Versicherungen in Bulgarien – Erfahrungsbericht

Mitte Juli hatten wir mitten in der brütenden Sommerhitze starken Hagel. Schadensbilanz am Haus: Balkonüberdachung völlig zerstört (Sandwichplatten aus Polycarbonat), die Teerbahn auf dem Hausdach war an mehreren Stellen durchschlagen, außerdem haben die Hagelkörner an den Aufschlagstellen an der Hauswand den Putz über der Isolierung abgeschlagen. Ein Fall für die Hausversicherung? So dachte ich.

Noch während das Wasser durchs Dach tropfte, rief ich die Versicherung an und meldete den Schaden. Zwei Tage später schickten sie eine örtliche Versicherungsmaklerin, die die Schäden dokumentierte. Sie fotografierte, maß die Flächen aus, machte Notizen.

Als sie fertig war, schärfte sie mir ein, 21 Tage zu warten, und wenn in dieser gesetzlichen Frist die Versicherung doch nicht gezahlt haben sollte, müsse ich dort nachsetzen.

Merke: Man bekommt vorab keine Information über den Stand der Dinge. Man bekommt auch keine Nachricht über fehlende Unterlagen (was ja auch nicht vorkommen sollte, wo doch extra eine professionelle Versicherungsfrau da war), man bekommt gar nichts und wartet.

Als die 21 Tage um waren, schauten wir aufs Konto und stellten fest, dass die Versicherung nichts überwiesen hatte.

Merke: Bulgarische Versicherungen bezahlen nicht die Rechnung für Schadensreparaturen! Sie begleichen nicht die realen Schäden. Sie stellen interne Berechnungen an, und als Ergebnis kommen irgendwelche Beträge raus, die sie dem Kunden überweisen. Im Fall eines Unfallschadens am Auto (Lackschaden, Schürze und Stoßfänger aus der Befestigung gelöst) bekam ich umgerechnet 38,60 EUR. Achtunddreißig Euro!

Also, wir hatten nichts bekommen, ich musste die Versicherung anrufen. Die DZI, so heißt der Versicherer der Hausversicherung, hat eine landesweite Rufnummer. Als ich anrufe, meldet sich jemand mit einem schlichten „Hello“. So familiär kannte ich das in der Branche noch nicht.

Ich fragte, was los sei, sie hatte keine Ahnung. Wo das Problem liege, sie sagte, sie wolle sich erkundigen, und zurückrufen. Sie rief nicht zurück. Ich beim nächsten mal, mit einer anderen Tante, das Ganze von vorn. Um es kurz zu machen: Das ging ein paarmal so hin und her. Eigentlich sah alles gut aus, der Fall war eigentlich klar, versicherten sie mir – nur zahlen taten sie nichts und ich musste raten, woran es lag.

Erst verlangten sie eine Kontobestätigung der Bank. Ok, kriegten sie.

Dann verlangten sie einen Besitznachweis fürs Haus. Bekamen sie auch.

Dann verlangten sie ein anderes Konto. Das Konto, von dem wir die Versicherung bezahlen, geht nicht auf mich. Gemeinschaftskonten kennt man hier nicht. Ich bin zwar, nach riesigem Aufwand, zugriffsberechtigt, aber das interessiert doch keine Versicherung. Wir hatten das bereits einige male probiert.

Dann verlangten sie, dass nicht ich meine Kontoverbindung angebe, sondern eine Bestätigung darüber von der Bank!

Seit Mitte Juli warte ich auf die Begleichung meiner Forderungen. Wenn ich von der DKB den Nachweis anfordere, wie ihn die Versicherung verlangt, muss ich das Dokument bezahlen und ich warte bis zu 2 Monate auf die Post. (Alternative: per Fax, ausgerechnet! Ein Fax ist etwas, das ich alle 10 Jahre brauche und darum nicht parat habe).

Meine Prognose: Selbst wenn ich das beibringen würde, würde als nächstes eine beglaubigte Übersetzung dieser Bankbestätigung verlangt … Darum habe ich das blöde Spiel abgebrochen. Ich hätte Kosten, Zeit, Lauferei und weiß ja noch nicht einmal, wie viel die DZI am Ende (wenn überhaupt) zahlen würde.

Zum Glück haben wir keine Autoversicherung bei DZI. Die Autoversicherung brauchte keine Bankbestätigung aus Deutschland, um zu überweisen.

Also, mein Rat an Auswanderer: Seid nicht so blind und legt euch eine (ach so billige – ich weiß…) Versicherung zu, wenn man euch nicht dazu zwingt. Bulgarische Versicherungen sind das Geld nicht wert, das sie einem abknöpfen. Es sind kleinere Beträge – aber man bekommt dafür auch nichts, was einem Vergleich mit Deutschland stand hielte. Und jetzt kann ich verstehen, dass die meisten Bulgaren hier im Dorf sich das Geld lieber sparen, anstatt es der Versicherung in den Rachen zu werfen.

Schreibe einen Kommentar