Exotische Auswanderung - Mauritius, Teil 2

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Welche Idee hatten Sie?

Da ich Kavalier der alten Schule bin, trage ich immer die schweren Einkaufstaschen vom Supermarkt. Dabei habe ich regelmäßig Schmerzen in den Fingern gehabt, weil die Tragebänder tief in den Fingern einschnitten. Das war mit unangenehmen Schmerzen verbunden. Für dieses Problem habe ich dann eine Tragehilfe entwickelt, mit der man ohne Schmerzen jede Art von Tragetaschen bequem transportieren kann. Diese Idee hatte ich skizziert und dazu im Internet Recherchen gemacht, ob es so etwas nicht bereits gibt.

Da meine Suche zu keinem Ergebnis führte, war ich mir sicher, hier ein Patent machen zu können. Dann ging alles sehr schnell. Wir verkauften unser Eigentum und machten uns mit der Patentidee auf nach Deutschland. Durch den Verkauf unserer Immobilie hatten wir genug Geld, um unsere Leben zu finanzieren und waren so gesichert. Was wir damals allerdings nicht kannten, waren die immensen Kosten für ein Patent und die Dauer, bis es ein Patent wird! Unsere Patentanwälte haben ein kleines Vermögen gekostet und die ganze Prozedur hat 2 Jahre gedauert, bis das ersehnte Patent bestätigt wurde.

Patent, bestätigt in Deutschland
Ablichtung der Patenturkunde

Zwischenzweitlich haben wir in alle Richtungen Kontakt aufgenommen, um dieses Patent zu vermarkten. Die Traghilfe eignet sich hervorragend als Werbeträger und ist für Promotionszwecke ideal. Klein, nützlich,billig und funktionell. Kurzum,wir hatten viele Interessten in der Werbeindustrie, die an diesem Patent Interesse hatten.

Mitlerweile waren aber unsere finanziellen Reserven arg geschrumpft und nachdem das Patent erteilt war, wären jetzt die Folgekosten für die Werkzeuge zur Herstellung dieser Traghilfe im fünfstelligen Bereich nötig gewesen. Das war uns dann doch etwas unheimlich und zudem nicht durch entsprechende Aufträge gedeckt. ( Noch nicht. )

Irgendwie haben wir uns dann gefragt ob es nicht doch besser wäre, wieder auf die Insel zu gehen und von dort alles zu steuern und praktisch von vorne anzufangen...

Und genau dies haben wir dann getan. Unsere investierten Gelder in das Patent sind gut angelegt, weil wir im kommenden Jahr dieses dann von Mauritius vermarkten wollen. Hierzu habe ich bereits Abnehmer, wenn es soweit ist. Aber das ist Nebensache.

Nachdem wir wieder in Mauritius gelandet sind, haben wir sofort eine neue Company aufgebaut, die vielversprechend ist. Diesmal gehen wir ins Energiegeschäft und wollen mit Solarenergie unsere Brötchen verdienen. Im Moment bin ich mit meiner Company der Alleinanbieter für Solartechnologie. In Mauritius gibt es derzeitig noch keine einzige Solaranlage und somit ist dies ein Zukunftsgeschäft mit enormen Wachstumsraten, die sich im Vorfeld bereits bemerkbar machen. So habe ich bereits mit fünf Hotels Vorverträge abschließen können mit einem Volumen von 150 kWh, die dann im kommenden Jahr April 2010 installiert werden. Das Government gibt dann zu diesem Zeitpunkt ( Mit14 monatiger Verspätung !! ) die Gesetze für diese Energie bekannt, also Einspeiserückvergütung und Fördergelder. Auf dem Solarsektor habe ich mich gut vorbereitet und feste Partner aus Deutschland. Von dort beziehe ich dann meine Waren und bekomme auch technische Unterstützung, falls ein Problem auftritt.

Mit der gleichen Company trete ich auch auf dem Bausektor an und erstelle Swimmingpools und Villen. Erst vor 6 Wochen haben wir einen großen Pool fertiggestellt und haben für Januar schon einen Folgeauftrag sowie einen weiteren Interessenten der nicht nur einen Poool haben möchte, sondern dazu eine kleine Apartmentanlage. Hier laufen derzeitig die Vorgespräche auf Hochtouren.

Praktisch sind sie zweimal ausgewandert?

Wenn man die 2 ½ Jahre in Deutschland als Auswanderung betrachtet, dann wären es im Prinzip sogar drei Auswanderungen!

  1. Von Deutschland nach Mauritius als Deutscher.
  2. Von Mauritius nach Deutschland als Mauritianer.
  3. Von Deutschland nach Mauritius als Mauritianer

Im Ernst, ich sehe eine Auswanderung immer als etwas positives an. Irgendwie sind solche Vorhaben abenteuerlich, spannend und man spürt das Leben intensiver. Leben heißt auch erleben!

Gibt es Ziele die Sie noch erreichen möchten?

Ja, wir wollen im nächsten Jahr ein kleines Haus bauen, das für zwei Personen zugeschnitten ist mit einem kleinen Gästehaus für unsere Freunde.

Wann wollen Sie sich zur Ruhe setzen?

Eigentlich nie. Solange ich geistig in der Lage bin, etwas zu unternehmen, werde ich dies tun. Ein Leben ohne Aufgabe wäre für mich die Hölle und ich käme mir nutzlos vor.

Letzte Frage: Wo lebt es sich besser, in Mauritius oder Deutschland?

Ich glaube, man lebt dort am besten, wo man willkommen ist.

Herr Breitkreuz, ich danke Ihnen für das Gespräch!

Fazit

Eine Auswanderung hat immer etwas mit Opfer zu tun. Man darf auf keinen Fall die Erwartungen zu hoch schrauben, sondern ich empfehle, als “Nahziel” sollte erst einmal die eigene Grundversorgung ins Auge gefasst werden. Wenn dies erreicht ist, hat man schon den größten Berg überwunden.

Auswanderung heißt auch Verzicht auf alle Annehmlichkeiten, die man von Kindheit an gewöhnt ist. Das fängt schon bei den Essgewohnheiten an. Es gibt zwar alle Wurstsorten in Mauritius und die Supermärkte sind gut gefüllt... aber eine deutsche Wurst bekommt man hier auch nicht für viel Geld! Fernsehprogramme in allen Sprachen aber in ständiger Wiederholung! Alles dies muss vorher bedacht werden. Von Sonne und Strand leben nur die Hotels!!

An meinem Beispiel von einer gelungenen Auswanderung habt ihr erfahren können, dass ich auch sehr viel Glück hatte. Dazu ein ordenliches Startgeld, dann meine Mutter, die auch noch finanziell geholfen hat. Zuletzt hatte ich auch Vorteile durch meine einheimische Frau und deren Familie, die alle beim Staat beschäftigt sind. Also, ich konnte mich deshalb behaupten, weil meine Beziehungen alle gut waren und sind.

Ob ich es geschafft hätte, wenn ich hier allein angekommen wäre, wage ich zu bezweifeln. Somit ist es immer gut, wenn man einen Partner hat, auf den man sich verlassen kann... wie in guten Zeiten so in bösen Zeiten....

Bonne chance!

Herr Breitkreuz, herzlichen Dank für das informative und ausführliche Gespräch!


Ich über mich

Ein guterArbeitstag beginnt mit ... einem ausgiebigen Frühstück, das mindestens 1 Stunde dauert und in einer gemütlichen Atmosphäre stattfindet. Ich lasse mir Zeit und überlege meine “Tagesschritte” sehr genau, bevor es zur Arbeit geht.

Meine Freizeit verbringe ich am liebsten damit, ... dass ich mich um meinen Garten und Hunde kümmere. Hier kann ich mich am besten erholen und in diesem Moment vergesse ich alles, was mit Business zu tun hat. Ansonsten pflege ich Freundschaften, die regelmäßig von mir Berichte erhalten, was hier in Mauritius alles passiert. Und wenn dann noch Zeit übrig ist, lese ich wissenschaftliche Berichte aus dem Bereich Technik und Astronomie. Natürlich widme ich meiner Frau die größte Zeit und wir unternehmen vieles gemeinsam und philosophieren über das Leben.

Es bringt mich auf der Palme, wenn ... ich auf Menschen treffe die nur Ihre Meinung gelten lassen und voreingenommen sind. Ebenso finde ich es abscheulich wenn – absichtlich – gelogen wird. Und es ärgert mich wenn jemand unhöflich ist und kein Benehmen hat.

Meine Lieblingsmusik ist verknüpft mit meiner Jugend und daher höre ich sehr gerne alles, was aus den 60er Jahren kommt. Von den Beatles bis Rolling Stones usw. Nur nicht Heino :-)

Mit 18 Jahren.... hatte ich noch keine Ahnung vom wirklichen Leben und hatte nur tanzen im Kopf... und kein Geld für die Disco!

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal … irgendeine Art von Vermögensfonds anlegen. Besser das Geld gleich ausgeben oder unter das Kopfkissen stopfen. Da habe ich eine echte Pleite erlebt und bin heute noch sauer.

In 10 Jahren sehe ich mich... immer noch am arbeiten und nach neuen Geschäften Ausschau halten. Ein Ruheständler werde ich nie!

Wer es in meinem Geschäft zu etwas bringen will,der... sollte kreativ sein und ein eisenharter Optimist sein. Zudem sollte auch eine gewisse Bereitschaft für “Opfer” da sein. Denn Lebensluxus muss man sich erarbeiten und dann genießen. Also man muss sich auch Zeit lassen, um seine Ziele zu verwirlichen. Gut wäre auch, wenn man die englische Sprache fließend spricht und dazu zumindest die Grundbegriffe im französischen kennt. Also ein permanentes Dazulernen gehört auch zum erfolgreichen Leben. Ganz wichtig erscheint mir auch die Anpassungsfähigkeit zu sein. "Andere Länder andere Sitten", kommt nicht von ungefähr.

Geld macht... mit Sicherheit nicht glücklich. Es ist gut, wenn man Geld zum Leben hat, aber gleich davon Millionen besitzen zu wollen halte ich für Schwachsinn, man lebt damit nicht besser! Der eigentliche Reichtum eines Menschen -aus meiner Sicht - ist die Freiheit,Gesundheit und der innere Friede. Alles andere ist Nebensache.

Rat suche ich... bei meinen Freunden, von denen ich aber nur zwei habe.Dafür sind es wahre Freunde und ich kann mich vollkommen darauf verlassen, dass sie erhliche Antworten liefern, die für mich nützlich sind. Bevor ich diese Freunde in Anspruch nehme, versuche ich erst, über entsprechnende Literatur eine Lösung, eine Antwort zu finden.

Familie und Beruf... gehören zu den wichtigsten Dingen in meinem Leben. An beidem habe ich Spaß und setze mein Können oder Wissen ein, dieses zu erhalten. Der Beruf – Tätigkeit – erfüllt mich mit Genugtuung und lässt meinem Leben einen Sinn ergeben.

Wer nach Mauritius auswandern möchte, dem rate ich... sich zuvor eine “Schnupperreise” von vielleicht 4 Wochen zu gönnen, um hier vor Ort die tatsächlichen Lebensbedingungen zu studieren. Mauritius ist eine vollkommen andere “Welt” und hat wenig mit Deutschland zu tun. Wichtig wäre auch, für die erste Zeit einen guten Kontakt zu haben mit einem Einheimischen und eine billige Unterkunft zu finden. Man muss sich im klaren sein, dass es hier keine sozialen Netze gibt wie in Deutschland und das heißt man ist vollkommen auf sich alleine gestellt. Arbeitslosengeld gibt es nicht. Ein gute Informationsquelle ist das Government die Ihr unter dieser Website findet: www.gov.mu

Sollten dann noch Fragen offen sein, so könnt ihr mit mir Kontakt aufnehmen. Ich versuche dann, so schnell wie möglich zu antworten - kann aber keine Garantie geben, dass diese Antwort umgehend erfolgt. Also, bitte etwas Geduld... Wie ihr ja erfahren habt, sind die Insulaner in allen Dingen langsam - und ich bin ein Einheimischer!

Fragen für Wohin-auswandern: Knut Gierdahl

Veröffentlichungsdatum: 06. 12. 2009
Bilder-Copyright: Siegfried Breitkreuz

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