Exotische Auswanderung - Mauritius (Teil 1)

Interview mit Siegfried Breitkreuz

Dieses Interview ist sehr ausführlich, damit Auswanderer in spe den größten Nutzen daraus ziehen können. Wegen des Umfangs ist in zwei Teilen publiziert; dies ist der 1. Teil und der Link führt zum 2. Teil von "Auswandern nach Mauritius".

Warum sind Sie ausgewandert, was gab den Ausschlag?

Siegfried Breitkreuz, Auswanderer nach MauritiusSchon als Kind habe ich mich für andere Länder/Kulturen interessiert. Konkrete Auswanderungspläne hatte ich dann allerdings erst im Alter von 27 Jahren.

In Deutschland war mir alles zu konservativ und zu sehr reguliert. Hinzu kamen die enormen Steuern und ein “Umwetproblem” eigener Art.

Damals wohnte ich in einem Pemthouse (12 Etagen) und konnte bei einem Rundblick von 360 ° insgesamt 89 Industrieschlote zählen, die ihren Smog in den Himmel schickten. Das war für mich ein Schock und auch ein Auslöser, Deutschland den Rücken zu kehren.

Warum gerade Mauritius?

Gute Frage, die ich so beantworten möchte: Mauritius war überhaupt nicht geplant! Mein Auswanderungsziel war Australien und der Möbelcontainer war schon auf dem Seeweg dorthin. Dann kam meine Mutter auf die originelle Idee, man könnte doch einen Zwischenstop in Mauritius einlegen ( das ist die Heimat meiner Frau ), um dort einen kleinen Badeurlub zu verbringen und danach weiter nach Australien reisen.

Ankunft in Mauritius
Der Tag meiner Ankunft in Mauritius: der 17. Juli 1987. Auf dem Foto: Frau Socillahrani Breitkreuz & Siegfried Breitkreuz

Ihre Mutter ist mit Ihnen ausgewandert?

Ja, da ich der einzige Sohn bin und mein Vater schon vor langer Zeit durch einen Unfall tödlich verunglückte, sah ich es als meine Pflicht an, mich um meine Mutter zu kümmern und sie nicht allein zu lassen. Immerhin war sie zu dieser Zeit bereits 72 Jahre.

Wieviel Geld nahmen Sie mit?

Im Jahr meiner Auswanderung – 1987 – gab es noch die Deutsche Mark. An Bargeld haben wir etwas über 60.000,-DM dabei gehabt. Zusätzlich waren auf dem Postbankkonto weitere 20.000,- DM als eiserne Reserve für den Notfall da. Dies gab uns das Gefühl der Sicherheit, die bei solchen Unternehmen möglichst vorhanden sein sollte... .man weiß ja nie...

Eröffnete Ihr Beruf Ihnen besondere Chancen?

Ich bin Maschinenbau Ingenieur und war zuversichtlich, mich in irgendeinem Gebiet nützlich machen zu können. Natürlich ist eine tropische Insel kein Technologieland und Mauritius hatte zu dieser Zeit nur die Textilindustrie und den Zuckerrohranbau, wo eventuell Aufgaben auf mich warteten. Mein Plan war es aber, mich selbsständig zu machen, egal was es auch sei. Hauptsache es ernährt einen!

Um es kurz zu machen: Ich habe mir dann Gedanken gemacht, wo man viel Geld verdienen kann. Und so kam die Idee auf, Immobilien & Swimmingpoolbau. Zumindest ist dies ein Gebiet, wo meine Fähigkeiten ( Planung, technisches Zeichnen, Statik und Funktion des Ganzen ) in etwa mit meinem Wissen in Einklang zu bringen war. Letztendlich ist ein Pool eine Maschine, wo verschiedene Komponenten zusammen ein funktionierendes Ganzes ergeben ( Filtrationssystem ).

Wo haben Sie bei Ihrer Ankunft gelebt?

Am Tag unserer Ankunft und die nächsten zwei Wochen haben wir im Haus bei meinen Schwiegereltern gelebt. Danach haben wir uns in Trou aux Biches einen Bungalow gemietet, in dem wir 2 Jahre gelebt haben, bis unser Haus fertig gebaut war.

Hierzu möchte ich anmerken, das damals die Grundstücke und Häuser “erschwinglich” waren. Ein 1420m² Grundstück hat 15.000,- DM gekostet. Unser Haus mit 300m² Wohn-/ Nutzfläche hat ca. nochmals 35.000,-DM an Materialien gekostet. Durch viel Eigenarbeit und weiterer finanzieller Unterstützung meiner Mutter haben wir es dann vollenden können.

Das Haus auf Mauritius
Unser Haus in Mauritius, ein Jahr nach Fertigstellung 1990, rechts meine Frau

Gab es Probleme beim Kauf des Grundstücks?

Normal darf hier (1987) in Mauritius kein Ausländer Grundstücke oder Immobilien erwerben. Da ich aber mit einer Einheimischen verheiratet war, gab es dieses Problem nicht. Allerdings wurde das Grundstück nur auf den Namen meiner Frau registriert. Also ich wäre im Fall einer Scheidung leer aus gegangen und hätte keinerlei Anspruchsrechte gehabt....

Heute sind die Gesetze anders und auch Ausländer können hier problemlos Grund & Boden erwerben, wenn die hierfür nötigen Gelder auf dem Tisch liegen. Auf dieses Thema komme ich nochmals am Ende dieses Berichts zu sprechen.

Wie haben Sie die Behörden erlebt?

Da hatte ich in der Tat ein Problem, zumindest in den ersten Jahren. Damals war es Pflicht, dass man ¼ jährlich seine Finazen offenlegt, bestätigt durch entsprechende Bankbelege. Durch einen Trick habe ich diese Prozedur zu meinen Gunsten wenden können. Es war zwar nicht ganz legal, aber ich habe denen einfach die Kontoauszüge von meiner Mutter vorgelegt. Es war also ein Doppelkonto, worüber ich auch Verfügungsgewalt hatte. Dann gab es viele Behördengänge und ich musste Moralitätspapiere vorweisen, die ich aber nicht bei mir hatte.

Also, neue Papiere waren gefragt, die ich dann problemlos vom Bundesgeneralstaatsanwalt in Berlin bekommen habe. Mauritius ist ja kein klassisches Einwanderungsland und hier achtet man sehr genau darauf, wer hier sich sesshaft machen möchte. So wird jeder Zuwanderer auf Herz und Nieren geprüft und die ersten Jahre auch vom Geheimdienst überwacht.

Mein Bewacher ist mir dann so nah auf die “Pelle” gerückt, dass es dann eine Freundschaft wurde! Damals war ich natürlich ganz schön aufgekratzt wegen diesem Misstrauen, das mir entgegengebracht wurde. Irgendwie fühlt man sich missverstanden und man fragt sich, ob es nicht ein Fehler war, hier seine Zukunft zu suchen.... Aus heutiger Sicht habe ich dafür aber Verständnis.

Es ist die Angst der Behörden, hier Abenteurer rein zu bekommen, die sich dann ein schönes Leben auf Kosten der einheimischen Frau machen wollen. Für diese Menschen hat Mauritius keinen Platz.

Welches waren Ihre ersten gravierenden Eindrücke?

Die ersten Monate habe ich hier überhaupt nichts begriffen. Alles war fremd und da gab es auf der einen Seite Prunkvillen und daneben Blechhütten. Dann dieser Kulturmix: Inder, Afrikaner, Franzosen, Engländer, Chinesen etc. und alles auf einer kleinen Insel. Die Einheimischen reden hier Creol, das ist die Umgangssprache: ein african-französischer Dialekt, den ich natürlich überhaupt nicht verstanden habe.

am Strand von Mauritius

Was mich auch gestört hat, war diese Langsamkeit der Einheimischen. Nichts ist hier eilig, alles dauert ewig und keiner weiß Bescheid! Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber als Deutscher muss alles ruck zuck gehen und mit Disziplin. Hier nicht... auch heute noch nicht. So ist es gang und gäbe, dass am Montag nur ca. 70% auf der Arbeit erscheinen, manchmal weniger. Tempo ist hier nicht gefragt... außer auf den Straßen.

Es sind diese Unterschiede im alltäglichen Bereich die man verstehen und verarbeiten muss. Mit der Zeit färbt man sogar ab.... Jetzt lasse ich mir auch Zeit bei Gesprächen auf der Straße, beim Einkaufen, ja sogar mein Gang ist etwas langsamer geworden.... Nur in meiner Arbeit bin ich pur DEUTSCH gebliebn mit allen seinen Tugenden. Und das ist gut für mein Geschäft und gut für meine Klientel.

Welche beruflichen Erfolge können Sie vorweisen oder gab es Rückschläge?

Meine beruflichen Aktivitäten habe ich 5 Monate nach meiner Einreise gestartet und dies mit sehr viel Glück. Damals setzte ich eine Annonce in ein für Pferderennsport bekanntes Magazin (dort tummeln sich die Reichen) und bot meine Dienste auf dem Gebiet der Schwimmbadtechnik an.

Nach 3 Tagen bekam ich einen Anruf von einer der reichsten Familien hier in Mauritius. Es gab bei denen ein Problem mit der Wasserqualität in ihrem Pool und ich sollte mir das einmal ansehen. Ich bot der Familie dann an, ihnen Trinkwasserqualität zu liefern, müsste dazu aber die komplette Filtration neu installieren. Diese Arbeit habe ich dann zusammen mit meiner Frau als Assistentin (!) allein durchgeführt. Das Resultat war ein Pool mit tatsächlicher Trinkwasserqualität, die wir mit Hilfe eines UV Entkeimungszylinders mühelos erreicht haben. Die Familie war davon so begeistert, dass sie sofort ihrem Bekanntenkreis von meinen Qualitäten berichteten und somit Marketing für mich machte.

Damit war ich voll im Geschäft und war ein gefragter Mann, der ich immer noch auf diesem Gebiet bin. Es gab eine Reihe von großen Aufträgen, auch für öffentliche Schwimmbäder und zudem war ich hier die Feuerwehr, wenn es ein Problem mit dem Pool gab. Aus dieser sehr erfolreichen Zeit habe ich meine ganzen Kontakte und einen guten Namen.

War das Poolgeschäft das einzigste oder haben Sie auch etwas anderes probiert?

Nachdem ich meine ersten Pools gebaut habe, überlegte ich mir, auch Häuser zu bauen. Irgendwie gehört dies zusammen. Ich fing an, mich in die Architektur einzuarbeiten und bei Fragen konnte ich auf einen Freund zurückgreifen, der Statik Bauingenieur ist. Der Rest ist dann ein Mix aus Phantasie und Kreativität, fixiert auf einen Plan, der am Ende ein funktionstüchtiges Haus ergibt, möglichst einmalig und hübsch anzusehen. Ich habe mir damit große Mühe gegeben und noch alles am klassischen Reißbrett gezeichnet. Heute benutze ich dafür den PC mit entsprechenden Zeichenprogrammen und entwickle dann CAD Zeichnungen. Das ist wesentlich einfacher und geht auch schneller.

Insgesammmt haben wir 7 Villen gebaut. Das Geschäft will ich im kommenden Jahr verstärkt ausbauen, indem wir dann auch unseren Service erweitern und alle – für Interessierte – Einwanderungsformalitäten übernehmen bzw. sämtliche Behördengänge abwickeln.

In Mauritius hat sich bei Immobilien sehr viel getan und wer heute hier leben möchte und Besitz anstrebt, der muss tief in die Tasche greifen. Ein kleines Haus mit 150m² plus 350 m² Grundstück sind ab 730.000,- EURO zu haben. Später mehr dazu.

Also, es gab keine privaten oder geschäftlichen Rückschläge?

Lassen Sie es mich so formulieren: Nachdem ich 16 Jahre hier auf dieser Insel gelebt und gearbeitet habe und in dieser Zeit nicht einmal die Insel verlasen habe, kommt der Zeitpunkt, wo man sich fragt, ob nicht was Neues in Frage kommt. Wenn das Leben zur Routine wird und der Tagesablauf sich permanent wiederholt, dann stimmt was nicht, es wird langweilig... was natürlich eine persönliche Lebensphilosopie von mir ist.

Ich habe dann mit meiner Frau zusammen überlegt, was unser Leben noch spannender machen könnte... Hört sich übertrieben an, wo man doch alles erreicht hat. Zu diesem Zeitpunkt meiner Überlegungen standen wir praktisch am Gipfel unseres Lebens. Wir hatten ein florierendes Geschäft, eine 300 m² Villa, dazu einen passsenden Pool und einen Tropengarten mit 1425m² und der Traumstrand lag in 800 m Entfernung. Zusätzlich wurden wir von 17 Hunden umkreist, die wir uns nach und nach von der Straße geholt haben, praktisch unser “ Kinderersatz” weil unsere Ehe - leider - ohne Kinder geblieben ist.

Vielleicht war dies auch der Auslöser für unsere weiteren Entscheidungen. Was soll man mit so einem großen Haus – 12 Zimmer – machen ? Nach reiflicher Überlegung und endlosen Diskussionen über unser weiteres Leben haben wir uns dann entschlossen, unseren ganzen Besitz zu verkaufen, um dann in DEUTSCHLAND etwas auf die Beine zu stellen.

Unsere Idee war es, dort ein Patent zu machen und dies dann selbstständig zu vermarkten.

(Fortsetzung des Gesprächs hier: Auswandern nach Mauritius, Teil 2)

Fragen für Wohin-auswandern: Knut Gierdahl
Bilder-Copyright: Siegfried Breitkreuz

Veröffentlichungsdatum: 06. 12. 2009

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Kommentare

Hallo vom Ulf aus Stuttgart an alle Ausgewanderten und Auswanderer auf - nach Mauritius!

Mich würden die Einwanderungsmodalitäten als 48 jähriger Single interessieren; besonders der Immobilienbereich dort.

Wie sieht es aus , wenn man der Regierung in Mauritius eine finanzielle Unabhängigkeit ausgehend von Deutschland (Frührente - Immobilien) vorweisen kann und sich dort als selbstständiger Elektroniker beweisen und niederlassen will?

Wie sieht die Anreise -endgültige Einreise mit einem Motorrad aus D in Maur.aus ?

Sonstige Gebühren oder Hürden ?

Freue mich über jede weiterführende Email - Gruss Noch Weltenbummler Ulf

Liebe Monika,
vielen Dank für Deinen Tipp. Leider bin ich schon lange von Fleischwaren abgekommen was auch mit den vielen Skandalen in Europa und Deutschland zu tun hat.Ich lebe fast als Vegetarier und ansonsten vertilge ich Unmengen an Süßigkeiten......

Deutsches Brot stellen wir ab und zu selber her. Meine Frau hat von meiner Mutter die deutsche Küche gelernt und macht mir auch echte Berliner Bouletten. Also, ich bin gut versorgt.

Bei Skype bin ich noch nicht registriert. Zu finden bin ich bei: Facebook u. XING
Ich wünsche Dir viel Erfolg in Deinen weiteren Unternehmungen.

Beste Grüße von Siegfried

Hallo Julia,

wenn Du eine gute Hotelfachschule besucht hast dürfte Dir ein Platz in diesem Hotel sicher sein.Fachkräfte werden verzweifelt gesucht.....
Mit der Freundlichkeit muss ich Deinen "Chef" belehren. Die Mauritianer sind ein sehr freundliches Volk und in den Hotels wird man wie ein König als Gast behandelt. Bei der europäischen Freundlichkeit sehe ich das leider nicht so.

Im übrigen solltest Du nicht gleich verzagen wenn es mit dem Hilton nicht klappt.In kurzer Zeit eröffnet direkt vor meinen Füßen das Hotel > Trou aux Biches < seine Pforten und die suchen 500 (! ) Angestellte. Dieses Hotel wurde ganz neu gebaut und ist das älteste Hotel überhaupt in Mauritius.

Ich wünsche Dir viel Erfolg.

Beste und sonnige Grüße aus den Tropen.
von Siegfried

hallo siegfried,

auch ich fand deinen bericht sehr aufschlussreich.

ich werde mich in den nächsten tagen im hilton in wolmar bewerben ... wollte dich diesbezüglich noch fragen, ob die hotellerie in mauritius ein guter arbeitsplatz für eine österreicherin ist?

Mein Chef hat mir nämlich heute erzählt, dass im Hilton Resort Mauritius fast nur einheimisches Personal eingestellt wird und diese die Freundlichkeit von uns Europäern nicht kennen.

Ich freue mich schon sehr auf eine antwort von dir

liebe grüße,
julia aus wien

Hallo Siegfried,
auch ich lebe in Mauritius allerdings noch nicht ganz so lange wie Du. Fand den Bericht gut und ehrlich. Glückwunsch wie toll Du es hier geschafft hast.

Ein Tipp von mir: wo es Deutsche Wurst gibt weiss ich, ebenso Deutsches Brot.

Kontakte mich doch einfach mal über Skype (Suche nach "Monika Mauritius")

Gruss aus FeF,
Monika