Studieren im Ausland: Bachelor ohne Hauruck-Aktionen

Wer nur die staatlichen deutschen Universitäten kennt, mag glauben, der Bachelor sei in Bologna erfunden worden. Doch hat die Mehrzahl der Hochschulen außerhalb Deutschlands die Reformphase überwunden oder bisher nicht gebraucht. Ein Blick auf Studienangebote im Ausland.

Studieren im Ausland

Das Konzept

  • anspruchsvoller, fordernder Unterricht in möglichst kleinen Gruppen
  • hohe Leistungsstandards, um das Potential der Studenten voll auszuschöpfen
  • eine breitgefächerte Allgemeinbildung als Grundlage für die vertiefenden Folgesemester

Studieren in Kanada

1821 wurde die heute größte englischsprachige McGill Universität Kanadas gegründet. Über Unsinn der Bachelor- und Masterordnung diskutiert man hier nicht. Angenehmer Nebeneffekt: die Ressourcen, die an den deutschen Universitäten durch Reformen gebunden werden, kommen direkt den Studenten zugute. Keine Neuerungen kurz vor Semesterbeginn, keine Schwarzen Bretter, deren Inhalte schneller als im Newsticker veraltet sind. Sondern das Studium ist verlässlich planbar. Und mit klaren Rahmenbedingungen ist auch ein forderndes Programm leichter zu bewältigen.

Eckdaten

  • Das Regelstudium bis zum ersten berufsqualifizierenden Abschluss dauert 4 Jahre. Ein Jahr länger als in Deutschland.
  • Studenten müssen insgesamt 120 Credit Points in wenigstens einem Haupt- und einem Nebenfach sammeln.
  • Soft skills stehen in keinem Stundenplan. So bleibt mehr Zeit für das Fachstudium.
  • Pro Semester sind 4 Kurse zu belegen, 5 Kurse werden empfohlen.

Elite? Jeder entscheidet das selbst.

Studentin mit TextWer sich mehr als 5 Kurse zutraut, kann sich in kanadischen Hochschulen für das "honors program" einschreiben. Studenten legen darin ihren Studienschwerpunkt eindeutig auf einen Fachbereich und belegen in diesem überdurchschnittlich viele Kurse.

Noten, die schlechter sind als B minus (2,7 in Deutschland), werden im "honors program" nicht angerechnet. Absichern kann man sich gegen zu schlechte Noten indirekt, indem man mehr Kurse belegt und besteht. Als Lohn winkt nach einem sehr guten Bachelor der direkte Sprung auf die Doktorandenebene. Ein Master-Studiengang ist dann nicht mehr nötig.

Studierende in Kanada und den USA identifizieren sich generell mehr mit "ihrer" Uni als in Deutschland. Die Hochschule zu wechseln, ist die große Ausnahme.

Studienkosten

Ausländische Studenten bezahlen 12.000 bis 15.000 Dollar pro Jahr, locals werden meist finanziell subventioniert. Dennoch kommen fast zwanzig Prozent aller Studierenden aus dem Ausland. Wer so in sein Studium investiert, will etwas dafür haben: die bestmögliche Ausbildung. Wer weniger will, hält nicht lange durch.

Es wird im angloamerikanischen Raum gnadenlos aussortiert - und wer dabeibleibt, weiß, was es ihm und den Kommilitonen wert ist. Das schafft auch Vertrauen zu anderen Studenten und Professoren.

Studieren in Maastricht

Auch die Niederlande sind den staatlichen deutschen Universitäten im "Bolognaprozess" um einige Jahre voraus. Woran zeigt sich das?

  • Unterricht an der Business Fakultät wird ausschließlich in Englisch gegeben - Vorbereitung auf die globale Wirtschaft.
  • Statt Frontalunterricht im überfüllten Hörsaal sind kleine, von den Studenten selber gestaltete "Tutorials" zentral. Sie werden von einem Tutor beaufsichtigt.
  • Dabei sind die Kosten erträglich und - verglichen mit Eliteuniversitäten - äußerst gering. Durch staatliche Beihilfe zahlen Studenten aus der EU 500 Euro netto pro Studienjahr.
  • Kurze Studienzeiten sind gewollt und erinnern daran, dass Studieren kein Selbstzweck sein sollte.

Fazit

Kritiker bemängeln den zu hohen Druck, die Priorität von Leistung statt Gleichmacherei ("Chancengleichheit") und ein durchorganisiertes Studium, das alle Lebensbereiche und Ressourcen auf das Studienziel ausrichtet.

Unter der Oberfläche haben Studenten jedoch viele Möglichkeiten und eine interessante Zeit, in der sie sich optimal auf ihre Zukunft vorbereiten. Die Studienangebote sind im Gegensatz zu vielen deutschen Unis kein Flickwerk.

Turm der McGill Bibliothek, Montreal, Kanada
Bibliotheksturm der McGill Universität, Montreal, Kanada

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