Wirtschaftliche Freiheit in der Welt

Eine internationale Studie ergibt: Die wirtschaftliche Freiheit in Deutschland nimmt ab. Deutschland fällt auf Rang 17. Platz eins belegt wiederholt der Stadtstaat Hongkong.

Auch im Aufschwung der deutschen Wirtschaft ist unsere wirtschaftliche Freiheit nicht gestiegen. Im Gegenteil: Im internationalen Vergleich ist Deutschland von Platz 15 im Jahr 2005 um zwei Ränge auf den 17. Platz im Jahr 2006 zurückgefallen. Zu diesem Ergebnis kommt die internationale Vergleichsstudie von 52 Forschungsinstituten "Economic Freedom of the World" (EFW). In ihr werden 141 Länder hinsichtlich der Marktfreiheit verglichen.

Spitzenreiter in Sachen wirtschaftliche Freiheit ist wie in den Vorjahren Hongkong geworden. Der Stadstaat erreichte 8,9 von möglichen 10 Punkten.

Die Top Ten

  1. Menschen auf HolzklammernHongkong mit 8,9 Punkten
  2. Singapur
  3. Neuseeland mit 8,3 Punkten
  4. Schweiz mit 8,2 Punkten
  5. Großbritannien (8,07)
  6. Chile (8,06)
  7. Kanada (8,05)
  8. Australien (8,04)
  9. USA (8,04)
  10. Irland

Im Europa-Vergleich ist die wirtschaftliche Freiheit Deutschlands im Mittelfeld.

13. Dänemark
14. Finnland
15. Österreich
16. Niederlande
17. Deutschland

Spanien belegt Platz 32, Frankreich Rang 45 und Italien schafft es nur auf Platz 49. Am stärksten reguliert ist die Wirtschaft in Burma und Venezuela sowie in afrikanischen Staaten wie Zimbabwe, Angola und Niger.

Kriterien für wirtschaftliche Freiheit

Die Studie Economic Freedom of the World vergleicht die Länder nach fünf Kategorien:

  1. Wie groß ist der Staatsanteil (Ausgaben, Steuern und Staatsunternehmen)?
  2. Wie gut ist das Rechtssystem (Unabhängigkeit der Gerichte, Eigentumsrechte, Vertragssicherheit)?
  3. Wie stabil ist das Geld (Geldwachstum und Inflationsraten)?
  4. Wie frei ist der Handel (Zolltarife, Handelsbarrieren, Größe des Außenhandels)?
  5. Wie stark ist die Regulierung insgesamt?

Bulle, Symbol der BörseDie starke Regulierung auf dem Arbeitsmarkt bringt Deutschland auf Platz 124. In dieser Kategorie stehen die europäischen Nachbarn besser da: Österreich belegt Platz 28, Frankreich Platz 81. Die flexibelsten Arbeitsmärkte in Europa haben die Dänen (Platz 11) und die Schweizer (Platz 15). Punkten konnte Deutschland in den Kategorien Rechtsstaatlichkeit, Geldwertstabilität und Außenhandelsfreiheit. Schlecht bewertet werden der immense Staatsanteil (hier liegt Deutschland auf Platz 90) sowie die Überregulierung (hier kommt Deutschland auf Platz 77).

Die (Teil-)Verstaatlichungen in vielen der großen Industrieländer als "Rettungsmaßnahme" der Staaten vor der Wirtschaftskrise seit Herbst 2008 wird die Rangliste deutlich verändern. Aber die Ergebnisse sind derzeit noch nicht in vollem Umfang absehbar.

Freiheit und Wohlstand

Die Forscher konnten den  Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit, Wachstum und Wohlstand bestätigen: Die freiesten Länder hatten 2005/2006 ein durchschnittliches Wachstum von 2,3 Prozent, die Länder des untersten Viertels nur 0,5 Prozent Wachstum.
Die ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung der freien Länder verfügte über ein Einkommen von (im Schnitt) 8730 Dollar. Das Durchschnittseinkommen der ärmsten Bevölkerung in den unfreien Ländern lag bei nur 961 Dollar.

Auch wirtschaftliche und politische Freiheit bedingen einander. Zwei Ausnahmen bilden das autoritäre Hongkong und Singapur - dem wirtschaftlichen laissez faire steht die politische Peitsche gegenüber.

Quelle: F.A.Z. vom 17. September 2008; die Studie wurde erst am 16. September 2008 vorgestellt.

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