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Arbeiten in China. Kurzüberblick für Expats
China, Land der Rekorde. Die meisten Einwohner, das schnellste Wachstum, die höchsten Auslandsinvestitionen, die meisten Goldmedaillen bei der Olympiade in Peking.
Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat 1,3 Milliarden Einwohner - mehr als USA und Afrika. China ist der viertgrößte Flächenstaat der Welt. Für den Expat sind Wirtschaft und städtische Lebensbedingungen am wichtigsten. Auf diese wollen wir uns beschränken.
China ist mit Platz 32 das Schlusslicht unserer Auswanderungs-Topliste.

Die Chinesische Mauer: noch ein Rekord übrigens. Sie ist das längste
und von der Masse her schwerste Bauwerk der Welt.
Die VR China galt noch vor wenigen Jahren als Entwicklungsland. China ist auf dem Weg zu einer neuen Großmacht. Die Sommerolympiade 2008 zeigt Chinas neues Selbstbewusstsein eindrucksvoll.
Guanxi - Beziehungen sind alles
In China sind persönliche Kontakte und Beziehungen das A und O. Informelle 'soziale Netzwerke', die Guanxi, sind nicht schriftlich fixiert und betreffen nicht Firmen/ Institutionen, sondern sind immer Beziehungen zwischen einzelnen Personen. Geschäfte macht man zuerst mit Menschen, denen man vertraut und dann mit Menschen, die die eigenen Freunde kennen. Guanxi sind auch Bürgschaften für den Partner. Sie sind eine Frage des Charakters und basieren auf Erfahrungen. Darum verwundert es nicht, dass ausländische Firmen mit einem Partner vor Ort am besten fahren. Es reicht nicht eine Agentur, die den Markt analysiert und Adressen verwaltet. Sondern entscheidend ist ein Partner, dem die Chinesen vertrauen.
Beziehungen sind ein Handel im besten Sinn des Wortes: Geben und Nehmen gleichen sich aus. Wer eine Gefälligkeit erbittet, geht die Verpflichtung ein, dem anderen seinerseits einen Gefallen zu tun.
Einkauf und Handel
Auf Straßenmärkten zahlen Touristen und Neuankömmlinge oft einen überhöhten Preis. Sie werden dabei nicht gezielt über's Ohr gehauen - sondern sie erfüllen dann nicht den ihnen zugedachten Part als Käufer: Sie handeln nicht oder nicht genug.

Einkaufen ist ein Ritual
- Der Händler verlangt zuerst völlig überzogene Preise. Nur Ausländer nehmen diese ernst.
- Der erfahrene Käufer nennt dem Händler einen wesentlich niedrigeren Preis. Einsteigen kann man ab 20-25 Prozent des genannten Preises.
- Der Händler reagiert entsetzt: „Bu xing!“ - das geht nicht! Und senkt seinen Preis ein wenig.
- Daraufhin erhöht der Kunde sein Gebot.
- Nach einigen Wiederholungen einigt man sich schließlich.
- Der Käufer sollte nie seine Freude über einen Artikel zeigen - auch und gerade, wenn er ihn unbedingt haben will. Seien Sie desinteressiert und zögerlich, lassen Sie dem Händler die schwere Aufgabe, Ihnen den Artikel aufzudrängen.
Dieses rituelle Verkaufsgespräch ist normal und wird erwartet. Solange der Händler es fortführt, wird er seine Ware mit Gewinn verkaufen. Stockt die Verhandlung früh, können Sie Ihr Desinteresse bekunden und das Geschäft verlassen. Entweder der Händler folgt ihnen und reduziert den Preis merklich. Oder das letzte Gebot war tatsächlich das unterste Limit.
In Kaufhäusern, bei Lebensmitteln oder in Restaurants ist Feilschen nicht üblich.
Einreise und Registrierung
Wohnen Sie im Hotel, kümmert sich das Haus um die Registrierung nach der Einreise. An der Rezeption bekommen Sie das “Registration Form of Temporary Residence”. Wichtig ist der Hotelstempel auf dem Formular.
Ansonsten müssen Sie sich binnen 48 Stunden nach Einreise bei der zuständigen Polizeidienststelle Ihres Wohnbezirks melden. Sind Sie zu spät, kann eine Strafgebühr erhoben werden. Nehmen Sie Reisepass, Visum und ggfs. den Mietvertrag mit. Die Meldung ist eine Formalität. Sie bekommen auch hier die Meldebescheinigung, die "Registration Form of Temporary Residence".
Auslandskrankenversicherung
Eine Auslandskrankenversicherung ist essentiell, wenn man sich länger als 6 Wochen in China aufhält. Als Expat ist man über den deutschen Arbeitgeber versichert.
In anderen Fällen sollten Sie sich selbst um die Versicherung kümmern. Zwar sind Sie bei Ihrer Firma in China sozialversichert, aber damit sind nur Leistungen in chinesischen Krankenhäusern abgedeckt. Die haben oft einen geringeren Standard als in Deutschland.
Beachten Sie bei der Wahl Ihrer Auslandskrankenversicherung...
- Familiensituation: Der Familienvater, welcher mit Frau und Kind nach China kommt, hat andere Ansprüche als ein Single in der Ausbildung.
- Das Kleingedruckte: Sie vor Vertragsabschluss zu lesen ist mühsam, dennoch anzuraten. Alle Ausschlüsse, Höchstgrenzen und Beschränkungen stehen darin. Besonderes Augenmerk gilt den Zahnbehandlungen - denn oft sind sie gar nicht enthalten.
- 24/7 Erreichbarkeit des Versicherers: Im Notfall kann die AKV über die Hotline dem Krankenhaus die Kostenübernahme garantieren. Behandelt wird nur, wer die Kosten tragen kann.
- Weltweite Deckung: Viele AKV gelten weltweit, aber nicht alle. Wichtig z.B., wenn Sie von China aus auf Dienstreise oder Auslandsurlaub gehen.
- Rücktransport nach Deutschland: Bei schwierigen Behandlungen kann es ratsam sein, sie in Deutschland durchführen zu lassen. Bei einem "medizinisch notwendigen" Rücktransport zahlt die Versicherung den Rücktransport.
- Prüfen Sie die Laufzeit; nicht jede AKV verlängert sich von Jahr zu Jahr automatisch.
Nahverkehr
Neben den öffentlichen Verkehrmitteln (Metro, Bus) ist Taxifahren in Großstädten verbreitet. Für die ersten drei Kilometer zahlt man in Peking pauschal 10 Yuan. Jeder weitere Kilometer kostet 2 Yuan. Für etwa 3 Euro kann man die Innenstadt Pekings durchqueren. Es gibt etwa 70.000 Taxis in der Hauptstadt. Für die Olympiade wurde der Fuhrpark erneuert - neue, größere Autos mit mehr Platz lösen die alten Kleinwagen ab.
Ausländer in Beijings Taxis sind bisher immer angekommen, auch wenn sie kein Chinesisch sprechen. Notfalls verständigt man sich mit Händen und Füßen. Und der KP Chinas sei Dank - für die Olympiade gab es einen Pflichtkurs Englisch für Taxifahrer.
Bevölkerungsentwicklung
Um das rasante Bevölkerungswachstum zu verlangsamen, gilt die Ein-Kind-Politik. Erfolg: das Wachstum sank von über 3 % auf 0,7 %. Doch wurde der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben: China leidet unter einem sich in den nächsten Jahren weiter verschärfenden Frauenmangel. In den ländlichen Gebieten ist Frauenkauf darum zu einem boomenden Geschäft geworden - für die Frauen und deren Familien eine Tragödie.
Die meisten Chinesen leben in den Küstenregionen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt auf 10 % der Fläche, was einer Bevölkerungsdichte von 740 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht.

Nacht in der Sonderwirtschaftszone Hong Kong
Wirtschaft
Gemessen an der Kaufkraftparität ist die Wirtschaft der Volksrepublik die zweitgrößte der Welt. Im Export verdrängt China gerade Deutschland auf Platz3. Chinas Wirtschaft ist die weltweit am schnellsten wachsende. 2006 betrug der chinesische Außenhandel ca. 1,76 Billionen US-Dollar, nachdem die 1-Billionen-Marke das erste mal im Jahr 2004 überschritten wurde.
