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Wirtschaft in Indien

Indien ist eine gelenkte Volkswirtschaft, die seit 1991 zunehmend dereguliert und privatisiert wurde. Seither hat sich das Wirtschaftswachstum deutlich beschleunigt. Doch nicht nur das Reiseland Indien ist voller Kontraste, sondern auch die Wirtschaft.

Taj Mahal, Wahrzeichen Indiens

Indien gehört heute in den Kreis der zehn größten Volkswirtschaften der Welt. Die Leistungsfähigkeit der indischen Wirtschaft hat nach Einschätzung vieler Beobachter in einigen Branchen (Informationstechnologie, Pharmazie) inzwischen internationales Spitzenniveau erreicht.

Bei rund 1,1 Milliarden Einwohnern betrug das Einkommen je Einwohner jedoch nur rund 800 US-Dollar. Das relativiert das BIP von 760 Mrd. US-Dollar im Jahr 2005: Indien zählt nach wie vor zu den Entwicklungsländern. Die Inder, rund 17 % an der Weltbevölkerung, tragen nur rund zwei Prozent zur weltweiten Produktion bei.

Haupthindernisse der Wirtschaftsentwicklung sind

  • die vielfach veraltete Infrastruktur, vor allem Engpässe bei der Energieversorgung
  • häufige staatliche Eingriffen und langsame politische Entscheidungsprozesse
  • ineffiziente Staatsunternehmen werden vor Wettbewerb geschützt
  • Korruption
  • während sich Indien einerseits der Weltwirtschaft öffnet und international arbeisteilig produziert, ist die indische Wirtschaft insgesamt noch stark binnenwirtschaftlich orientiert

Demgegenüber spricht für ein langfristiges Wachstum Indiens

  • der große Nachholbedarf, insbesondere im Bereich der Infrastruktur
  • die Altersstruktur der Bevölkerung – hoher Anteil junger Menschen, die in den nächsten Jahren ins erwerbsfähige Alter kommen
  • das schon heute große Angebot an qualifizierten Arbeitskräften
  • die enger werdende Integration in die Weltwirtschaft
  • hohe Währungsreserven und relativ niedrige Auslandsschulden sprechen ausländische Investoren an

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Zahlen

Von 1999 bis 2004 wuchs das BIP inflationsbereinigt um rund 6 % jährlich. Der IWF rechnet für 2006 und 2007 mit einem Wachstum um 7 %. Selbst in den Krisenjahren 2008, 2009 wuchs das BIP um über 8%. Der Verbraucherpreisanstieg lag 2004 bis 2007 bei knapp 5 %.

Laut einer Studie der US-Investmentbank Goldman Sachs soll das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt Indiens bis 2050 jährlich um 8,5 Prozent wachsen. Damit würde das Land Japan überholen und vom heutigen vierten auf den dritten Platz nach den USA und China vorrücken.

Man mag von solchen Zahlen halten was man will. Die gezeigte Richtung wird jedoch davon untermauert, dass der Träger des indischen Aufschwungs private Unternehmen sind – eine andere Basis als in der mehr staatlich gelenkten chinesischen Wirtschaft. Das indische Rechtssystem fußt zudem auf dem britischen System und ist europäischen und amerikanischen Investoren vertrauter als das Rechtssystem Chinas. Die mehr europäische Rechtsauffassung mag mit dazu führen, dass in Indien das „Know-how“ ausländischer Unternehmen und Patente mehr respektiert werden als in anderen asiatischen Ländern.

Wichtige Industriezweige

Die Textilindustrie zählt dank der riesigen Inlandsnachfrage und der Produktion für den Export auch heute noch zu den größten und wichtigsten Wirtschaftszweigen Indiens. Leder wird sowohl industriell als auch handwerklich in großen Mengen hergestellt und verarbeitet. Da Hindus die Berührung und Verwertung von Tierkadavern als unreine Arbeit ansehen, sind die meisten Angestellten der Lederbranche Muslime oder „Unberührbare“.

Weiter dominieren die Eisen- und Stahlerzeugung, Maschinenbau, Kraftfahrzeug- und chemische Industrie. In diesen Zweigen ist der Staatsanteil besonders hoch, wenn auch seit der Liberalisierung der Wirtschaft in den frühen 1990er Jahren mit fallender Tendenz.

Die indische Pharmaindustrie gehört zu den größten und fortgeschrittensten unter den Entwicklungsländern. Sie wuchs dank laxem Patentschutz für Arzneimittel. Nach wiederholtem Streit mit den Industrienationen hat Indien seine Patentgesetze verschärft.

Die Softwareindustrie hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig entwickelt. Viele indische Städte verfügen inzwischen über „Softwareparks“. Auch die Herstellung von Hardware erlebt einen rasanten Aufschwung. Mit zweistelligen jährlichen Wachstumsraten gewinnt auch die Biotechnologie an Bedeutung.

Die Hochtechnologie ist vor allem im Süden des Landes angesiedelt: Das Zentrum der Informationstechnologiebranche ist Bangalore, als neues Wachstumszentrum der Biotechnologie hat sich Hyderabad etabliert, besonders mit der Gründung des Biotechnologiezentrums Genome Valley. 2005 wurde Indien zum weltweit führenden Exporteur von Software und IT-Services, 2007 kam bereits über ein Drittel aller Computer-Dienstleistungen von hier. Diese Dienstleistungen erfolgen auch zunehmend im Auftrag ausländischer Kunden.

Wirtschaftsgeografie: Die Produktion konzentriert sich auf wenige städtische Großräume. Die wichtigsten Industriezonen sind (neben den eben genannten): die Ballungsgebiete Mumbai-Pune, Ahmedabad-Vadodara-Surat, Delhi, Kanpur-Lakhnau, Chennai, Kolkata-Asansol sowie der Punjab und der Osten Jharkhands.

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