leer.

Steckbrief: Südafrika in Zahlen

DatenKommentar
Amtssprache: insgesamt 11: Afrikaans, Englisch, Süd-Ndebele, isiXhosa, isiZulu, Nord-Sotho, Sesotho u.a.--
Hauptstadt: Exekutive: Pretoria; Legislative: Kapstadt; Judikative: Bloemfonteingrößte Stadt: Johannesburg, 9,4 Mio. Einwohner
Fläche: 1.219.912 km²entspricht der Fläche von Spanien, Portugal und Frankreich
Einwohnerzahl: 55.436.000(2017)
Bevölkerungsdichte: 42 Einw. je km²(Deutschland: 230/km²)
BIP je Einwohner: 5.261 USDnominal, #94 weltweit
Human Development Index: 0,666#116 weltweit (Nr. 2 der afrikanischen Länder nach Tunesien)
Deutsche im Land: 100.000die meisten in Kapstadt, Pretoria und Johannesburg
Netto-Einwanderrate: -0,9 Einwanderer pro 1000 EinwohnerSchätzung für 2016

Karte von SüdafrikaDie wachsende Beliebtheit unter deutschen Auswanderern zeigt: Seit der Jahrtausendwende ist die Republik am Kap attraktiv für Ausländer geworden. Südafrika ist das begehrteste Ziel des Kontinents Afrika. Nach Zahl der Auswanderer lag es bereits 2005 in den Top-20 der Zielländer der Deutschen, ermittelte das Statistische Bundesamt.

Nördlich an Südafrika grenzen Namibia, Simbabwe und Botswana. Die östlichen Nachbarstaaten sind Mosambique, Swasiland. Das Königreich Lesotho wird vollständig vom südafrikanischen Staatsgebiet umschlossen. Südafrika hat Zugang sowohl zum Indischen als auch zum Atlantischen Ozean. Das machte schon seine Attraktivität für die holländischen Händler aus. Unten im Kapitel zur Geschichte Südafrikas mehr dazu.

Wem ist auswandern nach Südafrika zu empfehlen?

Eine Aufenthaltsgenehmigung für Südafrika erhalten Sie in diesen vier Fällen:

1. Sie haben Familie in Südafrika

Als Ehepartner oder Lebensgefährte eines Bürgers von Südafrika oder eines Bewohners mit dauerhafter Aufenthaltserlaubnis erhalten Sie diese auch. Bedingung: Sie sind seit mindestens 5 Jahren liiert. Kinder erhalten die Aufenthaltserlaubnis, wenn die Eltern sie haben.

2. Sie haben Arbeit in Südafrika

Als Arbeitnehmer müssen Sie Ihr Stellenangebot in Südafrika vorweisen. Der Arbeitsplatz muss öffentlich ausgeschrieben gewesen sein und dürfte nicht von einem Südafrikaner besetzt werden können. Kurz gesagt: Südafrikaner hätten Vorrang.

Für Auslandsarbeiter scheint es erst einmal schwierig, in die Republik am Kap zu kommen. Aber der Eindruck relativiert sich, wenn Sie bedenken, dass Sie sich i.d.R. von Deutschland aus bewerben können (bei der Mutterfirma oder der südafrikanischen Tochter). Das Unternehmen kennt den Arbeitsmarkt in Südafrika; Sie als Bewerber müssen sich dann nicht um solche Details kümmern. Nur wissen sollten Sie es, denn vielleicht wollen Sie sich auch bei kleineren Unternehmen bewerben.

3. Außergewöhnliche Fähigkeiten

Das "außergewöhnliche" zeigt sich schon darin, dass dafür keine Kriterien vorliegen. Was bleibt, ist: versuchen Sie Ihr Glück. Naturgemäß ist diese Option nur Wenigen vorbehalten :).

4. Sie sind Unternehmer

Bedingung: Sie haben in Südafrika gegründet oder haben dies vor. Sie verfügen über Investitionskapital oder Sacheinlagen in einer Höhe von mindestens 2,5 Millionen Rand. In bestimmten Branchen kann das Kapital niedriger ausfallen. In jedem Fall müssen Sie mindestens fünf Südafrikaner dauerhaft einstellen.

Was ist mit deutschen Rentnern?

Deutsche Rentner sind gern gesehen. Eine Daueraufenthaltsgenehmigung benötigen Sie nicht, um in Südafrika zu leben. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt Altersrente auch nach Südafrika.

Südafrika im Überblick

  • Fläche: 1.219.912 km² - das ist ungefähr die doppelte Größe von Texas
  • Klima: überwiegend halbtrocken; subtropisch entlang der Ostküste
  • Das Land ist reich an Bodenschätzen: Gold, Chrom, Antimon, Kohle, Eisenerz, Mangan, Nickel, Phosphate, Zinn, Uran, Diamanten, Platin, Kupfer, Vanadium, Salz, Erdgas. Die Republik hat darin nicht die größten Ressourcen. Aber die best erschlossenen Lager und Abbau-Technik sichern für Jahre den Vorsprung.
  • Landnutzung: Ackerfläche: 12%, anderes: 87%
  • Trotz Wasser-Aufbereitung und -überwachung herrscht ständig Wasserknappheit. Der Boom verschärft das Wasserproblem.
  • Bevölkerung: über 54 Millionen; vor 10 Jahren waren es noch 44 Millionen!
  • AIDS ist nach wie vor eine weit verbreitete Krankheit, besonders in der schwarzen Bevölkerung.
  • Nationalfeiertag: Freedom Day, am 27. April (1994)

Wirtschaft

Südafrika ist ein Land mit vielen natürlichen Ressourcen. Es verfügt über einen gut entwickelten Finanzsektor. Die Justiz, Kommunikationsverbindungen, Energieversorgung und Verkehrswesen sind führend auf dem Kontinent. Die südafrikanische Börse ist die größte Afrikas. Südafrika gehört zu den 20 stärksten Wirtschftsländern der Welt.

Das Wirtschaftswachstum hat sich in den letzten Jahren verlangsamt (s. die folgende Liste) und schleppt sich auf schätzungsweise 0,3% im Jahr 2016.

  • BIP: $739,1 Milliarden (2016). Das Wachstum lag bei 0,5% (2015: 1,3%). Der Wirtschaftsboom Anfang des Jahrtausends ist vorbei, damals lag das Wachstum regelmäßig zwischen 4 und 5%. Von den Wachstumszahlen liegt Südafrika auf Platz 186 der Welt.
  • Verteilung des BIP: Landwirtschaft 2,2 %, Industrie 29,5 %, Dienstleistungen 71,9 %

Arbeitslosigkeit (26%), Armut und Ungleichheit bleiben eine Herausforderung für die Nation. Es gibt kein anderes Land, in dem soziale und Rassenunterschiede so weit auseinandergehen, wo eines für das andere gehalten wird und wo Anti-Diskriminierung so leicht in eine gewaltsame Forderung umschlagen kann. Und die (höchstens) halb-informierte Weltöffentlichkeit traut den Südafrikanern (schwarzen und weißen) erst langsam zu, dass die ihre Probleme selbst lösen.

Durch die moderne Infrastruktur ist die Versorgung mit Gütern, Wasser und Strom in den Stadtgebieten recht stabil. Allerdings gibt es chronische Versorgungslücken beim Strom. Der staatliche Energieversorger Eskom arbeitet daran ... Die letzten großen landesweiten Stromausfälle waren Ende 2014 und Anfang 2015.

Wirtschaft. Fazit: Es gibt viele Schatten ...

Südafrikas Wirtschaftspolitik konzentriert sich auf die Kontrolle der Inflation. Die junge Demokratie sieht sich mit mehreren dringenden Aufgaben konfrontiert: Das Wirtschaftswachstum ist vorerst an seine Grenzen gestoßen. Es fehlen qualifizierte Fachkräfte, in Folge dessen sinkt die globale Wettbewerbsfähigkeit. Es gibt häufig Arbeitsunterbrechungen aufgrund von Streiks. Die Regierung wird mit Forderungen unter Druck gesetzt, mehr für die Unterschicht zu tun (das Dauerproblem jedes Wohlfahrtsstaates). Das alles und die Grabenkämpfe innerhalb der Regierungspartei hemmen das Wirtschaftswachstum.

Internationale Investoren sind besorgt über die langfristige wirtschaftliche Stabilität des Landes. Im Dezember 2016 setzten die tonangebenden Kredit-Rating-Agenturen Südafrika nur eine Stufe über Ramschanleihen. Und weil es dort nie aufhört: Im April 2017 setzt die Ratingagentur S&P Global Südafrikas Staatsanleihen auf BB+, das ist Ramschniveau.

Wirtschaft. Fazit: Und es gibt Licht

Südafrika ist trotz der Dellen der letzten Jahre ein aufstrebender Markt. Spätestens ab 2019 wird eine neue Regierung einiges besser machen. (Oder für die Pessimisten: Sie wird sich zumindest neue Gebiete für neue Fehler suchen, und das ist doch auch schon mal was). Das Land ist reich an Bodenschätzen und weiß sie auch abzubauen. Die noch hohe Arbeitslosigkeit und ökonomische Probleme sind Spätfolgen der Apartheid. Sie zu lösen, wird noch einige Jahre dauern. "ǃke e: ǀxarra ǁke" ist der Wahlspruch von Südafrika. Was dieses Land an Unterschieden kompensiert und gesellschaftlich integriert hat, davor könnte die EU ergriffen auf die Knie sinken.

Geschichte von Südafrika

Niederländische Händler landeten im Jahre 1652 an der Südspitze von Afrika. Die Gewürzstrecke zwischen den Niederlanden und den Anbaugebieten brauchte einen Zwischenstopp. So wurde die Stadt Kapstadt gegründet. Nachdem die Briten im Jahre 1806 das Kap der Guten Hoffnung besetzt hatten, zogen viele der niederländischen Siedler nach Norden, um neue Kolonien zu gründen, Transvaal und Orange Free State.

Über die Ostindien-Kompanie florierte der Handel mit Europa. Als Ende des 19. Jahrhunderts Diamanten (1867) und Gold (1886) gefunden wurden, boomte die Einwanderung nach Südafrika. Briten und Afrikaner regierten lange Zeit gemeinsam. 1961 wurde Südafrika Republik. Zuvor aber, im Jahr 1948, kam die Nationalpartei an die Macht. Damit begann die Politik der Apartheid, zunehmende Rassentrennung in allen Bereichen des Lebens. Die Opposition formierte sich unter dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC). Man sollte wissen, dass vor der Periode der Apartheid Südafrika ein liberaler Staat war. Bis es wieder dahin kam, sollten fast 50 Jahre vergehen.

Die ersten Wahlen, zu denen auch schwarze Afrikaner zugelassen wurden, fanden 1994 statt. Das war das Ende der Rassentrennung. Danach erschien Südafrika in deutschen Medien stereotyp als ein Land, das noch nicht die richtige Antidiskriminierungspolitik gefunden hat. Irgendwann hatten sie es anscheinend kapiert. Oder waren nicht mehr so wichtig. Wenn man die große Zahl der in Südafrika lebenden Deutschen bedenkt, kann das Klischee nicht stimmen. Sondern Südafrika muss - den Problemen und Krisen zum Trotz - ein sehr attraktives Land sein.

Politisch schien sich die Lage 15 Jahre lang immer mehr zu normalisieren. Im Jahr 2009 wurde Jacob Zuma zum Präsidenten gewählt. Von 1999 bis Juni 2005 war er schon Vizepräsident gewesen. Er wurde im Jahr 2014 wiedergewählt. Südafrika hat in seiner Amtszeit an internationales Ansehen verloren. Zu viele Skandale gab es in seiner Regierung. Zuma erscheint als der Clanhäuptling, der seinen Stamm versorgt. Eine starke Opposition, unabhängige kritische Presse und unbestechliche Justiz werden dem Land helfen, die Kinderkrankheiten zu überstehen.

Webtipps

letzte Bearbeitung: 10.06.2017

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Kommentare

Hallo,
sicherlich ist die Sicherheit ein Aspekt, aber auch nicht zu verachten ist, dass alle "Weissen" unheimlich Angst um Ihren Job haben (BEE)lässt grüssen.weiter fakt ist eine Stelle zu finden ist sehr schwer.Es gibt noch meiner Meinung nach ein paar "Inseln" die von " weissen Mitarbeitern besetzt sind.
Ich war selbst knapp 2 Jahre selbsständig und glaubt mir ich weiss von was ich rede. Wir sind seit August wieder in Deutschland, weil ich im wahrsten Sinne des Wortes schwarz sehe.

Skysurfer, danke für die Hinweise. Man sollte auch diese Aspekte des Alltags auf jeden Fall kennen, bevor man eine Entscheidung zum auswandern trifft. Auf der Folgeseite findet man einige interessante Zahlen zur Arbeit und Sicherheit in Südafrika.

Neben der schönen Natur sollte man auch die Schattenseiten des Landes kennen. Seit der (notwendigen) Abschaffung der Apartheid und der damit verbundenen stärkeren Rechte der schwarzen Bevölkerung steigt die Arbeitslosenzahl für alle Arbeitnehmer an. Es gibt Überfälle am helllichten Tag, auch mitten in Kapstadt. Das Qualitätsniveau recht dabei vom Messer bis hin zu automatischen Waffen.
Die Sicherheit, die wir in der BRD haben, gibt es dort nicht.
Wenn man Pech hat, steht man mit dem Auto an einer Ampel und jemand öffnet die Tür und hält einem eine Pistole an den Kopf. Eine falsche Bewegung und man ist tot. Dort wird nicht lange diskutiert.

Daher kommen viele Auswanderer aus den 50 - 80 er Jahren wieder zurück - so schön das Land sicherlich ist.
Prüfen Sie diesen Aspekt besser vor Ihrer Entscheidung.

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