Auswandern nach Schweden, Teil 2: Volvo, Vattenfall und Pippi Langstrumpf

Wenn man die Kultur eines Landes kennenlernt, kann man erahnen, was für ein Land das ist. Da Menschen keine Computer sind, reichen uns Daten, Daten und noch mehr Daten nicht. Und wer sagt eigentlich, dass es Kultur nur im Museum gibt? Zeigt sie sich vielleicht auch darin, wie Menschen arbeiten, ihre Zukunft gestalten und was die Großen den Kleinen als Gutenachtgeschichte erzählen? Bestimmt gehört das auch dazu. Also, was ist jetzt mit Schweden?

Was ist Schweden? 1. Versuch: Volvo

Volvo Kombi 245 aus dem Jahr 1975

Auf dem Foto ist ein Volvo 245 DL aus dem Jahr 1975. Die Modellreihe 240 löste 1974 den Volvo 140 ab und wurde 19 Jahre lang gebaut. Bis 1993 lief der Volvo 240 vom Band. Er hatte MacPherson-Federbeine statt Doppelquerlenker und Zahnstangenlenkung, eine andere Schnauze und größere Rückleuchten. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde setzte 1976 den Volvo 240 als Referenzfahrzeug für PKW-Sicherheitsnormen in den USA. Selbst 17 Jahre nach Markteinführung galt der 240 als eines der sichersten Fahrzeuge auf dem amerikanischen Markt.

Und der 240 war riesig. Einfach unübersehbar. Mit seinem spröde funktionalen Design wurde er in Deutschland ein Auto für alternative Familienväter und -mütter. Man konnte damit nicht nur die eigenen Kinder in die Schule bringen, sondern auch deren Freunde, wenn der Bus ausfiel. Schlafsäcke und Isomatten für die Anti-AKW Demonstration passten ohne Kompressionsriemen rein und wenn es stark regnete, konnte man im Kombi auch schlafen. Sonntags zu den Schwiegereltern machte man mit dem 240 eine gute Figur. Vater: "Unser Herr Schwiegersohn, dein Mann, ist 'n Revoluzzer." - Tochter: "Papa! Fängst du schon wieder damit an! ... Außerdem ... in unserem neuen Auto sind wir fast so behütet wie bei euch." Mutter: "Ja, der Thomas passt schon auf seine Familie auf."

Volvo (lateinischer Name, übersetzt: "Ich rolle"), gegründet 1927, war der Inbegriff des sicheren Autos. Groß, wuchtig, etwas plump - aber er hält alles aus. Volvo hatte seine PKW Sparte 1999 an Ford verkauft. Ford verkaufte 2010 an die Geely Auto Group aus China. Und hiermit endet die Geschichte von Volvo.

Zwischenspiel: Immobilienblase und neue Konzeption in der Geldpolitik

Anfang der 90er Jahre kamen schwedische Banken in eine Krise. Geplatzte Immobilienkredite waren der Auslöser: Die Schweden wollten Steuern sparen. Eine Möglichkeit sind Immobilien, egal ob Neubau oder gekauft. Bald hatten viele einen Hauskredit, aber konnten ihn nicht bedienen.

Die Aussichten wurden trübe, die Immobilienpreise sanken, die Immobilienblase platzte. 1990 bis 1992 machte Schweden eine Finanzkrise durch. Die Regierung schlitterte nun selbst in eine Krise. Zähneknirschend hatte sie eine Garantie für alles übernommen. Nun musste sie einsehen, dass ihre Reserven für Ausfälle dieser Größenordnung nicht gedacht waren. Sie würde ja am liebsten so weitermachen wie bisher. Aber wenn sie das täte - wie sollte die staatliche Wohlfahrt bezahlt werden? Die Schweden hatten sich daran gewöhnt, das war eine große Errungenschaft der zurückliegenden Jahre. Dennoch: So konnte es nicht weitergehen.

Darum überlegten die Minister, wie sie bessere Geldpolitik machen. Staatsunternehmen auf ausländische Märkte expandieren zu lassen, war offenbar ein Teil ihres Plans. Denn zu der Zeit begann Vattenfall, die europäischen Energiemärkte zu erobern. Außerdem wurde der Umfang der Sozialleistungen reduziert, ein bisschen. Und die Abgaben wurden erhöht, auch nur ein bisschen.

Was ist Schweden? 2. Versuch: Vattenfall

Vattenfall ist zu 100% ein Staatsunternehmen. Vattenfall gehört dem Staat Schweden. Das Unternehmen produzierte vor einigen Jahren in halb Europa Strom: in Dänemark, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Polen und dem Vereinigten Königreich. Der Firmenname Vattenfall ist schwedisch und heißt übersetzt "Wasserfall".

Hauptsitz von Vattenfall
Vattenfall Firmenzentrale in Stockholm | Foto: Spiegel985 (Creative Commons Lizenz)

Vattenfall wurde 1909 gegründet und war von Anfang an ein staatliches Unternehmen. Bis Mitte der 70er Jahre war die Geschäftstätigkeit auf Schweden beschränkt, Strom wurde vorwiegend aus Wasserkraft gewonnen. Der Name passt dazu. Dann begann die Zeit der Atomkraft in Schweden. Die Atomenergie wurde populär, das war in der Folge der Ölkrise verständlich und schien der Ausweg, der alle Sorgen auf einen Schlag lösen wird. (Kommt uns diese Denkart vielleicht vage vertraut vor aus den heutigen Auseinandersetzungen um Ökologie und Umweltschutz?)

Seit 1990 jedenfalls expandierte Vattenfall in Deutschland, Polen und den Niederlanden. Im Jahr 2002 war die Vattenfall Europe AG der drittgrößte Stromerzeuger der Bundesrepublik. Das Unternehmen wollte in drei unabhängigen wichtigen nahen Märkten tätig sein: in Schweden, in den Niederlanden und Deutschland. Das war eine fantastische Idee: Die deutschen Stromkunden würden dauerhaft die schwedische Staatskasse füllen. Und gut umgesetzt war es auch noch. Und dann?

Dann kam der subventionierte "Ökostrom" und der Hype um erneuerbare Energie. 2011 warf die Bundesregierung alle früheren Pläne über den Haufen und verkündete das Ende der Kernenergie. Vattenfall musste 29,7 Mrd. SEK (4,6 Mrd. USD) abschreiben.

2006 startete Vattenfall die Pilotanlage zur CO2-Einlagerung (Carbon Capture and Storage) in Schwarze Pumpe. 2007 wurde der Windpark Lillgrund vor der Südküste von Schweden in Betrieb genommen. Damals war das die größte Windanlage in der Ostsee. Mich stimmt das heute noch wehmütig: Eine vertane Chance, es ging so gut los! Wenn doch alle Windräder auf hoher See arbeiten würden! Statt Deutschland mit Windturbinen zu pflastern ... Hier stehen bald mehr Windräder als Straßenschilder. Furchtbar.

Sinkende Strompreise, steigende Risiken für Erzeuger, politische Willkür kennzeichnen den kontinentalen Strommarkt. Vattenfall trennte zunächst seine Tätigkeit in Skandinavien und auf dem Kontinent (südlich der Ostsee) organisatorisch. 2014 wurden firmeneigene Strom- und Fernwärmenetze in Hamburg an die Hansestadt verkauft. 2015 und 2016 wurden Abschreibungen von 28 Mrd. SEK vorgenommen. Es war ein Rückzug auf Raten aus Deutschland.

Und als ob das noch nicht reicht: Vattenfall ist der Lieblingsgegner deutscher Marktaufseher und Umwelt-Aktivisten, könnte man sagen. Wenn man von der Sache keine Ahnung hat. Denn in Wirklichkeit kennt die Öko-Bewegung keine Fetische (die Politik ebenso), sondern sucht die sachliche, rationale Auseinandersetzung um die Frage, wie wir eine lebenswerte Welt erschaffen und Risiken abwägen. Nun könnte man sagen: Die Revolution frisst halt mal wieder ihre Kinder. Auf dem Weg ins Paradies wurde oft jemand ausrangiert und aussortiert, also was soll's? Dass es ein so wichtiges und renommiertes Unternehmen trifft, das verstehe ich dennoch nicht. Schweden wird oft als Musterstaat herangezogen: "Wie sind wachsender Wohlstand und Gerechtigkeit zusammen möglich? Die Schweden wissen das, schau, wie die das machen." Vattenfall ist eine praktische Antwort Schwedens. Ist sie für Deutschland vielleicht doch nicht gut genug?

Zwischenspiel: Die Wirtschaft

Die schwedische Wirtschaft ist geprägt durch einige große, international tätige Unternehmen wie z.B. ABB, Electrolux, Ericsson, IKEA, SKF oder Volvo. (Ja, ja, anders als oben angedeutet, gibt es Volvo immer noch).

Was kennen wir außer den bekannten Namen von Schwedens Wirtschaft? Analysieren wir es: Das Spektrum international tätiger Unternehmen reicht von Holzindustrie und Möbelbau, über Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Pharma- und Wehrtechnik bis hin zur Biotechnik und regenerativen Energien. Wichtigste Handelspartner Schwedens sind an erster Stelle Deutschland, die skandinavischen Länder und die Vereinigten Staaten. Mittlerweile sind 900 deutsche Unternehmen in Schweden tätig.

Schwedens wirtschaftliche Stärken

  • Viele Frauen sind berufstätig. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wieso es ein Vorteil sein soll, vielleicht verbessert es das Arbeitsklima.
  • Das Ausbildungsniveau der Schweden ist hoch.
  • Schwedische Unternehmen investieren viel in ihre Mitarbeiter (Humankapital ist kein Schimpfwort).
  • Die Besteureung der Unternehmen ist niedriger als in anderen Staaten.

Schwedens wirtschaftliche Schwächen

  • Hohe verdeckte Arbeitslosigkeit durch hohe Zahl Langzeitkrankgeschriebener und Frührentner.
  • Verdeckte Arbeitslosigkeit auch bei jungen Menschen (Jugendarbeitslosigkeit).
  • Preise sind extrem hoch in Bereichen, in denen sich Monopole gebildet haben (z.B. Alkohol).
  • Private Haushalte sind auch heute noch hoch verschuldet und das trotz langsam sinkender Immobilienpreise.

Was ist Schweden? 3. Versuch: Pippi Langstrumpf

Astrid Lindgren, 1924Foto: Astrid Lindgren, Aufnahme von 1924 | Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren ist ein freches neunjähriges Mädchen mit Sommersprossen und roten Haaren. Da Pippi allein ohne Eltern wohnt, kann sie alles tun und lassen, was sie möchte. Um für sich selbst, für ihre Freunde Tommy und Annika die ewige Kindheit zu erhalten, mixt Pippi eine Zauberpille gegen das Erwachsenwerden.

Astrid Lindgren, quasi die Mutter von Pippi, schrieb über ihre eigene Kindheit: "Gunnar, Astrid, Stina und Ingegerd, so hießen die Ericssonskinder auf Näs. Es war schön, dort Kind zu sein (...) Warum war es schön? Darüber habe ich oft nachgedacht, und ich glaube, ich weiß es. Zweierlei hatten wir, das unsere Kindheit zu dem gemacht hat, was sie gewesen ist – Geborgenheit und Freiheit."

Das war die eine Hauptquelle, aus der Pippi Langstrumpf entstand. Die andere geht so: Astrid arbeitete mit 18 Jahren für die Lokalzeitung ihrer Heimatstadt, wurde schwanger vom Chefredakteur, den sie nicht heiraten wollte. Sie ging darum weg, nach Stockholm. Ihren Sohn Lars brachte sie jedoch heimlich in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen zur Welt und gab ihn notgedrungen zu Pflegeeltern.

Wie hat sie eigentlich mit Pippi angefangen? Es war Winter. Es schneite, Astrid fiel hin und verstauchte sich den Fuß. Sie konnte sich nicht bewegen, musste liegen und hatte nichts zu tun. "Was tut man da. Schreibt vielleicht ein Buch. Ich schrieb Pippi Langstrumpf", erzählt sie in "Das entschwundene Land".

Und als in den 70er Jahren der Staat ihr über 100% Steuern raubte, schrieb sie ein Märchen über den Angriff, der ihr Vertrauen in die Regierung erschütterte. "Durch einen Fehler im schwedischen Steuergesetz kam es vor, dass Selbständige (wie auch Lindgren) Abgaben sowohl als Arbeitnehmer als auch als Selbständige zahlen mussten." (Wikipedia) Infolgedessen stieg der Steuersatz auf über 100 Prozent der Jahreseinnahmen: Sie sollte den Verdienst eines Jahres abgeben und noch was draufzahlen! Ihr Protest-Märchen 'Pomperipossa in Monismanien' ist keine fröhliche Geschichte, aber es ist eine Geschichte. So wie Pippi ohne Eltern aufwächst und ein souveränes Mädchen wird, das seine Freunde (und Leser) inspiriert, so war Lindgren ein integre Frau. Sie blieb sich selbst treu und sie wandelte die Widrigkeiten des eigenen Lebens (Schicksal? Herausforderung!) in Geschichten um, an denen andere wachsen können.

Manche möchten Schweden heute daran messen, wie viele "Einhörner" es macht. Das sind Startups, die eine Milliarde oder mehr wert sind. Bei diesen Hypes geht es immer um Quantität; um traumhafte Geldsummen, die mit dem kleinen Finger "verdient" (herbeigezaubert wäre passender) werden. Ich schlage vor, Schwedens Zukunftsaussichten daran zu messen, wann es eine neue Astrid Lindgren hervorbringt.

letzte Bearbeitung: 25.04.2017

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Kommentare

Hallo an Alle=)

ich habe vor kurzem meine Ausbildung zur Pharmakantin beendet und versuche nun mit meinem Freund unseren gemeinsamen Traum zu leben. Wir wollen nach Schweden auswandern. Ich denke,dass er relativ wenig Probleme haben wird, eine passende Arbeitsstelle zu finden(Fachkraft für Wasserversorgungstechnik).
Doch bei mir ist das so ein Problem.
Habt ihr zufällig Ahnung ob es viele Pharmafirmen in Schweden gibt,denn ich konnte leider so gut wie gar nichts darüber herausfinden=(

liebe Grüße
und schönen Samstag noch^^

Hej Frank!

Erst einmal recht herzlichen Dank für deine ausführliche Mitteilung.
Das klingt ja schon mal gar nicht so schlecht.
Wir nehmen jetzt an einem Sprachkurs oder besser gesagt sind es ja 2 an der Volkshochschule teil.Der Lehrer ist ein Schwede.Wir bereiten uns darauf vor in 2-3 Jahren auszuwandern da es vieler Vorbereitungen bedarf.
Das ich als Handwerker gute Chancen habe freut mich sehr.
Ich werde sicher flexibel sein müssen was kein Problem bei meinen Handwerklichen Geschick darstellen dürfte, ich verfüge über viele Jahre Bauerfahrungen wie Mauerarbeiten(auch Kamin und Schornstein)Betonarbeiten(Innen und Außenbeton)Trockenbauerfahrungen etc.(Wände stellen,Decken abhängen,Türeneinbau usw.)Malerarbeiten(Tapezieren sowie Malern) Die letzten 3 Jahre war ich selbstständig mit Holz und Bautenschutz, habe Keller isoliert gegen Feuchtigkeit.
Wir machen im August jetzt erst einmal Urlaub in Schweden und nutzen die Zeit um uns ein geeignetes Haus zu suchen und die Arbeitssituation zu checken.
Dass die Kinder es einfach haben, freut mich sehr zu hören um die geht es mir ja in Hauptfeld.
Ich möchte mich einfach nur mit meiner Erfahrung und meinem Können in Schweden integrieren.
Dass ein Schwede immer vor mir eingestellt wird, ist mir auch schon klar, damit habe ich auch kein Problem.
Das ich auch immer ein Ausländer sein werde ist mir auch klar, aber ich bin dann ein Ausländer der sich mit eingliedern möchte mit Sprache und auch Taten.
Ein Traumland erwarte ich nicht,ich möchte einfach nur hart arbeiten, um meinen Kinder eine bessere Zukunft zu bieten.

So nun erstmal genug
Ich bedanke mich recht herzlich bei Dir
Ganz liebe Grüße von frank und familie

Vielen Dank, Thorsten! Wir werden uns gleich mal informieren. Viel Glück bei Deiner Auswanderung und alles Gute!
LG Laura

Ich habe versucht die Adresse hier einzusetzen, es wird aber nicht eingesetzt, der Beitrag wird nicht eingesetz.
Ich würde Dir gern weiterhelfen geht aber leider nicht, tut mir leid.

Die Firma heißt
Christers Finmekaniska AB
Industrigatan 3
S-54157 Skövde Schweden
Tel. +46(70)3155901
E-Mail christer.finmek@telia.com
Die haben unter anderem Star Langdrehmaschinen.
Wenn Du eine Ablichtung des Beitrages in dem Heft haben möchtest, dann setzte Dich bitte mit den verantwortlichen von der Seite hier in Verbindung und lass Dir meine E-Mail Adresse geben.
Ich werde wahrscheinlich nächstes Jahr nach Norwegen auswandern.
Gruß Torsten

Hallo habe deinen kurzen Text gelesen war sehr begeistert. Ich selber bin im April nach Schweden gekommen und (wohne) nära Göteborg. Man kann nur so viel sagen ohne Sprachkenntnisse geht hier gar nichts, ich selbst musste bei meinem Vorstellungsgespräch einen Einwanderungstest in Wort und Schrift machen. Die Sprache habe ich vorher in einem Intensiv Sprachkurs gelernt. Hat man die Sprache unter Kontrolle geht hier gleich eine Tuer mehr auf. Das nächste ist ich selber wäre oder wuerde nie auswandern ohne Arbeitsvertrag es sei denn ich hätte im Lotto gewonnen. Im Gegensatz zu manch anderen Kommentaren kann ich sagen, dass man auf die Menschen zugehen muss, denn von allein" händer här ingenting" passiert hier nichts. Von der Vorstellung, dass man hier die selbe Tätigkeit ausueben kann wie in Deutschland, sollte man sich glaube ich verabschieden oder auf derselben Ebene steht man beginnt meist niedriger. So das soll es gewesen sein, wer noch eine Tipp hat Betreff Wohnungssuche Göteborg oder Umland kann gerne antworten. hej så länge
Patrick

Hallo Sandy und Frank,
da habt ihr Euch ja eine schöne Ecke ausgeguckt - ich wüßte nichts was dagegen spricht wenn man sein Vorhaben gut plant und alles reiflich überlegt. Es hat natürlich immer viel damit zu tun wie man selbst "gestrickt" ist. Ob man bereit ist auch gewohnten Lebensumständen Lebewohl zu sagen, auf Menschen zuzugehen und gewachsene soziale Bindungen aufzugeben. Ob man Neues als Bereicherung und Herausforderung ansieht oder eher als Wagnis und Bedrohung begreift, erträgt man als Stadtmensch (wir kommen aus Berlin) die relative Ruhe des eher ländlichen Lebens, usw...Prinzipiell ist meine Erfahrung dass gerade Kinder damit am wenigsten Probleme haben.
Wir haben selbst vier Kinder zwischen 14 und 19 Jahren die sich noch nicht ganz im Klaren sind ob sie für immer mitkommen wollen oder nicht. Unser Jüngster aber zum Beispiel hat hier bereits nach dem ersten Jahr in den Sommerferien seinen Platz in der lokalen Fussballmannschaft gefunden, spielt mit den Nachbarskindern, und die Verständigung ist gar kein Problem - ein grausiges Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Schwedisch, aber es klappt wunderbar. Beim Alter Eurer Kinder werden diese die Sprache wie von selbst im Kindergarten bzw. der Schule lernen. Und ihr lernt die ersten Grundlagen in Deutschland, den Rest hier durch kommunale Kurse und im täglichen Umgang mit Behörden, Nachbarn, neuen Freunden.

Wir leben selbst in Västerbotten, d.h. auf etwa der Höhe die Euch vorschwebt, allerdings im Inland. In Nordschweden ist bei vielen Dingen das Gefälle zwischen dem dichter besiedelten Küstengebiet und dem Inland ziemlich groß - das werdet ihr wenn ihr Euch schon nach Häusern umgesehen habt ja sicher schon an den Preisen festgestellt haben. Zur Situation an der Küste kann ich nicht soviel sagen aber im Inland ist der Bedarf an Handwerkern groß. Zu Maurer fällt mir ein dass wir uns unseren Schornstein haben neu aufmauern lassen - der Maurer kam aus der Schweiz und hat sich hier vor einigen Jahren mit Frau und Kind niedergelassen. Nach eigenen Angaben kann er sich vor Arbeit nicht retten.
Nun muss man sagen dass im Handwerk das meiste über eine Selbstständigkeit geht was aber rein formell nicht komplizierter ist als wenn man in Deutschland ein Kleingewerbe anmeldet. Dann sollte man sich an weitere Wege gewöhnen: Wenn ich hier ein Bauvorhaben plane fahre ich in der Regel hin und zurück 300 Kilometer zum Baumarkt an der Küste weil die kleinen Läden hier im Inland Preise haben die nicht bezahlbar sind - von Holz mal abgesehen. Und in vielen Branchen muss man das Einkommen für das ganze Jahr im Sommerhalbjahr erwirtschaften da im Winter aufgrund der klimatischen Verhältnisse fast jegliche Baubetätigung im Außenbereich zum Erliegen kommt. Hat man das zweite Standbein Trockenbau lässt sich ja aber auch diese Zeit überbrücken.

Mein Tipp: Wenn es sich einrichten lässt so kommt im Sommer im Urlaub her, guckt Euch eine Gemeinde oder ein Eckchen aus wo es Euch gefällt und dann recherchiert mal vor Ort und im Internet: Wie ist die Abdeckung mit Handwerkern, welche Stellenangebote gibt es für die Gegend, wo gibt es Kindergärten, eine Schule. Und der Besuch eines Schwedisch-Kurses bei einer Volkshochschule o.ä. in Deutschland ist ein guter erster Schritt um sich den Traum von einem Leben hier zu verwirklichen.

Liebe Grüße aus dem schon sehr herbstlichen Lappland und viel Glück:

Frank

Hallo unbekannter Weise.

Das freut mich sehr zu hören das es bei Ihnen so gut klappt.
Ich und meine Familie würden auch gerne auswandern nach Nordschweden in die Gegend um Umea +- 100 km.
Ich bin Handwerker besser gelernter Maurer ich kann auch Malern-Gehwegplatten verlegen also sämtliche Steinsetzerarbeiten-sowie Betonarbeiten und ähnliches wie Trockenbau usw.

Hätte ich, wenn ich die Sprache lerne, auch mit 43 Jahren so gute Chancen mich zu integrieren wie Sie?
Meine Frau arbeitet hier im Krankenhaus als Raumpflegerin wie sieht es damit aus in Schweden?
Wir haben 4 Kinder zw. 2-7 Jahren, daher ist meine Frage auch wegen derer Zukunft, ob wir den großen Schritt wagen sollten, hier hält mich nichts mehr und ich habe auch Angst, dass meine Kinder hier kaum noch gute Chancen im Leben haben werden.

Ein Haus würden wir uns kaufen können, haben schon viel im Internet geschaut.

Danke schon einmal im voraus für Ihre Informationen
Liebe Grüße Frank und Sandy

Hej Jenny,

da das Gesundheitswesen in Schweden weitgehend staatlich organisiert ist findest du Jobangebote und Informationen auf den Webseiten der schwedischen "Bundesländer". Diese sind meist auch auf englisch, zum Teil sogar auf deutsch verfügbar. Es gibt 20 solche Länder- bzw. Regionalverwaltungen in Schweden, nachfolgend die Namen und Webadressen von Süd nach Nord sortiert -habe mir einfach mal die Fleissarbeit gemacht:

Region Skåne: www.skane.se
Landstinget Blekinge: www.ltblekinge.se
Landstinget Halland: www.lthalland.se
Landstinget i Kalmar Län: www.ltkalmar.se
Landstinget Kronoberg: www.ltkronoberg.se
Landstinget i Jönköpings Län: www.lj.se
Landstinget i Östergöland: www.lio.se
Västra Götalandsregionen: www.vgregion.se
Landstinget Sörmland: www.landstinget.sormland.se
Örebros Läns landsting: www.oll.se
Landstinget i Värmland: www.liv.se
Stockholms Läns landsting: www.sll.se
Landstinget i Uppsala län: www.lul.se
Landstinget Västmanland: www.ltv.se
Landstinget Gävleborg: www.lg.se
Landstinget Dalarna: www.ltdalarna.se
Jämtlands Läns landsting: www.jll.se
Landstinget Västernorrland: www.lvn.se
Västerbottens Läns landsting: www.vll.se
Norbottens Läns landsting: www.nll.se

Dann kannst Du auch noch direkt bei der schwedischen Arbeitsvermittlung hereinschauen - auch dort findest du einen Verweis auf andere Sprachen, dann bekommst Du die Seite auch auf deutsch Die Webadresse ist:
www.ams.se

Viel Spaß beim stöbern und evtl. viel Erfolg!

Frank

Hallo Torsten!

Ich habe grade mit Interesse Deinen Post gelesen, der eigentlich an irgendjemand anderen hier gerichtet ist. Muss sagen, ich fand ihn sehr interessant, da wir uns auch mit dem Gedanken tragen, nach Schweden auszuwandern und mein Mann CNC-Fräser/Dreher ist. Würde es Dir etwas ausmachen, mir ebenfalls die Adresse besagter Dreherei zu senden?
Wann wanderst Du denn eigentlich nach Norwegen aus?

Liebe Grüße, Laura

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