Auswandern und Leben in Frankreich

Auswandern nach Frankreich hat - unabhängig von landesspezifischen Eigenheiten - einen Vorteil: man bleibt nah an der alten Heimat. Frankreich und Deutschland sind Nachbarländer und näherten sich auch politisch einander an.  

Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Frankreich liegt bei 11 Grad. Im Winter liegt das Mittel bei ein bis zwei Grad, im Sommer erreichen die Temperaturen im Schnitt 18 Grad. Die Bretagne und die Normandie sind vom Seeklima geprägt. Im Landessüden ist das Mittelmeerklima dominierend.

Moderne Metropole: Paris
radikale Moderne in Paris und ...

altes Schloss
lebendige prunkvolle Geschichte.

Die größten Städte nach Paris sind Marseille, Lyon, Toulouse und Nizza. Marseille ist Frankreichs wichtigste Hafenstadt und die drittwichtigste Hafenstadt in Europa. Der Touristenmagnet Nizza gilt als Stadt der Reichen und Schönen - sichtbarer Ausdruck davon sind seine Jachthäfen.

Politik

Frankreich ist eine zentralistisch organisierte Demokratie. Einen Föderalismus wie in Deutschland - starke Bundesländer und bedeutende Großstädte - kennt Frankreich nicht. Victor Hugo sah Paris als "Zentrum der Zivilisation" an und daran hat sich bis heute nicht viel geändert. In der Verfassung nimmt der direkt gewählte Staatspräsident eine starke Stellung ein. Er ernennt den Premierminister und die Minister, hat gegenüber Gesetzbeschlüssen des Parlaments ein Veto-Recht und kann die Nationalversammlung auflösen.

2008 stellt das konservative Lager um Nicolas Sarkozy mit 345 Sitzen die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung.

Paris - Zentrum der Macht

2002 machte der damalige Premierminister Raffarin seine Linie klar: "Je mehr Verantwortung vor Ort übernommen wird, desto besser sind die Entscheidungen." Er wollte den Zentralstaat abschaffen und der Grande Nation ein neues Gesicht geben. Diese Reformbemühungen sind heute in einer Sackgasse. Sarkozy lässt sich vom Leitspruch der Jakobiner leiten: "Frankreich ist eins und unteilbar." Für die Einheitlichkeit kann nur eine starke Zentralmacht sorgen.

Inwiefern ist das französische Paradigma der Zentralmacht für den Auswanderer nach Frankreich wichtig?

  • Für über ein Drittel deutscher Auswanderer ist die überbordende Bürokratie ein Grund, das Land zu verlassen. Wenn das für Sie wichtig ist, erwarten Sie in Frankreich nur Variationen auf das Thema, keine Verbesserung.
  • Ein Hauptspannungsfeld ist das zwischen Provinz und Zentralregierung in Paris. Zählt mehr Lebensqualität, zieht es viele in den Süden. Steht die Karriere im Vordergrund, ist ein Umzug in eine der Großstädte meist ein Muss.
  • Die 36.782 Kommunen (in Deutschland gibt es 14.000) erheben viele Steuern selbst und sind für deren Verwendung verantwortlich. Das ist auch ein Erbe der versuchten Reform. Wichtig für den Einwanderer ist zu wissen, dass die Steuern regional stark voneinander abweichen. Bei der Wahl der neuen Heimat ist es ratsam, das zu berücksichtigen.
  • Viele Minikommunen (kleine Dörfer) sind mit den Aufgaben wie Müllverwaltung, öffentlicher Transport, Betreuung von Sporteinrichtungen überfordert. Sie schließen sich mit anderen Kommunen zusammen, allerdings sind dabei nicht immer Sachfragen zielführend. Darum: kleine Kommunen mit moderaten Steuern sind nicht automatisch die besten Wohnorte.

Bevölkerung

Mit einer Bevölkerung von 61,4 Millionen nimmt Frankreich in der EU den zweiten Platz ein. Die höhere Geburtenrate lässt erwarten, dass Frankreich Deutschland in den nächsten Jahrzehnten überholen wird - zumindest hinsichtlich der Einwohnerzahl. Im Großraum Paris lebt heute ein Sechstel der Bevölkerung.

Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt für Männer 76,7 Jahre, während französische Frauen 83,8 Jahre alt werden.

Bildungswesen

In Frankreich herrscht Bildungspflicht - aber keine Schulpflicht - der auch durch Hausunterricht (Homeschooling) entsprochen werden kann. Die Zahl der unbeschulten Kinder und Jugendlichen liegt bei etwa 10.000.

Das öffentliche Bildungswesen in Frankreich ist unentgeltlich. Das Bildungssystem setzt auf Auslese, Leistung und Elitebildung:

  • Es gibt Rangliste sowohl für Schüler als auch für Lehrer.
  • Der Zugang zu den besten Hochschule ist nur über Wettbewerbe möglich.
  • Als erste Fremdsprache wird Englisch an den Schulen gelehrt.

Wirtschaft

Frankreichs Volkswirtschaft wurde in den letzten Jahren zunehmend dereguliert und privatisiert. Ein staatlicher Mindestlohn, der SMIC, sichert den Angestellten einen Stundenlohn von derzeit 8,03 Euro. Schlüsselindustrien, besonders die Energiewirtschaft, sind bislang unter staatlicher Kontrolle. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 8,2 Prozent. In Frankreich gilt die 35 Stunden-Woche.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Durchschnitt der Jahre 1995 bis 2005 um 2,1 % jährlich und lag 2005 11% über dem EU Durchschnitt.

Die Mehrwertsteuer in Frankreich beträgt 20,6 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz für Lebensmittel und andere Produkte liegt bei 5,5 Prozent. Die Besteuerung natürlicher Personen erfolgt wie in Deutschland: Je mehr man verdient, desto mehr Steuern zahlt man. Die Steuerlast liegt zwischen 12 und 56 Prozent.

Verkehr

Die meisten Autobahnstrecken werden privat betrieben, an Mautstellen müssen alle Benutzer Maut zahlen. Nur wenige Abschnitte sind mautfrei, zum Beispiel im Bereich der Großstädte oder die neue A75. Je nach Verkehrsaufkommen/ Unterhaltskosten wird auch in Großstädten Maut erhoben.

Der öffentliche Nahverkehr ist in den Großstädten gut ausgebaut. In Paris ist kein Ort weiter als 500 Meter von einer Métro Station entfernt. In der Provinz ist der Nahverkehr kaum entwickelt.

Einreise nach Frankreich

Als EU-Bürger kann man mit Reisepass oder Personalausweis einreisen. Unbefristeter Aufenthalt in Frankreich ist möglich, solange ein geregeltes Einkommen gesichert ist. Das Auswandern nach Frankreich erweist sich somit für Deutsche als relativ einfach.

Die ersten Schritte in Frankreich

Wenn Sie eine Wohnung mieten, beachten Sie:

  • Der Gesetzgeber schützt Menschen in finanziellen Notlagen. Das bedeutet, ein Vermieter kann einem Mieter bei Mietrückstand nicht einfach kündigen.
  • Dieses Risiko kompensieren Vermieter durch eine Mietausfallversicherung. Die gibt es nur, wenn man ein ungekündigtes und unbefristetes Arbeitsverhältnis nachweist. Kurz nach der Ankunft ist das oft nicht der Fall...
  • Maklerbüros sind oft wählerisch, was ihre Kunden angeht. Verdienstnachweis, drei Monatsmieten Kaution und eine Bankbürgschaft sind üblich.
  • Vorsicht bei Zeitungsannoncen, die eine günstige Mietwohnung ohne Maklergebühr, nur mit fester Vermittlungsgebühr von ca. 150 € anbieten. Für diesen Betrag bekommt man oft nur Listen mit Wohnungen, die irgendwann in letzter Zeit angeboten wurden. Mittlerweile können sie wieder vermietet sein.

Kreditkarte und Papiere

In Frankreich sind Kreditkarten verbreitet. Wenn Sie ein Konto eröffnen, beantragen Sie am besten gleich die Karte mit.

Weit verbreitet ist die Visacard. Wählen Sie die Option "débit différé", d.h., Abbuchung am Monatsende. Bei Sofortabbuchung wird jedes Mal die Genehmigung Ihrer Bank eingeholt und im Ausland ist das nicht immer möglich.

Achten Sie auf die Höchstsumme für Bargeldabhebungen im Ausland. Sie können bei Bedarf erhöht werden. Sonst kann es sein, dass Sie im Urlaub in Deutschland nur 500€ / Woche abheben können.

Holen Sie sich am besten noch in Deutschland einen neuen Reisepass. So haben Sie ein für 10 Jahre gültiges Dokument und zögern eine teurere Neuausstellung in Frankreich hinaus.

Stellensuche und Arbeit

Oft werden Bewerber gesucht, die außer dem Abitur eine 2-4 jährige Studienzeit absolviert haben. Bac+2 oder Bac+4 geben die Jahre/ Studienabschlüsse an. Egal, ob Berufserfahrung erwünscht oder vorausgesetzt wird, bewerben Sie sich. Auch wenn Sie nicht alle Bedingungen erfüllen und sich nur wenige Bewerber melden, senken manche Unternehmen ihre Ansprüche. Mehr als eine Absage kann's nicht geben.

Das Bewerbungsschreiben soll oft hanschriftlich vorliegen - damit werden graphologische Gutachten des Bewerbers erstellt.

Mit wenigen Ausnahmen (wie Polizei, Militär) steht der französische Arbeitsmarkt Deutschen offen. Die Gehälter sind verglichen mit Deutschland überwiegend niedrig.

Eine französische Eigenheit: Nettogehalt ist ja das, was Sie am Monatsende ausbezahlt bekommen. Davon müssen in Frankreich aber noch Steuern (außer Sozialversicherung) abgeführt werden. Das wird, anders als in Deutschland, nicht schon im Vorfeld zentral gemacht.

Rundfunkgebühren

Auch in Frankreich gibt es eine GEZ-ähnliche Zwangsgebür für Rundfunk. Diese Gebühr muss bezahlt werden muss, sobald man einen Fernseher hat - egal ob man französische Programme sieht oder nicht.

Wenn Sie den Fernseher in Frankreich kaufen, meldet der Verkäufer ihre Daten automatisch an die französische Gebühreneinzugzentrale - Sie müssen sich um nichts kümmern.

Webadressen

Französische Botschaft
Pariser Platz 5
10117 Berlin
Telefon: 030-5 90 03 90 00
Telefax: 030-5 90 03 91 10
Email: info@botschaft-frankreich.de
www.botschaft-frankreich.de

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Kommentare

Das stimmt schon. In Frankreich herrscht Bildungspflicht, was oft fälschlicherweise als Schulpflicht übersetzt wird. Das, was man in Deutschland unter Schulpflicht versteht, müsste eigentlich Schulzwang heissen, da es keine Alternative zur Schul-anwesenheits-Pflicht gibt und sie mit Polizeigewalt bzw Sorgerechtsentzug durchgedrückt wird, egal wie gut die Bildung der Kinder ist. Die französische "Schulpflicht" kann aber sehr wohl durch Unterricht durch die Eltern erfüllt werden. Die Gesundheit und Entwicklung der Kinder wird in diesem Fall regelmäßig (einmal pro Jahr) überprüft.

Und das ist der Grund warum wir bald nach Frankreich davonschwirren - der deutsche Schulzwang, und und unsere - nicht damit vereinbare Überzeugung, dass schulische Bildung zu Konformität und Unbildung führt. :)

In Frankreich herrscht keine Schulpflicht? Aus welchem Jahr(hundert) sind denn diese Informationen?!

Ich zitiere Wikipedia: "Seit 1967 herrscht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr.[14]"