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Brüssel? Och nee. Bulgarien olè!

Am 14. November sind – schon wieder, zum dritten mal dieses Jahr – Präsidentschaftswahlen in Bulgarien. Ich habe eine Wahlwerbung einer Partei bekommen. Nichts Besonderes, schien es mir zuerst. Aber als ich es mir näher ansah, war es doch eine Überraschung.

Um es kurz zu machen: Ich staunte, dass das Wahlprogramm als Einleger einen Jahreskalender enthielt. Der Kalender zeigt Monate, Wochentage, den Namen der Partei und eine militärische Karte der Kampfhandlungen im Balkankrieg 1912/13.

Kalender für das Jahr 2022 der IMRO, das Kürzel steht für „Bulgarische Nationale Bewegung“. Der Titel: 110 Jahre seit dem Balkankrieg.

Ohne jetzt ins Detail zu gehen: Wer sich die Karte ansieht, der sieht, dass Griechenland sehr klein ist, es ist der grüne Zipfel im Süden. Bulgarien ist gelb und unternimmt Angriffsoperationen in das Gebiet des Osmanischen Reiches (beige). Eine Republik Nordmazedonien gibt es nicht.

Würde eine Partei in Deutschland … na gut, das können Sie sich selber denken.

Mir ist zweierlei daran wichtig.

Erstens: Die nationalen Stimmen werden lauter

IMRO tritt zur Wahl mit einer Doppelspitze an, Dr. Milen Michov und Maria Zwetkova.

Jeder, der auf den Balkan auswandert, muss sich darauf einstellen, hier nationale Stimmen zu hören, die man in Deutschland normalerweise nicht vernimmt. Die Wahl-Slogans sind markant und letztlich sehr simplifizierend. Und sie zeigen nur eine von vielen Facetten im politischen Chor. Die Partei IMRO oder andere Parteien, die auf nationale Akzente setzen, stehen nicht für die Mehrheit der Bulgaren. Wo steht überhaupt die Mehrheit? Blöde Frage, drei Wahlgänge in einem Jahr zeigen, wie uneinheitlich die Gesellschaft ist.

Zweitens: Wer sich übergangen fühlt, ringt um Selbsterhaltung

In Europa wird versucht, wenig über Vertrauen und alles über Paragraphen zu regeln: Jeder hat das Gesetzbuch dabei, aber die Atmosphäre ist im Keller. So eine Kriegskarte wie die oben, die will doch ein Nationalgefühl wecken. Wenn es nicht Menschen gäbe, die sich in der EU übergangen fühlen, hätten nationale Selbstbehauptung und „Wir gegen den Rest der Welt“ keine Grundlage.

Jede Politik, die auf „Ich bin wichtiger als der Rest“ setzt, ruiniert letztlich das Gemeinsame. Die EU vermag den pro-nationalen Tendenzen in ihren Mitgliedsländern nicht nur nichts entgegen zu setzen, sie hat nicht einmal einen Konsens, ob so etwas dazu gehört bzw. in welchem Maße oder ob nicht. Brüssel versucht, die Augen zuzumachen. Aber das wird nicht helfen.

Die kleinen Länder streichen Milliarden an Subventionen ein, finden das normal und dann profilieren sich Parteien damit, dass sie ihr Land über alle anderen setzen, damit es nicht mehr zu kurz kommt. – Also ich hätte echt Probleme, das einem Außerirdischen zu erklären, der gerade die Erde besucht.

Die EU könnte zerbrechen

Die Europäische Union könnte an isolierenden nationalen Kräften zerbrechen. Es sind zu viele Stimmen, die in Brüssel kein Gehör finden. Oder pauschal verteufelt werden – was noch übler ist. Es wird vielleicht wie in Afghanistan enden: Jahrelang nur selbstzufriedene Bauchpinselei und plötzlich brennt die Hütte, die Hütte Europa.

Ich will damit nicht sagen, dass die Balkanländer oder Spanien oder Tschechien oder Ungarn oder, oder, oder… bessere Wege gingen als die EU. Wobei, schlechter sind sie auch nicht. Desaströs ist vor allem die Ignoranz in Europa. Jeder Dissens wird bis zur Unkenntlichkeit zerredet, keiner liebt das gemeinsame Experiment „EU“. Nur wer es liebt, könnte sehen, dass es auch schief gehen kann. Die anderen sehen nur ihre Karriere. Alles andere wird ignoriert. Ignoranz im Streit darüber, wie ein starkes Vaterland und ein Staatenbund zusammenpassen.

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