Schwarze Schafe, die Abzocker und die Geldschneider

Sie gibt es an jedem Ort der Welt und in jeder Branche. Manche Menschen treffen sie häufiger als andere und manche scheinen von bösartigen Geschäftemachern umstellt zu sein.

Ob, bei welcher Gelegenheit und wie oft man an Abzocker gerät, hat m.E. mehr mit dem Kunden als mit dem Anbieter zu tun. Dabei ist mir bewusst, was es heißt, in einem Geschäft, wo man ein ausgeglichenes Geben und Nehmen erwartet, Verluste zu machen. Ich will das nicht klein reden. Und ich will das nicht vertiefen. Es gibt wichtigere Fragen.

Auswandern oder einen Mixer kaufen

Wer einen Mixer für die Küche kauft, geht nicht in den erstbesten Laden und verlangt ohne den Laden zu kennen (in der Hoffnung, dass es hier überhaupt welche gibt) einen Mixer. Und es ist nicht so, dass der Verkäufer dann einen Karton auf den Tisch stellt, dem Kunden hypnotisierend zunickt und sagt: Da drin ist der beste Mixer der Welt, reingucken dürfen Sie aber noch nicht. Er kostet bei mir nur 2500,- Euro. Ohne Garantie, dass Sie damit Zuhause Teig kneten können. — So etwas wäre absurd, jeder weiß es von vornherein besser.

Man fragt Bekannte und Freunde, welchen Mixer sie haben und was der gekostet hat, wie lange er schon funktioniert, wie viele Rührstufen er hat usw. Man vergleicht Preise. Dann entscheidet man sich für einen Händler, kauft das Ding und wenn das Gerät nicht hält, was es verspricht, gibt man es zurück. Ein bekannter Händler, der seit 2 Generationen im Ort ist, ist vertrauenswürdiger als jemand, der am Wochenende aus der Garage Mixer ohne Quittung verkauft. Jeder deutsche Mixerkäufer weiß, was eine Händlergarantie ist.

Wenn jemand aus Deutschland auswandern will, verhalten sich manche Menschen anscheinend wie der naivste (sorry!) Mixerkäufer, den man sich denken kann. Wenn man sein Zielland und den üblichen Ablauf, dorthin umzuziehen, nicht selbst einigermaßen im Groben kennt, hat man immer schlechte Karten. Man kann dann nur hoffen, an den Richtigen zu geraten. Wenn man es dann noch unterlässt, andere um Rat zu fragen, sieht es ganz schlecht aus. Aber das Gefährlichste ist, die eigene Lebenserfahrung auszublenden und dem eigenen Urteil nicht zu vertrauen. Unwissenheit schützt aber nicht vor den Folgen dessen, was man tut.

Woran erkenne ich den seriösen Unternehmer und woran den Abzocker?

Haha, gute Frage 🙂 Einige Indizien kann ich immerhin nennen. Es sind keine allgültigen Tests, aber sie liefern doch Hinweise.

  • Hat der Anbieter ein vollständiges Impressum auf der Webseite? – Das ist in einigen Ländern nicht Pflicht. Aber wer vom Zielland aus seine Dienste für Deutsche anbietet, wird mit diesen Angaben immerhin etwas ‚greifbarer‘.
  • Wie schnell reagiert er auf Anfragen? – Je schneller, desto besser.
  • Wie sieht die Webseite aus? Professionelles Design und klare Navigation oder eine Webseite im Stil von 1995 (HTML Einzelseiten, Frames, oft knallige Farben und animierte .gifs usw.)? – Wo der Webauftritt zum Geschäft gehört, sind solche Fragen nicht nur Formsache.
  • Profi oder Amateur: Läuft die Webseite unter einer Toplevel Domain (wie .de, .net, .com, .ch, .nl ) oder ist sie bei einem kostenlosen Webhoster untergebracht. Letzter haben manchmal „doppelte“ Domainendungen wie „.de.tl“ (domainname.de.tl) und oft gibt es auf den Seiten ein Banner mit der Einladung „Gestalte deine eigene Webseite hier kostenlos“. – Das ist ein Indiz, wieviel der Anbieter in seinen Webauftritt investiert hat. Ich denke, wer will, dass seine Kunden investieren, der sollte das auch selbst tun.
  • Gibt es auf der Webseite Referenzen/ Kundenstimmen? Wie sind sie gemacht und was sagen sie aus?
  • Gibt es anderswo im Web Kundenstimmen zum Anbieter? – Man tippe den Namen des Anbieters bzw. des Unternehmens in eine Suchmaschine und sehe sich die Ergebnisse an.
  • Infos zum Unternehmen: Wird auf der Webseite etwas zur Unternehmensgeschichte gesagt? Seit wann ist jemand im Ausland? Seit wann betreibt er das Gewerbe?
  • Vorsicht vor Angeboten wie „Ich habe das Erfolgsrezept für Land XY und verrate es Ihnen für nur 99,- Euro!“ – Wenn Sie Ihr Geld unbedingt ausgeben müssen, spenden Sie es einem Pflegeheim. Ach und die Tipps, die können Sie sich in jedem Forum holen – gratis:)
  • Pauschalangebot oder Baukasten: Gibt es nur ein all-inclusive Pauschalangebot oder können Sie nach Ihren Bedürfnissen einen Auftrag erteilen?
  • Unverbindliche Vorabinformationen, was genau angeboten wird, sollten auf der Webseite zu finden sein. Alternativ lassen sie sich teils mit einer (kostenlosen) Email bekommen oder das ganze gibt es als Broschüre im Rahmen von höchstens 20 Euro. – Wer anfangs mehr verlangt, Vorsicht.

(Die Preise der eigentlichen Visumbeantragung und Begleitung beim Einwandern liegen natürlich höher, je nach Land und Einzelfall variiert dies).

Warum sind gerade Auswanderer in exotische Länder betroffen?

Ich meine hier die Länder, die mit niedrigen Lebenshaltungskosten punkten können. Sei es in Südostasien, Südamerika oder Osteuropa oder …

Wer ein Einkommen hat, das in Deutschland mehr schlecht als recht reicht, kann an anderen Orten oft noch gut davon leben. Doch schwierig wird es, wenn jemand mehr auf die Ersparnis achtet als darauf, was man für einen gelingenden Neustart einsetzen muss.

Oft werden ‚ärmere‘ Länder gleichgesetzt mit Ländern, in denen Gesetze nicht gelten. Die Hoffnung manches Auswanderers scheint zu sein, mit 5 Euro einen Anwalt, den Immobilienmakler und die Polizei zu bestechen – und natürlich soll das das Privileg dieses Auswanderers sein… Nicht, dass da jeder auf die Idee käme – das wäre ja ziemlich unsicher.

„Das kann ich dann ja vor Ort regeln“. Stimmt in vielen Fällen, aber eben nicht in allen.

Peter Wassmann hat  im Australienbuch typische Probleme beim Auswandern anschaulich beschrieben. Gleiches gilt für andere Länder. Auch lesenswert: Forenbeitrag „50 Tipps für richtiges Auswandern“.

Warum führt Wohin-auswandern keine Blacklist?

Auf die Frage hat mich Merlina gebracht. Danke!

Unter anderem deshalb nicht:

  • Weil ich diese Seiten online halten will, ohne jede Woche den Anwalt zu konsultieren.(Deutscher Anwalt, guter Anwalt aber auch teurer Anwalt )
  • Weil der Nutzen, einen unseriösen Anbieter zu benennen, fraglich ist. In vielen Fällen, wo sich jemand betrogen fühlt, werden wenige Fakten genannt, so dass es für Dritte unmöglich ist, die Ursachen einzugrenzen:

Hätte der geprellte Kunde es besser wissen können oder gar müssen? War es der unaufrichtige Anbieter, der den Auftrag verbockte oder zeigen sich da Probleme mit Korruption im Zielland, denen auch jeder gebürtige Einwohner ausgesetzt ist?

  • Weil es die größten Probleme beim Auswandern in die Länder gibt, die jährlich wenige Dutzend oder hundert Deutsche wählen. (Schweiz: pro Jahr ca. 15.000 deutsche Auswanderer)

Da bieten Landsleute ohne Lizenz ihre Dienste an, die teils nach 2 Jahren selbst wieder auswandern oder ein ganz anderes Geschäft beginnen.

  • Weil es oft sinnvoller ist, Kontakt zu Menschen zu knüpfen, die ausgewandert sind – die können am besten helfen.
  • Vermutlich kann jeder Auswanderungswillige eine Suchmaschine bedienen. Land + Forum eintippen, und schon kann, wer will, ausführliche Diskussionen über unseriöse „Helfer“ lesen. Wer’s mag …

Nun bist du dran, lieber Leser: Was fehlt in dieser Aufstellung? – Kritik, Ergänzungen sind willkommen!

6 Kommentare

  1. Ich lebe in Bulgarien
    Hallo Petra, kannst Dich gerne bei mir melden, ich lebe in der Naehe von Burgas und bin deutsche, auch eine gute Bekannte hat sich hier nun eine Wohnung angemietet und ist Rentnerin. Wenn Du magst melde Dich also und wir koennen uns gerne austauschen.

    hollydaybg@gmail.com

    LG
    Magie

  2. nur wer Geld hat, kann es für
    nur wer Geld hat, kann es für Dienstleistungen ausgeben, aber viele die Auswandern moechten, haben dieses nicht und sparen auf der falschen Seite und fallen exakt meist auf diese Art wiederum Betruegern in die Haende.

  3. „Schwarze Schafe
    Hallo Knut,
    leider haben Sie Recht. Es treiben sich in fast allen Foren mehr schwarze Schafe oder gar Banditos herum, als solche, die es wirklich ehrlich meinen. Dabei könnte unsere ganze Welt ein wenig für ALLE schöne und liebenswerter sein, wenn heute nicht 90% der Menschen versuchen würden, auf Kosten anderer, gutgläubiger und gutmütiger, noch an Moral und Anstand denkenden Menschen, sein eigenes Leben finanzieren zu wollen. Das Internet hat sicherlich gigantische Vorteile, kein Zweifel, aber eben auch eine Plattform für Betrüger aller Kategorien geschaffen. Dabei wäre es so leicht, mit Ehrlichkeit Vertrauen zu schaffen und aus dieser Vertrauensposition heraus sich einen guten Kundenstamm mit Empfehlungsqualität heran zu ziehen. Doch leider kapieren das nur wenige.
    Gruß
    Amelie

    • Schwarze Schafe und Wert einer Beratung
      Ich denke, daß man auch hier wie überall unterscheiden muß, was „Abzocke“ und „Betrug“ sind und was „angemessener Beratungs- und Vermittlungsaufwand“.

      Viele Deutsche sind der irrigen Meinung, man bekomme die Hilfestellung bei der Eingewöhnung in die neue Heimat umsonst und kostenlos. Dem ist natürlich nicht so, wenn man sich an professionelle Agenten, Vermittler und Berater wendet.

      Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß sich viele Auswanderer jemandem anvertrauen wollen, ihre Probleme (sprachliche, kulturelle, kulinarische, soziale) vortragen und dann hoffen, daß ihnen derjenige dann umfassend und kostenlos hilft.

      Im besten Fall lernt man andere Deutschsprachige kennen, die geschäftlich etabliert oder (meist bei einem mutinationalen Unternehmen) fest angestellt und somit nicht auf zusätzliche Einnahmen angewiesen sind.

      Einige etablierte Auswanderer haben sich aber auch auf die Beratung von Auswanderungswilligen spezialisiert oder versuchen es zumindest. Deshalb müssen sie auch für ihre Dienste Geld verlangen, einfach weil es ihr Job ist. Um als Ausländer angemessen beispielsweise in Indien als Europäer angemessen leben zu können, benötigt man ein monatliches Einkommen von mindestens 2.000 Euro, also rund 140.000 INR. Bei 200 Arbeitsstunden sind das somit 700 INR pro Arbeitsstunde. Wenn er zudem noch Räume angemietet hat und Einheimische beschäftigt, dann erreicht ein Stundenverrechnungssatz schnell mit 1.500 INR zu Buche.

      Also vereinbart er mit dem Auswanderer, sich um folgende Dinge zu kümmern:

      1. Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung (Residentpermit)
      2. Hilfe bei der Arbeitssuche
      3. Hilfe bei der Wohnungs-/Haussuche
      4. Hilfe bei der Bewirtschatung seines Anwesens(Hausangestellte-Fahrer, Koch, Dolmetscher, Security)
      5. Hilfe bei Fahrzeugbeschffung mit Zulassung und Versicherung, Führerschein (oder Fahrer)
      6. Hilfe bei Bankangelegenheiten
      7. Eingewöhnungsberatung – Kultur, Sprache, Do´s and Dont´s
      8. Bei Familien – Hilfe bei der Suche nach passender Schule
      9. Betreuung bis zu einem Jahr nach Einreise
      (Liste kann noch beliebig erweitert werden)

      Frage ist – was ist mir als Auswanderer dieser Aufwand wert, oder anders ausgedrückt: Bin ich bereit, dafür einen angemessenen Betrag dafür zu bezahlen? Und was ist angemessen? Bin ich bereit, für eine solche umfangreiche Betreuung 4-5.000 Euro zu bezahlen? Oder wird das schon als Abzocke angesehen?

      Aus eigener 19-jähriger Erfahrung als Auswanderer (nicht als Auswanderungsberater) weiß ich, daß die meisten ein Vielfaches des genannten Betrages bereits im ersten Jahr verlieren – weil sie sich den falschen Leuten anvertrauen und abgezockt werden.

      Ihnen werden die tollsten Geschäfte angeboten, Bars Nachtclubs, Teilhaberschaften, Resorts, Hotels, Pensionen, Guesthäuser etc. Und die Verkäufer denken sich: „Der Ausländer hat Geld, und wenn ich es ihm nicht abnehme, dann tut es ein anderer. Und mein Geschäft ist doch auch profitabel, wenn man sich rund um die Uhr darum kümmert. Aber ich habe dafür keine Lust mehr und will mich nicht mehr mit Einheimischen herumstreiten. Ich muß ihm nur den Mund ordentlich wässrig machen, dann klappt das schon.“

      Und erstaunlicherweise klappt das noch immer, obwohl mir diese Masche bereits 1988 aufgefallen ist und überall im Internet in den einschlägigen Foren gewarnt wird.

      Abschließend: Wer nicht bereit ist, für ordentlichen Service auch ordentlich zu bezahlen (wohl bemerkt: Transparent und mit fester Preisvereinbarung), der wird schmerzhaftes Lehrgeld an Einheimische los – zumindest in Drittweltländern wie Thailand, Philippines und Indien.

      • Auswandern und Augen offen halten
        Ich kann diesem Beitrag nur zustimmen. Ich selbst lebe nun schon ueber 17 Jahre im Ausland.

        Das erstaunliche ist, dass z.B. Anfahrten eines Handwerkers in Deutschland anstandslos bezahlt werden und Ebenso Maklergebuehren.

        Kostenvoranschlaege ebenfalls Geld kosten und auch hier niemand sich in Deutschland darueber beschwert.

        Doch sobald es ums Auswandern geht, moechten die Menschen kostenlose Hilfe,Rat und Unterstuezung haben. Ja lassen sich sogar dann im Ausland bereitwillig Tagelang das Land zeigen und auf Kosten anderer sogar noch Einladen. Jedoch ohne dabei zu bedenken, dass auch im Ausland die Menschen von etwas leben muessen und nicht nur deutsche Gaeste verkoestigen koennen.

        Ebenfalls erlebt man immer wieder, dass Deutsche einem vor Ort lebenden kleine Summen einfach so in die Hand stecken, wie einem Kellner oder Hotelpagen, als sei es dann damit getan.

        Leider ohne dabei zu erkennen, dass sie diese mit dieser Art beleidigen und abwerten, als seien Sie Kellner oder Friseure, Handwerker, die sich nach getaner Arbeit darueber freuen, noch etwas dazu zu bekommen.

        Nur der Unterschied hier ist, es gibt fuer die Arbeit aber keinen Lohn die Interessenten moechten alles gratis haben und sollte aber eine Gebuehr gefordert werden, bezeichnet man die Leute die vor Ort leben leider immer wieder als Schmarozter oder gar Betrueger.

        Die nichts anderes in Sinn hatten, als Ihnen angeblich zu versuchen das Geld aus der Tasche zu ziehen.

        Es ist enttäuschend für die Menschen, die eine Besichtigung durchführen, von Ihnen zu hören
        „ ach nein die Wohnung ist uns viel zu teuer, zu gross zu klein.
        Oder wir wollten doch lieber ein Haus und uns nur Mal so zum Spass umsehen.

        Denn auch der Vermieter und Vermittler hat seine Zeit und Fahrtzeit, Fahrtkosten,nicht gestohlen.

        Wir koennen auch nicht nur umsonst arbeiten….oder tun Sie das?

        • Meine Auswanderungspläne nach Bulgarien
          Hallo Living/Bulgaria, Ihr Artikel ist zwar scho etwas älter, aber für mich sehr interessant.- Ja, ich finde auch, dass jeder für seine Leistung etwas erhalten sollte.- Ich beziehe seit Mai eine kleine Dauerrente und erwäge Auswanderung nach Bulgarien.- Ich bin 54 J. alt (Malerin u. Schreiberin) und kenne Bulgarien noch nicht.- Am 5.September fliege ich nach Varna (Burgas hat nicht geklappt) und möchte mir dann ein Bild von Land, Leuten und Wohnmöglichkeiten machen.- Ich würde mich freuen Deutsche zu sprechen, die dort schon länger leben.- Im Gegenzug könnte ich auch Wohnungstausch zwecks Urlaub anbieten.- Ich wohne in Hamburg, sehr zentral, fast am Hamburger Hafen.- Leider habe ich trotz großer Bemühungen noch immer keine Kontakte zu Deutschen in Bulgarien.– Es grüßt, ganz aus`m Norden —- P E T R A

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