Auswandern – eine Investition in Lebensqualität

Achim Wendland ist Initiator eines Projekts für Selbstversorger in Panama. Auf einem Hochplateau fernab der Zivilisation bietet es 30 Menschen bzw. Familien ein Leben in und von der umgebenden Natur.  „Finca Bayano“ heißt das Stück Land, das Wahlheimat für Aussteiger werden könnte.

Gastbeitrag von Achim Wendland über sein Projekt

Nur wenige, die heute auswandern wollen, lockt das Abenteuer oder das „große Geld“. Wer sich heute mit Auswanderungsgedanken trägt, der sucht eine andere Lebensqualität. Weder die des entmündigenden Sozialstaates mit seiner Vollkasko-Rundum-Versorgung und -kontrolle. Noch die Ellenbogen-Mentalität aufstrebender Industriestaaten mit ihren Zusammenballung prestigesüchtiger Profi-Karrieristen.

Nach unserer Beobachtung suchen die Auswanderungswilligen von heute eher das genaue Gegenteil: einen Staat, eine Heimat, ein Zuhause, der/die/das die Freiheit und Möglichkeit bietet, die eigene Existenz selbstverantwortlich zu gestalten und zu sichern. Die Mehrheit derer, die heute auswandern, sind „Wirtschaftsflüchtlinge“ einer neuen Art. Sie wollen nicht unbedingt mehr Geld verdienen, sie wollen ihr Geld ANDERS verdienen oder besser gesagt: anders ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und wer aus diesen Gründen auswandern will, der weiß auch, dass dieses Unterfangen nur anders als bisher praktiziert glücken kann: im Einklang mit den Naturgesetzen und in einer Gesellschaft, die die Freiheit und Eigenverantwortung eines Individuums respektiert und schätzt.

Blick auf die Finca

Jedenfalls haben wir noch nicht davon gehört, dass jemand ernsthaft und freiwillig in eine offene Diktatur ausgewandert wäre … Nord-Korea steht meines Wissens jedenfalls nicht sehr weit oben auf der Hitliste der Auswanderungs-Zielländer.

Die Meisten, die aus Europa emigrieren, wollen also mehr wirtschaftliche und persönliche Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit. Wolfram Weimer, Chefredakteur des Cicero-Magazins, beschrieb die Motivationslage in seinem Artikel vom Februar 2008 sehr treffend:

„Es sind die Millionen der Mittelschicht, die die Gesellschaft tragen, sich aber von ihr zusehends weniger getragen fühlen. Sie zahlen immer höhere Abgaben, erleben Wohlstandsverluste, werden bevormundet, müssen ihre Kinder in schlechte Schulen schicken und werden dem Wettbewerbsdruck der Globalisierung mit viel weniger Schutz ausgesetzt als die ganz unten und ganz oben.“

Seit dieser Artikel erschien, sind mehr als zwei Jahre vergangen und die Wirtschaftskrise hat die seinerzeitige Ausgangslage nicht verbessert. 2008 glaubten noch die Meisten an eine schnelle Erholung von der damals beginnenden Finanzkrise. Inzwischen verbreitet sich die Einsicht, dass in der nächsten Zukunft im besten Fall große Herausforderungen auf uns zukommen – im schlimmsten Fall ein supranationaler Systemzusammenbruch historischen Ausmaßes.

Insbesondere die westlichen Länder der sogenannten „entwickelten Welt“ stecken in einem Dilemma, dessen Hauptursache in der zunehmenden und immer schneller wachsenden Verschuldung der Marktteilnehmer, also der Privatpersonen, der Unternehmen und der Staaten, liegt. Gleichzeitig jedoch ist Verschuldung die unverzichtbare Grundlage des bestehenden Finanzsystems mit seiner fiktionalen Geldschöpfung, dem Zinseszins- und dem Teilreserve-System. Ein System, das (Geld-)Vermögen nur mit dem Counterpart der Schulden erzeugen kann und das darum „unendliches Wachstum“ zwingend erfordert, um die wachsenden Zinsen der wachsenden Verschuldung bedienen zu können. Durch das fraktionelle Reservesystem steigen die Schulden zudem stärker als die Vermögen, und da die meisten Kredite nicht in Investitionen flossen und fließen, sondern dem Konsum dienen, stehen den Schulden auch keine substanziellen Sicherheiten entgegen – die Kredite wurden sprichwörtlich „verfrühstückt“. Bei den Staaten durch monströs aufgeblähte, Unsummen verschlingende und bis an die Schmerzgrenze regulierende Verwaltungen und Regierungen (Stichwort: EU), stetig wachsende Sozialausgaben und in Relation dazu schwindende (Steuer-)Einnahmen; bei Privatpersonen entstand der Schuldenberg meist durch vorgezogenen Konsum auf Kredit. Das Geld ist also weg. Was bleibt, sind die Schulden und Zinsen. Über mindestens vier Jahrzehnte wurde auf allen Ebenen mehr ausgegeben als eingenommen. Dieser Zustand KANN nicht unendlich fortbestehen und schon gar nicht noch „wachsen“.

Anstatt den Irrsinn und die zwingende Endlichkeit eines solchen Systems einzusehen, wird jedoch von den (un-)verantwortlichen Regierungen der westlichen Welt versucht, dieses System mit aller Macht aufrecht zu erhalten. Und das mit noch weiterer Verschuldung auf der einen Seite und Steigerung der Einnahmen durch höhere Steuern und Abgaben auf der anderen Seite. Erstgenanntes erhöht die Zinsleistungen, Letztgenanntes schmälert die Wirtschaftskraft, womit sich die Einnahmesituation letztendlich nicht ent- sondern verschärft: Für den Durchschnittsbürger lohnt sich Arbeiten immer weniger, wodurch die Sozialkosten steigen, und der Konsum und mit ihm die Wirtschaft über kurz oder lang wegbrechen, so dass den derweil weiter gestiegenen Zins- und sonstigen Ausgabenlasten keine nennenswerten Einnahmen mehr entgegenstehen. Last exit: Staatsbankrott und/oder Währungsreform oder sogar die größte, historisch leider schon mehrfach praktizierte „Konjunkturspritze“, zu der die durch Not in der Bevölkerung aufsteigenden Spannungen die beste „Steilvorlage“ überhaupt liefern könnte: Krieg. Gemeinsam ist allen drei „Lösungen“, dass dabei die letzten privaten Vermögen vernichtet werden – und mit ihnen die staatlichen Schulden, die im Falle eines Krieges zwar nicht ausgelöscht, sondern bewährter Weise dem „Verlierer“ angelastet werden. Ein weiterer „Kriegsvorteil“: Die Zahl der „hungrigen Mäuler“ würde drastisch reduziert, das Problem der Überbevölkerung teilweise abgebaut und die großen politischen Fehler durch noch größere Überlebensangst der Bevölkerung wirksam übertüncht.

Es wäre nicht das erste Mal – allein im letzten Jahrhundert mit seinen Weltkriegen „passierte“ es zweimal. Auf das große Weltgeschehen konnte der einzelne Durchschnittsbürger weder damals noch kann er heute darauf Einfluss nehmen. Was er kann, ist für sich selbst und ggf. seine Familie vorsorgen. Durch Investition in nach- und werthaltige, substanzielle Dinge, die in ihrem Fokus das Leben haben und nicht nur monetären und zudem fiktionalen Wohlstand auf wertlosen Papierversprechen.

Für jemanden, der in der friedlichen und wirtschaftlich aufstrebenden zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts aufgewachsen ist, kommen diese Erkenntnisse einem kompletten Paradigmenwechsel gleich. Zumal sich die aus ihr ergebenden Konsequenzen einer anderen Lebensführung in Europa, insbesondere aber in der EU, kaum umsetzen lassen. Zu groß sind Reglementierung, Kontrolle und Abgabendruck. Zu teuer sind Grund und Boden, zu komplex und abhängig sind die elementaren Versorgungsstrukturen, zu bürokratisch die Hindernisse, zu gering die Akzeptanz eines autarken Lebensstils, um das „persönliche Streben nach Glück“ hier verwirklichen zu können. Und das ist nur der „atmosphärische“ Teil der Argumente. Hinzu kommen die „hard facts“: eine hohe Bevölkerungsdichte, viele Atomkraftwerke, denen hier nicht wirksam ausgewichen werden kann, ein hoher Anteil nicht integrierter, jedoch als privilegiert empfundener Migranten und entsprechende Ressentiments in der heimischen Bevölkerung, ein Arbeitsmarkt mit nur mehr deprimierenden Aussichten auf eine auch nur existenzerhaltende Erwerbstätigkeit, nerven-, kräfte- und kapitalzehrende Hürden beim Versuch, eine berufliche Selbständigkeit oder gar eine eigene Firma aufzubauen.

Aus diesen Einsichten heraus haben wir im Jahr 2006 in Panama ein Wiederaufforstungsprojekt begonnen und hierzu das Unternehmen „Rainforest Invest, S.A.“ gegründet. Anfang 2010 starteten wir mit unserem Unternehmen ein neues Projekt. Dieses Mal erwarben wir Land zum selbstversorgenden Anbau von Lebensmitteln mit angrenzendem Bauland für Wohnhäuser – die Finca Bayano. Gedacht ist die Finca Bayano in erster Linie für Investoren, die sich mit verhältnismäßig geringen Mitteln in Panama einen Zufluchtsort für weltpolitisch widrige Zeiten schaffen wollen. Dabei ist der „harte“ Entschluss zur Auswanderung nicht unbedingte Voraussetzung. Die Finca Bayano ist für Alternativ-Urlauber, die ein eigenes Dauer-Urlaubsdomizil suchen, ebenso geeignet wie für Aussteiger und Auswanderer „auf Probe“ und – last but not least – eben auch für Nur-Investoren, die ein nachhaltiges, langfristiges Natur-Investment suchen mit dem Zusatznutzen eines „last resort“ im schlimmsten Fall.

Die Finca Bayano umfasst ein 30 Hektar großes Gelände im südwestlichen Teil von Panama’s Provinz Veraguas. Das Areal ist in 30 Parzellen aufgeteilt, deren Größe zwischen 0,36 und 1,36 Hektar liegt. 29 der Parzellen sind als Agrarland zur Bewirtschaftung vorgesehen. Auf der 30. und größten Parzelle ist der Bau eines „Dorfes“ geplant, für das hier 32 Baugrundstücke zwischen 300 und 800 qm Größe angelegt sind.

Der Kaufpreis eines landwirtschaftlichen Grundstücks innerhalb der Finca Bayano liegt je nach Größe zwischen 10.000 (0,36 ha) und 37.000 Dollar (1,36 ha); der Grundpreis pro Hektar beträgt 18.000 Dollar. Der Quadratmeterpreis der Baugrundstücke beträgt 4,80 Dollar.

Für einen Hausbau müssen etwa ab 100 Dollar aufwärts (bis ca. 500 Dollar) pro Quadratmeter kalkuliert werden – je nachdem, ob einfacher oder „luxuriöser“. Die Häuser können ganz oder teilweise in Eigenleistung errichtet oder aber ihr Bau auch komplett in Auftrag gegeben werden. Bewirtschaftungsland und Baugrundstücke sind nicht fest aneinander gekoppelt, sondern sind unabhängig voneinander zu erwerben.

Strom für das geplante Dorf der Finca Bayano kommt aus der sechs Kilometer entfernten Gemeinde Las Palmas. Für eine autarke Energieversorgung ist allerdings zusätzlich ein kleines Wasserkraftwerk an einem Wasserfall am Rande des Grundstücks für die Zukunft geplant. Später soll ein Wasserturm zusätzlich eine gleichmäßige Wasserversorgung aller Parzellen sicherstellen. Die Internet- und Telefonanbindung wird durch eine dorfeigene, hydroelektrisch betriebene Satelliten-Anlage gewährleistet sein, die Trinkwasserversorgung durch eine eigene Quelle. Ein Gästehaus im Zentrum des Dorfes soll sowohl Gäste der Bewohner als auch alternative Urlauber beherbergen. Weitere Einrichtungen und Anschaffungen werden hinzukommen: eine Bewässerungsanlage für die Felder während der Trockenzeit, eine Schlosserei, eine Schreinerei, Maschinen und Geräte für die Landwirtschaft, ein Restaurant, eine Krankenstation, je ein Fußball- und Tennisplatz und vieles andere mehr.

Das Finca Bayano-Konzept sieht vor, dass die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen sowohl von den Eigentümern selbst als auch von der Betreibergesellschaft Rainforest Invest vorgenommen werden kann. Im letztgenannten Fall wird der anfallende Bewirtschaftungsaufwand durch den Verkauf der landwirtschaftlichen Erzeugnisse gedeckt, deren Vermarktung unter dem Label „Bio Aleman“ erfolgen soll.

Getragen wird das Konzept der Finca Bayano von der Idee einer auf Gemeinschaft und Kooperation angelegten Betreibergesellschaft, die sich an dem tradierten und ökonomisch bewährten Konzept des Genossenschaftsgedankens orientiert. Diese hält das Eigentum an allen Gemeinschaftsanlagen und Einrichtungen (vom Wegenetz bis zum Gästehaus mit Restaurant) und ist für deren Organisation, Errichtung, Betrieb und Instandhaltung verantwortlich. Angedacht ist, dass sich jeder Eigentümer bis zu einem gewissen Prozentsatz seines Eigentumanteils an dieser Betreibergesellschaft beteiligen und somit Anteile an dem Gemeinschaftseigentum erwerben kann – aber nicht muss. Ebenso wird es möglich sein, die Nutzungsrechte an den Gemeinschaftseinrichtungen durch eine jährliche Gebühr zu vergelten – quasi also zu mieten. Beides – Erstellungs- wie Betriebskosten – sollen bis auf den zwingend erforderlichen Fremdbeschaffungs-/Kapitalanteil sowohl mit Geld- wie mit Arbeitsleistung abgegolten werden können.

Die Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen kann ebenso wahlweise in Eigenregie jedes Eigentümers oder aber durch einen kooperativen Zusammenschluss mehrerer Eigentümer erfolgen. Ebenso fiele die Weiterverarbeitung und der Vertrieb der landwirtschaftlichen Erzeugnisse in die Zuständigkeit dieser „Agrar-Kooperative“. Die Verantwortung, Organisation, Einteilung und Verwaltung aller Arbeits- und Mittelinvestitionen liegt beim „Management“ der Betreibergesellschaft, die der Gemeinschaft der Anteilseigner rechenschaftspflichtig ist. Leitgedanke der Finca Bayano ist es, einerseits keinen unproduktiven „Debattierclub“ entstehen zu lassen, andererseits aber die Mitgestaltungsmöglichkeit jedes Einzelnen entsprechend seinem Vermögenseinsatz sicherzustellen. Ziel ist es darüber hinaus, dass die Eigentümer der Finca Bayano zugleich auch Gesellschafter und Mitarbeiter des „Unternehmens“ Finca Bayano sein können – sofern sie es wünschen und ihre Mitarbeit dem „Unternehmen“ zuträglich ist. Mit dieser Konstellation würde eine weitestgehende Unabhängigkeit von äußeren Einflüssen erlangt, eine höchstmögliche Arbeitsqualität sichergestellt und die Notwendigkeit von Geldmitteln auf ein Minimum reduziert. Wie die tatsächliche praktische Ausgestaltung des Konzeptes letztendlich aber realisiert werden wird, entscheiden nicht zuletzt auch die entsprechenden Vorstellungen der zukünftigen Investoren-Eigentümer-Gesellschafter-Mitarbeiter.

Wir versprechen uns von unserem Projekt „Finca Bayano“, dass die Bündelung unterschiedlichster individueller Talente, Fertigkeiten und Kenntnisse bei entsprechender Gemeinschafts- und Kooperationsfähigkeit ihrer Träger Produkte und Dienstleistungen hervorbringen wird, die zu einem Qualitäts-Markenzeichen in Panama werden könnten. Aus diesem Grunde sind wir bei der Auswahl der Investoren darauf bedacht, Menschen zu gewinnen, die nicht nur fähig, sondern auch getragen sind von unserem Konzept einer autarken, kooperativen, tatkräftigen und eigenverantwortlichen Gemeinschaftsinitiative.

Wer Lebensqualität nicht nur oder hauptsächlich an westlichem Konsum- und Versorgungsdenken bemisst, für den ist Panama ein Geheimtipp. Wer die Investition in einen sicheren und relativ komfortablen Zufluchtsort mit größtmöglicher Autarkie bei kleinstmöglichem Aufwand als Zukunftsinvestition betrachtet, für den könnte die Finca Bayano zur (zweiten) Heimat werden. Wer unternehmerische Initiative mit Unterstützung Gleichgesinnter entfalten will, der könnte in dem „Unternehmen“ Finca Bayano seine Plattform finden. Und selbst für den, der nur sein Erspartes vor den Verwerfungen der Finanzkrise schützen will, dürften Investitionen in die Natur Panamas durch die zu erwartende Wertsteigerung von Grund und Boden zu einer langfristig lohnenden werden.

Panama im Allgemeinen und die Finca Bayano im Besonderen ist in jedem Fall eine lebenswerte Alternative, im schlimmsten Fall eine Überlebens-Alternative.

1 Kommentar

  1. Auswandern ja, aber nur nach Skandinavien
    Hallo,
    ich bin mal beim Stöbern auf diesen Artikel gestoßen. Ich habe mich auch schonmal mit Auswandern beschäftigt. Ist wirklich ein sehr interessantes Thema, habe ja auch schon Doku´s darüber gesehen in Afrika sesshaft zu werden. Für mich persönlich wäre das allerdings nichts. Würde eher nach Norwegen oder so gehen, da ich dort bessere Chancen für mich sehe. (auch philosophisch passt es einfach besser)
    Viel Glück aber denen, die es in Afrika versuchen wollen! 🙂

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