Auswandern mit Kindern

In ein anderes Land, mit einer anderen Sprache, einer anderen Kultur ziehen? Das will gut überlegt sein. Besonders, wenn man Kinder hat, hat dieser Schritt Folgen.
Hier gilt es, gut abzuwägen ...

Kinder, Schulklasse

Sie als Eltern haben die Verantwortung. Aber bedenken Sie: meist finden sich Kinder schneller in der neuen Umgebung zurecht als Erwachsene. Auch die neue Sprache lernen sie recht schnell 'im Gehen'. Es ist oft traurig, wenn sich Erwachsene den Neustart versagen, "weil das mit den Kindern ja nicht geht". Es kann sein, dass da nur die eigene Unentschlossenheit verdrängt wird. Die falsche Rücksicht auf Kinder ist dann die Rechtfertigung, um alles beim Alten zu belassen.

Wenn Sie ins Ausland gehen wollen und das Kind/ die Kinder sich auch darauf freuen - dann ist alles bestens. Probleme lassen sich im Gehen lösen. Wenn sich die Frage aufdrängt: Wird das gut gehen mit den Kindern?, dann sind wir am selben Punkt: Wenn Sie ins Ausland gehen wollen und das Kind sich auch darauf freut - dann ist alles bestens. Und wenn nicht? Dann ist es am wichtigsten, den Sinn des Auswanderns zu finden, bis Sie sich auf die Veränderung freuen. Bis Sie eine bunte Zukunft dank der Veränderung sehen. Diese Vision vermitteln Sie dann Ihrem Kind. Ein Buch über Zielerreichung und Alltagsorganisation sind höchst wertvoll. Und da es sehr gute Bücher gibt, belasse ich es hier bei dem saloppen Hinweis.

Ab dem Abschnitt "Selbstständigkeit fördern" (s.u.) gibt es einige praktische Tipps, eine Checkliste und Ratschläge zu Details. Das ist alles gut. Helfen kann es m.E. nur dann, wenn Sie den knappen Hinweis von eben wirklich beherzigen. Würde ich ihn angemessen wiederholen, würde das hier bald wie eine Predigt klingen. Will keiner hören. Ok. Also weiter.

Kinder gehen mit oder beenden die Schule in Deutschland

Die meisten Auswanderer sind Mitte, Ende Dreißig. Wenn Ihr Kind noch zwei oder weniger Schuljahre vor sich hat, ist es knifflig. Der Umstieg in ein anderes Schul-System kurz vor Ende kann sehr schwer sein. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  • Umzug mit Kindern, Kindergarten oder Umschulung
  • Internat

Internat für selbstständige Kinder

Schule - für Auswandererkinder enorm wichtig Das bedeutet Trennung auf Zeit. Sie sollten es nur erwägen, wenn Sie Verwandte in Deutschland haben und das Kind zu denen einen 'Draht hat'!

Ich hatte mir mit 15 vor diesem Schritt wenig Gedanken gemacht, was das heißt: Nicht mehr bei den Eltern wohnen. Ich wollte mehr lernen, um zu studieren. Punkt. Dann sah ich die neue Schule, mein Zimmer und die fremden Mitbewohner. Meine Habe in zwei Koffern verstaut. Da wünschte ich, ich könne die Zeit zurück drehen. "Es ist ja nur für zwei Jahre. Wenn ich die Ferien abziehe, nur 1 3/4 ...", sagte ich mir eine, zwei Wochen lang. Danach war das Eis gebrochen.

Doch meist werden die Kinder weit jünger sein und dann heißt es für alle: umziehen.

Umzug mit den Kindern: KiTas

Auswandern mit Kindern - die neue HeimatWie hierzulande, gibt es auch in vielen anderen Staaten keine 100%ige Kindergarten-Garantie. Lange Wartelisten auf KiTa Plätze in den Großstädten - das gibt es überall. Nutzen Sie einen Urlaub vorab zur Sondierung und um sich für einen Platz vormerken zu lassen. Da Sie in ein paar Tagen wieder abreisen, geht es oft leichter mit einem Termin. Planen Sie eine Wartezeit von einigen Monaten ein.

Sofern es Wartelisten gibt, werden sie meist nach Dringlichkeit sortiert. Das kann sich aber von Land zu Land und mit der Zeit ändern. Was sich immer wieder gezeigt hat: Priorität haben dabei

  • Kinder mit einer Behinderung
  • Kinder von alleinerziehenden Eltern
  • Kinder von kranken Eltern(teilen)
  • Kinder voll berufstätiger Eltern

Beziehen Sie auch die privaten Kinder-Tagesstätten in Ihre Überlegungen ein. Schicken Sie Ihre Kinder in der neuen Heimat in den Kindergarten, auch wenn es anders ginge. In Kitas lernen die Kleinen die Sprache schneller und sind sofort integriert. Das können Sie als Eltern nie ersetzen.

Umzug mit den Kindern: die neue Schule

Sobald Sie wissen, wo Sie wohnen werden: kontaktieren Sie die örtliche(n) Schule(n). Besichtigen Sie mit den Kindern vorab die Schule. Sprechen Sie mit den Lehrern. Ihr Kind sieht dann, wo es zur Schule gehen wird. Das baut Ängste und Ungewißheit ab. Beim Kind und bei Ihnen :)

Noch ein Tipp: Machen Sie Fotos von den neuen Orten und hängen die in der Wohnung auf. Dann sieht sie jeder täglich. Die Familie gewöhnt sich dann schon an die neue Umgebung, alles wird im Vorfeld schon vertrauter.

Auslandsschulverzeichnis

Ein aktuelles Auslandsschulverzeichnis hat das Bundesverwaltungsamt online. Beginnen Sie Ihre Recherche hier beim BVA.

Selbstständigkeit fördern

Ich wollte eben diesen Abschnitt mit "Die Selbstständigkeit des Kindes fördern" überschreiben. Halt! Wir haben doch hier das grundsätzliche Phänomen, dass Kinder den Eltern alles nachmachen. "Du kannst sagen, was du willst - Kinder machen eh alles nach ..." Hm. Dann geht es nicht als erstes um einen "Förderauftrag" an die Adresse der Kids. Sondern zuerst um die Frage: Wie selbstständig bin ich? Hier kann jede Entwicklung der Kleinen nur anfangen. Aus der Prüfung der eigenen Selbstständigkeit ergeben sich die fruchtbarsten Ansätze für die ganze Familie. Denken wir mal an die Vereinigten Staaten: Waren Einwanderer nicht schon immer Pioniere? Die Herausforderungen des Neuanfangs meistert am besten, wer aus Überzeugung eigenständig ist.

Wie selbstständig bin ich?, das ist eine offene Frage. Es geht nicht um Erfüllung (oder darum, das Nichtgenügen festzustellen) einer Norm. Sondern es geht darum, dass Sie sich in den aktuell wichtigen Bereichen bewusst machen, wie Ihre Selbstständigkeit und Unselbstständigkeit verteilt sind. Niemand ist 100% eigenständig. Niemand ist völlig von anderen abhängig. Das klingt vielleicht trivial, bis Sie es konkret angehen. Beantworten Sie sich Fragen wie die folgenden:

  • Wo will ich mich im neuen Umfeld für die nächsten drei Monate nur auf mich verlassen?
  • Was will ich in den ersten sechs Monaten durch eigenes Ausprobieren lernen?
  • Wie will ich die fehlenden sozialen Kontakte kompensieren?

Ich denke, so gewinnen Sie eine realistischere Sicht auf sich und die Kinder in der neuen Heimat. Jetzt können Sie die Selbstständigkeit der Kinder prüfen und Schritte überlegen, diese ggfs. zu verbessern. Gehen Sie die Checkliste durch:

Checkliste für mehr Eigenständigkeit (Eltern- und kindertauglich)

  • Stellen Sie mit Ihrem Kind Fernsehregeln auf. Lassen Sie das Kind die gefundenen Regeln aufschreiben. Grund: Selbst gesetzten Regeln zu folgen, erhöht die Eigenständigkeit. Durch das Aufschreiben bleibt diese elementare Tatsache gegenwärtig.
  • Genau so eignen sich Müll raustragen, Staub saugen, sein Zimmer aufräumen, Zeiten für Einkaufsbummel usw. für schriftlich festgehaltene Regelungen. Grund: Gerade, wenn im Zielland das gewohnte Umfeld fehlt, helfen solche Regeln, Halt im Gewohnten zu finden.
  • Hat Ihr Kind Streit in der Schule? Verletzungen, blaue Flecken? Ist es Zuhause aggressiver als gewohnt? Mögliche Gründe: Zuviel Fremdes in kurzer Zeit kann es nicht bewältigen. Die Sprachbarriere ist zu hoch, es kann sich nicht verbal mitteilen.
  • Ist Ihr Kind zu anhänglich geworden? Will die Wohnung nicht verlassen, ist schüchtern, sucht hauptsächlich den Kontakt zu den Eltern? Für eine Übergangszeit kann es ihm helfen. Regelmäßige Pflichten können helfen, die innere Leere zu überwinden und sich mit der Umgebung zu verbinden. Auch "Kleinigkeiten" gehören dazu: 1h vor dem Essen die Butter aus dem Kühlschrank holen o.ä.
  • Kennen Sie die neue Schule von innen? Klassenzimmer, Foyer, Turnhalle ...? Ansonsten lassen Sie sie sich von Ihrem Kind zeigen.
  • Setzen Sie sich zu Ihrem Kind, wenn es sein Netbook benutzt, bzw. mit ihm zusammen an den Computer, während es im Internet surft.
  • Schauen Sie ihm zu, bis das normal und für beide in Ordnung ist.
  • Fragen Sie, wozu es tut, was es tut. Fragen Sie, was es über Risiken im Umgang mit dem Gerät und im Internet weiß.
  • (Altersabhängig) Legen Sie gemeinsam Profile in den Sozialen Netzwerken an.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind nicht zu viel über sich verrät. Und achten Sie darauf, dass es nicht zu wenig mitteilt. Sonst halten es seine Freunde für verschlossen. Sie sehen, was üblich ist, wenn sie sich zusammen die Profile seiner Freunde anzusehen.

Wie mache ich es richtig?

Das ist eine unnütze Frage; richtig und falsch ist das, was Ihnen hilft oder nicht. Und "der Fehler" von heute kann eine wichtige Kontrasterfahrung für übermorgen sein. Manche Ratgeber tun so, als sei das Eltern-Kind-Verhältnis ein Rechtsverhältnis, wo Kinder keine Ahnung von nichts haben, aber die Eltern das nicht feststellen dürfen, weil es die Persönlichkeitsrechte vom Junior verletzt. Mit solcher Doppelbödigkeit macht man es für alle schwerer. Vertrauen zu Ihrem Kind stärken Sie kaum, wenn Sie ihm eine Privatsphäre vorgaukeln, wo Ihre Vorstellung einer Familie zu kurz kommt.

Bausteine für den Neuanfang

Das folgende stammt aus einem Ratgeber für getrennte Eltern. Und es passt auch für Neu-Einwanderer, weil die auch gerade eine Trennung hinter sich haben.

Sprechen Sie nicht schlecht über Ihr altes Leben

Die Heimat war nicht schlecht. Sondern sie war (mindestens) gut genug, um 30 Jahre (oder wie alt Sie heute sind) darin zu leben. Wenn Sie sie verdammen, zerreißen Sie sich. Und Ihr Kind wird noch seltsamere Schlüsse daraus ziehen. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie das Leben in Deutschland glorifizieren. Das ist auch nicht nötig. Hat Sie etwas jemand gezwungen, auszuwandern?

Mädchen mit Spielzeugtier

Das Beste ist, Sie bemühen sich um ein ausgewogenes Verhältnis von guten und schlechten Erinnerungen. Und das Allerbeste ist, Sie erinnern sich immer wieder daran, dass Sie selbst Ihr Leben in Deutschland verantwortet haben und auch die neue Lebensphase verantworten. Aus Fehlern und Erfolgen kann man lernen. Und Ihr Kind wird es Ihnen danken, diese Perspektive auf das Leben zu hören.

Fragen Sie Ihr Kind, wie es sich fühlt

Vielleicht anfangs jeden Abend oder (mindestens) an einem Tag in der Woche. Ebenso wie Sie versucht Ihr Kind, die Trennung zu bewältigen. Es wagt einen Neubeginn.

Stellen Sie offene Fragen. "Wie fühlst du dich?" ist eine offene Frage. Vermeiden Sie geschlossene Fragen. Geht es dir schlecht? ist eine geschlossene Frage. Geht es dir gut? ist auch eine geschlossene. Der Fragende legt dann oft unbewusst schon zu viel fest, in welche Richtung die Antwort erfolgen kann. Es wäre nicht schön, wenn Sie eigene Sorgen Ihrem Kind anhängen.

Ermutigen Sie Ihr Kind, Kontakt zu alten Freunden zu halten

Die Sozialen Netzwerke und Apps helfen, Kontakte zu halten. Vielleicht haben Sie da gar nichts zu tun, außer endlich das Internet in der neuen Wohnung zum laufen zu kriegen. Pronto! :)

Telefonieren ist auch kein Problem mit Skype.

Auswandern ist ein Teil Ihres Lebens

Akzeptieren Sie das. Vermitteln Sie es Ihrem Kind. Nicht: Sagen Sie es ihm, sondern teilen Sie es so mit, dass das ankommt: Auswandern ist ein Teil unseres Lebens! Es ist keine formale Sprachübung gemeint. Vielleicht erzählen Sie eine Geschichte der Auswanderung. Oder Ihr Kind sieht sie lachen, wenn Sie zur Wohnung reinkommen und weiß, dass jetzt alles gut ist.

Planen Sie die Zukunft, statt mit Vergangenem zu hadern. In den ersten Wochen im Zielland ist alles fragil, fremd, unbekannt. Da wird man leicht anfällig für Selbstzweifel: Warum bin ich nur hierher gekommen? Wieso hat mich niemand abgehalten? ... Das bessert nichts, im Gegenteil. Fragen Sie sich stattdessen: Was habe ich morgen Abend geschafft? Wie verbessere ich morgen unser Leben weiter? Wie schon das Orakel in dem SciFi-Film "Matrix" zu dem verdatterten Neo sagte: "Du wirst dich gleich viel besser fühlen." Ach ja, und Ihr Kind auch.

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letzte Bearbeitung: 30.04.2017

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