Job gesucht, Job gefunden: Als Trucker in die Schweiz

Stadt Zürich, die neue Heimat in der Schweiz

Trucker sind Menschen, deren Arbeitsplatz (und manchmal ihr zweites Zuhause) mindestens drei Achsen hat und 40 Tonnen aufwärts laden kann. Einkauf im Supermarkt, Straßenbau, Tankstellen ... unser tägliches Leben ist ohne die Transportbranche nicht denkbar. Doch gelten die Menschen, die uns das ermöglichen, hierzulande oft als bessere Hilfsarbeiter. Und man staune: in anderen Ländern ist das anders. Ein kleines Beispiel ...

Jens* ist Berufskraftfahrer. Er erzählte mir, dass er in der Schweiz eine neue Arbeitsstelle gefunden hat, nachdem die Suche in Deutschland erfolglos blieb. Sein Weg dahin ist interessant für alle, die auch in die Schweiz gehen wollen und vielleicht besonders für Trucker, die beim auswandern zuerst an Kanada denken. Denn leider denkt Kanada nicht mehr so gern an sie, sprich: nach Kanada auszuwandern ist voraussetzungsvoll und mit hohen Wanderungskosten verbunden.

Die erste Idee: Norwegen / Kanada ...

Ich habe einen Bekannten der in Norwegen Truck fährt. Den habe ich erst nach meiner Idee, in Norwegen zu arbeiten, kennen gelernt. Er bestätigt die großen Unterschiede im internationalen Vergleich, in dem auch Norwegen nicht besonders gut dasteht. Norwegen hat eine derart harte Srassenverkehrsordnung: Man fährt scheinbar stundenlang durchs nichts, und wie von Geisterhand stehen Polizeikontrollen da und überprüfen den Truck. Achslasten usw.

Seiner Erfahrung nach soll der Lebensunterhalt fast dreimal so teuer sein wie in der BRD. Um dort zu arbeiten, sollte man mindestens KFZ Mechaniker sein. Denn wenn man in Norwegen eine Panne hat, dies soll in Kanada nicht anders sein, dauert es bis zu 4 Tagen, bis ein Mechanikerteam beim Truck eintrifft.
Neee neeee ...

Und dann: die Schweiz

Ich habe einen geilen Job in der Schweiz gefunden. Habe beinahe das dreifache wie hier in Deutschland. Mein Lohn besteht aus :

  • Gehalt
  • Bonus 1 = Am Ende des Monats kein Schaden am LKW = 200 € (Cash)
  • Bonus 2 = 12 Monate durcharbeiten ohne Krankmeldung = 1000 € (Cash)
  • 13. Monatslohn
  • 25 Tage Urlaub (bezahlt)
  • geregelte Arbeitszeit

Nachdem ich 3 Jahre in der Schweiz gearbeitet habe, kann ich meinen Hauptwohnsitz in die Schweiz verlegen. (Bin nicht sicher, ob das so genau stimmt).

Also, ich für mich habe gefunden wonach ich gesucht habe. In Deutschland habe ich die Ausbildung zum Berufskraftfahrer gemacht. Der deutsche Arbeitgeber ... (sorry für die Wortwahl) ... scheißt auf diese Ausbildung. Für ihn bin ich nur ein kleiner dummer Fahrer, dem man nach Belieben einen Schuh in der Arsch rammt, wenn nicht gespurt wird. Und dies bei einer minimalen Bezahlung.

Warum soll er einen Berufskraftfahrer einstellen, der wesentlich mehr verdient, als ein einfacher Fahrer? Fahrer ist Fahrer, Basta. Urlaub? *Lachplatte*. In Deutschland ist ein Gesellenbrief gleichgestellt wie Toilettenpapier. Abgesehen davon, dass einem ständig der Disponent im Nacken sitzt und Druck macht, haben wir Kraftfahrer auch noch das Glück, unter ständiger Kontrolle des BAG / Polizei und Zoll zu stehen.

Der Spaß am Truck fahren vergeht einem spätestens dann, wenn man seine Lenkzeit erreicht hat und Rasthöfe an den Autobahnen total überfüllt sind mit LKWs die Ihre Pause machen. Den Gesetzgeber juckt es herzlich wenig, das man keine Pause machen konnte weil kein Stellplatz vorhanden war. Fakt ist, dass man seine Lenkzeit nicht eingehalten hat.

Dies ist in der Schweiz aber genau das gleiche. Nur dort herrscht striktes Nachtfahrverbot. Man schaut also zu, das man vor 22.00h außer Landes ist oder einfach steht.

Matterhorn

In der Schweiz ist eine Qualifikation noch etwas wert. Aber dies in Allen Arbeitsbereichen. Man kann sich schon fast den Arbeitgeber selbst aussuchen. Ich sagte z.B. beim Vorstellungsgespräch : "Meine Lohnvorstellung liegt bei 6500 SFr Brutto - Anfangslohn " (6500 SFr = 4295 €)

Wird der Arbeitgeber vorab handeln oder verneinen, verabschiede ich mich freundlich und verlasse den Raum. Realistisch liege ich jetzt ein bisschen unter dem, was ich mir an Brutto vorgestellt habe. Ich kann mich nicht beklagen.

Schild an der Schweizer Grenze

So fand ich meinen Job. Denn ich habe meine Qualifikation. Meinen Gesellenbrief. Deutschland kotzt mich immer mehr an. Ich kenne Fahrer, die arbeiten für 1750 € Brutto. Wenn sie versehentlich an einer Rampe ein Rücklicht beschädigen, wird ihnen dies vom Lohn abgezogen. Hallo ?! Norwegen wäre schon schön. Hier in der Schweiz, da rufe ich den Pannenservice an wenn ich stehen bleibe. Höchstens eine Stunde Wartezeit. Bin abends Zuhause. und und und ...

Aber Deutschland ??? Die deutschen Politiker kümmern sich einen Dreck. Ja, DU bist Deutschland. Sind wir nicht alle ein Bisschen Bluna?

Jens, wie lange hast du gesucht, bis du die Arbeitsstelle in Zürich gefunden hast?

Ich habe 2 Monate gesucht und hatte mehrere realistische Vorstellungsgespräche.

Wie bist du vorgegangen – hattest du Empfehlungen, wurdest du beraten, bist du direkt runtergefahren ...?

Naja, ich sprang quasi ins kalte Wasser und bewarb mich blind. Ich nutzte auch die Situation des Winters aus. Es war ein harter Winter und viele Transportunternehmen haben darunter gelitten. Es wurden also unweigerlich Stellen frei. Ich hab mich übers Internet schlau gemacht wo die Firmen sind, schrieb die passende Bewerbung und gab diese dort persönlich ab. 3 Firmen hatten mir sofort zugesagt. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück. Es war ein wirklich komisches Gefühl, das ich mir selbst den Arbeitgeber aussuchen konnte. Logischerweise habe ich mich auch schlau gemacht wie die Fahrer behandelt werden usw.

Druck und Stress ist Alltag in diesem Gewerbe. Also Weicheier sollten lieber in einer Firma arbeiten, wo man pünktlich seine Pausen machen kann. Kommen Stempeln – Gehen Stempeln. Und alle sind zufrieden.

Wie verlief deine letzte Arbeitssuche in Deutschland?

Beschissen!!! Was soll man sich in Deutschland denn noch bewerben ? Also zumindest als Kraftfahrer ?! Die Agentur für Arbeit steckt unzählige Leute in Maßnahmen, um den Führerschein zu machen für den LKW (CE).

Und da geht’s schon los. Ok, die Jungs und Mädels haben NULL Ahnung vom LKW fahren. In der Theorie können sie alles. Nur die Praxis lässt nicht lange auf sich warten. Jetzt sagt sich der Arbeitgeber; der billigste Fahrer bekommt den Job. Wenn ich 7,50 € Stundenlohn bekommen soll, da fühle ich mich Hammer verarscht. Manche Arbeitgeber sind noch derart rotzfrech und bezahlen ausschließlich die Lenkzeit. Schon klar, die Ladung bekommt bei Ankunft Füße und läuft von alleine aus dem Truck. Und das was man mitnehmen soll, sichert sich selbst, stellt sich genau an die richtige Position. Und wer passt jede Nacht auf Truck und Ladung auf ? usw. usw. …

Dann habe ich 2 Wochen bei einem Subunternehmer gearbeitet. Bei dem durfte ich noch nicht mal Pause machen. Er wies mich klar an, keine Scheibe in das Kontrollgerät zu legen. Bei einer Kontrolle wurde mir vorgegeben, was ich den Beamten zu sagen habe.

Der konnte mich kreuzweise! Ich habe meine Scheibe eingelegt. Das Telefon ausgeschaltet und meine Pausen eingehalten. Und? Ich wurde entlassen. Mir wurde alles mögliche unterstellt. Hauptsache entlassen. Es lebe Deutschland !!!

Hab vielen Dank für das Gespräch!

(*Name geändert) Die Fragen stellte Knut Gierdahl.
24.03. 2010

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Kommentare

Verdienstmöglichkeiten als Fahrer in der CH.
Meines Wissens hat der Fahrer irgendwas zwischen 4500 und 5500 Sfr.
Wenn man die Steuern abzieht, dann bleibt noch immer mehr übrig, als das was man in der BRD verdient.

Vitamin B, braucht man auch in der CH für einen guten Job.
Oder man hat einfach Glück

Hallo Achim,

Jens schreibt das er unter dem Brutto liegt was er sich vorgestellt hat. Logischerweise nennt man beim Vorstellungsgespräch eine höhere Bruttosumme als man realistisch tatsächlich bekommt. Und, :--
Logisch sind bei dieser Summe Spesen und Boni inbegriffen. Anders wäre es ja utopisch.
Wenn Jens also brutto, bei ca 5500 / 5800 SFR ist, kann er doch schon sehr zufrieden sein. Also als Schwachsinn kann ich es nun wirklich nicht bezeichnen. Wenn du die Boni berücksichtigst, dann rentiert es sich ganz bestimmt.
Ebenso, habe ich selbst einen Kumpel der für ein Kies und Recycling Unternehmen fährt. Bei Ihm ist es genau das selbe in grün.
Auch die Arbeitszeiten stimmen, da Baustellen in denen Recycling Material gefahren wird geregelt arbeiten, weil Deponien geregelte Öffnungszeiten haben. Also, wo nun ist der Schwachsinn ?!
Du bist ein Fernfahrer, der Europa durchquert. Jens fährt Tagestouren. Auch hat Jens keine Schlafkabine am Truck. (davon geh ich mal aus)

So ganz unrecht hat Kollege Jens nicht, in dem was er hier schildert.
Klar, schwarze Schafe unter den Firmen gibt es überall,- auch in der Schweiz.
Wenn ein Unternehmer ständig Wechsel hat unter seinen Fahrer, dann ist es schon ein Zeichen, das etwas faul ist.
Zum anderen spricht man unter den Fahrern auch darüber, was in welchem Unternehmen abgeht.

An Jens Geschichte ist weit mehr dran als man glaubt.
Und wer sich als BKF bewirbt, hat andere Chancen u. Verdienstmöglichkeiten als der einfache KF.

Dann würden einige bestimmt gern wissen "wovon die Rede ist".
Was sind die tatsächlichen Verdiensmöglichkeiten und kann der Fahrer sich noch den Arbeitgeber aussuchen ect.?
Hat ein deutscher Fahrer mit Ende 40 noch realistische Chancen auf eine Fahrerjob?
Vieleicht kann Achim daß quasi aus erster Hand beantworten.

Gruß Jürgen

hallo
selten hab ich grösseren schwachsinn gelesen.
man zeige mir den transportunternehmer, der 6500 franken lohn zahlt. oder hat "jens" die spesen dazugerechnet???

inwischen drücken jede menge deutscher und auch osteuropäischer fahrer in die schweiz und machen auch hier die löhne kaputt. darunter sind leute, die wohnen nach wie vor in bulgarien und fahren alle paar wochen mal nach hause.

stellt nur weiter so zeug ins netz, dann sind wir hier auch bald auf deutschem niveau...
ich lebe seit fast 20 jahren in der schweiz, bin inzwischen ch-staatsbürger und fahre seit über 25 lkw-schweiz-europa.
also weiss ich, wovon ich rede.
gruss
achim