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Wenn in Island die Wirtschaft wackelt...

... dann wissen die Isländer, dass sich Lava unter der Erde regt. Islands größter Schatz also - keine Gefahr. Oder doch eine Krise, wie Analysten munkeln?

Die Finanzkrise trifft Island mit voller Wucht, ein Notstandsgesetz ermächtigt die Regierung, Banken zu übernehmen. Island trotzt (noch) der Krise, doch droht der Staatsbankrott. Zur Lage im Oktober 2008

  • das Allthing genehmigte ein Notstandsgesetz zur Übernahme angeschlagener Banken
  • der Handel mit Bankaktien in Reykjavik ist ausgesetzt
  • die Bilanzsumme der Banken liegt beim neunfachen des isländischen Bruttoinlandsprodukts - die meisten Geschäfte wurden auf internationalen Finanzmärkten getätigt. So ist trotz des Energiereichtums der Boom Islands (vorerst) beendet. Es droht der Staatsbankrott.
  • Seit Jahresbeginn hat die isländische Krone zum Dollar 70 Prozent an Wert verloren.
  • In den letzten 2 Monaten stieg die Inflation auf 14 Prozent (rund 20 Prozent seit 09/ 2007)
  • Dem Land droht steigende Arbeitslosigkeit.
  • Inflationsbedingt sind Wohnungskredite ebenfalls um 20 Prozent gestiegen und verkaufen kann man wegen des Preisverfalls nicht mehr.

Quelle: FAZ 17.10. 2008

Den Isländern geht es eigentlich so gut wie kaum einem anderen Volk. Nach Island auswandern ist verlockend - nicht zuletzt wegen der geringen Nebenkosten. Dennoch kriselt es in dem Inselstaat. Dabei steht Islands Wirtschaft trotz scheinbar gravierender Nachteile sehr gut da. Bis jetzt.

Schafzucht - wichtigster Zweig der Landwirtschaft Islands

Islands Wirtschaft: Pro & Contra

Pro Contra
Vollbeschäftigung und kaum Armut
eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt (rund 47.000 Euro; Deutschland: 29.500 Euro)
Island hat eines der besten Gesundheitssysteme aufgebaut
Lebenserwartung ist mit die höchste weltweit
herausragendes Wirtschaftswachstum: 2004 und 2005 stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jeweils 8 Prozent, 2006 und 2007 um jeweils 4 Prozent
krisensichere Energiegewinnung durch Erdwärme
die abgeschiedene Lage im Nordatlantik
vulkanisch geprägtes Land mit wenig Vegetation

Islands Wirtschaft 2008

Die ausgezeichnete Entwicklung hat ein jähes Ende gefunden. Vor allem bei Benzin und im Supermarkt steigen die Preise. Die Isländer leiden unter hohen Weltmarktpreisen für Öl und Nahrungsmittel. Island ist auf den Import von Nahrungsmitteln angewiesen, da es kaum eigene Landwirtschaft gibt. Und alle Importe - das ist das Entscheidende - muss Island mit einer schwachen Währung bezahlen.

Schuld ist die Kreditkrise seit dem Sommer 2007:

  • Erst im Jahr 2003 wurden einige isländische Banken privatisiert.
  • Sie nutzten die niedrigen Leitzinsen, um sich in fremden Währungen hoch zu verschulden und international zu wachsen.
  • Am Beispiel der Kaupthing Bank, der größten Bank Islands: Im Sommer 2007 betrug ihr Börsenwert 10 Milliarden Euro - bei einem BIP Islands von 14,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank hatte im Sommer 2007 einen Börsenwert von 62 Milliarden Euro, das deutsche BIP beträgt aber auch 2,4 Billionen Euro.

„Wir können nur als Kreditgeber der letzten Instanz in isländischen Kronen auftreten, unsere Banken machen ihr Geschäft aber vor allem in anderen Währungen", skizzierte Arnor Sighvatsson, Chefvolkswirt der isländischen Zentralbank, in der F.A.Z. vom 2.6. sein Dilemma. Drohende Bankenpleiten wären für Island besonders schmerzhaft. Schlechte Zeichen:

  • Ausländische Investoren haben ihr Kapital aus Island abgezogen.
  • Rating-Agenturen haben die Bonitätseinstufung für Island als Land gesenkt.
  • Die Krone verlor drastisch an Wert. Wechselkurs in 2007: 1 Euro = 80 Kronen; in 2008: 1Euro = 115 Kronen.
  • Damit sind Importe aus Europa um fast 50 Prozent teurer.
  • Durch den Importbedarf Islands steigt die Inflation: Im Mai wurde mit 12,3 Prozent ein neuer Höchstwert erreicht.

Andere skandinavische Zentralbanken stützten die Krone. Das brachte Mitte Mai 2008 eine erste Wende. Die isländische Krone stieg wieder im Vergleich zum Euro.

Tourismus in Island: Zeltplatz
Tourismus in Island:  1000jährige Zeitreise

Gute Prognosen für Islands Wirtschaft

Die 313.000 Isländer sind dennoch überwiegend optimistisch. Sie setzen auf die Flexibilität der isländischen Wirtschaft. Eine ernsthafte Gefahr für eine Pleite sehen die Bankvorstände nicht.

Worauf stützt sich der Optimismus? Die großen Themen der Welt sind steigende Preise für Energie und Nahrungsmittel. Und Islands Stärken? Fischfang (Nahrungsmittel) und Erdwärme (Energie). Der Fischfang macht rund die Hälfte der isländischen Exporte aus und der Energiereichtum wird zum neuen Wachstumsmotor für Islands Wirtschaft.

Reykjaviks Straßen und Gehwege sind im Winter immer eisfrei: sie werden beheizt! Die Strecke von Reykjavik zum Flughafen Keflavik ist stets von Straßenlaternen beleuchtet. Das Land hat Energie im Überfluss.

„Die niedrigsten Strompreise Europas", wie die isländische Regierung wirbt, sorgen dafür, dass immer mehr industrielle Großprojekte in Island realisiert werden. So ist die Aluminiumherstellung zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig geworden. Bei Aluminium sind 40 Prozent der Kosten Energiekosten. Die Erze werden sogar aus Australien mit dem Schiff zur Verarbeitung angeliefert.

Wichtig für die Island Wirtschaft: der Tourismus

Touristen sind eine zentrale Einnahmequelle geworden. Vor allem Kreuzfahrtschiffe machen in Island halt. Und die rauhe Landschaft mit ihren Gletschern, Vulkanen und Geysiren lockt Naturliebhaber aus aller Welt an. Mittlerweile kommen fast 400.000 Touristen pro Jahr - ein Drittel mehr, als Island Einwohner hat.

Bevölkerung und Arbeitsmarkt

Einwohnerzahl: 313.000 (April 2008). Zwei Drittel davon leben in und um Reykjavik. Das Landesinnere ist fast unbewohnt. Für 2012 wird mit 350.000 Einwohnern gerechnet. Das ist ein deutlicher Gegentrend zu den reichen Ländern Europas. Er liegt an den hohen Geburtenraten und an einer höheren Einwanderung.

Island ist kein EU Mitglied, aber Unterzeichner des Schengener Abkommens. Arbeitnehmer aus der EU können ohne Kontrollen einreisen.

Isländer arbeiten viel und lange: meist gehen die Isländer mit 67 oder später in Rente. Die hohen Löhne lockten Zuwanderer an. Die größten Ausländergruppen sind Polen, Dänen und auf Platz 3 die Deutschen.

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Danke für die Leseempfehlungen!

Verfasst von Knut am 24. September 2009 - 20:35.

Island Fan, danke für die Tipps. Die Titel kommen gleich auf meine Wunschliste. "Von Lust und Frust, in der Krise zu sein" ist ein überraschender Untertitel :)

  • Antworten

Bücher zum Thema können weiterhelfen

Verfasst von Island-Fan am 24. September 2009 - 18:49.

Hallo liebe Internetwelt.
Ich beschäftige mich nun schon eine Weile mit Island als Auswanderungsziel. Empfehlenswert für das Verständnis sind meiner Meinung nach 2 deutsche Bücher: Zum einen "Wir sind alle Isländer" und "Zwischen Licht und Dunkel - Abenteuer Alltag in Island" Beide Bücher sind dazu angetan die Rosa Brille im Bezug auf Island abzusetzen.

Das Land ist nun verschuldet. Das Vertrauen in die Regierung und in die Banken ist stark angeschlagen. Fast alle Isländer sind von der Krise betroffen, durch mehr Schulden oder durch Arbeitsplatzverlust, was wiederum auf Schulden hinausläuft.

Das Leben in Island wird sicher nicht so einfach sein wie in Deutschland. Die Sprache ist sehr schwer, die Behörden sind auch nicht "netter" als die in Deutschland und die Arbeitslosenzahlen erreichen immer neue Höhen. Viele Gastarbeiter verlassen das Land. Hinzu kommen sicher auch die extremen Wetterbedingungen. Für den Alltag ist das gleichnamige Buch sehr empfehlenswert. Es geht auch auf den Isländer an sich ein.

Für die Betrachtung der jetzigen wirtschaftlichen Lage ist das Buch "Wir sind alle Isländer" sehr gut. Es zeigt die Hintergründe der Krise in Island und wie einzelne Isländer damit umgehen. Ein Zeitzeugnis und ein Bericht der sensibilisiert.

Jeder muss für sich abschätzen, warum er Island in die Wahl für eine Auswanderung mit einbezieht. Doch sind die Arbeitsbedingungen sicher momentan kein guter Grund. In den nächsten Monaten und Jahren wird sich einiges auf Island tun. EU-Beitritt, ggf. die Einführung des EURO, Rückbesinnung auf die Fischerei als Einnahmequelle und natürlich im Sommer der Tourismus.

Ich empfehle jedem sich umfassend zu informieren und ggf. Kontakte zu Isländischen Reiseleitern aufzunehmen. Diese können sicher hilfreich sein, wenn man wirklich die Zelte in Deutschland abbrechen will und einen subjektiven Eindruck zu den gegebenen Bedingungen liefern.

Jedenfalls wünsche ich jedem Auswanderer viel Glück,
egal wo es ihn hinzieht. :-)

  • Antworten
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